Letztes Update am So, 09.06.2019 17:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Festival

„Rock im Park“: 2600 Einsätze für Retter, 132 Menschen wegen Raupe erkrankt

Die Sanitäter mussten bislang 148 Menschen ins Krankenhaus bringen. Zudem erlitten 132 Besucher allergische Reaktionen, ausgelöst durch den giftigen Eichenprozessionsspinner.

Die meisten Besucher ließen sich den Spaß am Festival dennoch nicht verderben.

© dpaDie meisten Besucher ließen sich den Spaß am Festival dennoch nicht verderben.



Nürnberg – Mehr als 2600 Mal sind Sanitäter beim Nürnberger Festival „Rock im Park“ bis zum Sonntagmittag im Einsatz gewesen. Darunter waren nach Angaben des Bayerischen Rote Kreuz (BRK) vom Sonntagmittag 22 Notarzt-Einsätze. 148 Menschen kamen ins Krankenhaus.

Zu schaffen machte Helfern und Besuchern auch eine kleine Raupe: Der giftige, Allergien auslösende Eichenprozessionsspinner wurde 132 Menschen zum Verhängnis. Alle Fälle seien allerdings noch glimpflich ausgegangen. Die Betroffenen konnten nach BRK-Angaben vor Ort behandelt werden.

Oftmals Warnhinweise ignoriert

Mindestens 100 Bäume hat die Schmetterlingsart rund um die Bühnen und Campingplätze befallen, wie das Portal Nordbayern berichtet. Rund um viele Bäume wurden Warnhinweise angebracht: „Allergiegefahr“, steht dort in schwarzen Großbuchstaben auf gelbem Grund, „Vorsicht“ auf roter Farbe. „Eichenprozessionsspinner! Raupen und Nester nicht berühren!“ Spezialisten arbeiteten seit Mitte der Woche an der Beseitigung, stießen aber an ihre Grenzen.

Oben: Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners. Die feinen Haare enthalten das Gift Thaumetopoein. Unten: Nest mit Eichenprozessionsspinnern. Ihre Nester werden auch "Gespinste" genannt.
Oben: Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners. Die feinen Haare enthalten das Gift Thaumetopoein. Unten: Nest mit Eichenprozessionsspinnern. Ihre Nester werden auch "Gespinste" genannt.
- dpa

Viele Besucher gingen auch leichtfertig mit der Gefahr des Eichenprozessionsspinners um, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisationen bei „Rock im Park“. Mehrere Menschen campten in unmittelbarer Nähe zu den Absperrbändern und ignorierten entsprechende Hinweise. Der Großteil aber halte sich an die Vorgaben.

Das Rote Kreuz jedenfalls rief die Camper trotzdem dazu auf, die betroffenen Regionen zu meiden und auf andere Campingplätze auszuweichen. Entsprechende Ausweichflächen wurden bereits im Vorfeld geschaffen.

Giftige Brennhaare

Der Falter des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) selbst ist ungefährlich, doch die feinen Haare der Raupen sind für den Menschen gesundheitsgefährdend. Die giftigen Brennhaare können Atemnot und allergische Schocks auslösen. Diese enthalten Nesselgift (Thaumetopoein), das bei Berührung mit der Haut Juckreiz, Bläschen und Ausschläge auslösen kann (Raupendermatitis), die tagelang anhalten können.

Seltener sind Reizungen der Atemwege. Hier kann es zu Husten, Atemnot und Asthma kommen. Gelangt das Nesselgift ins Auge, kann das zu Rötungen und sogar einer schmerzhaften Bindehautentzündung führen. Die feinen Härchen können auch allergische Schockreaktionen auslösen.

Toiletten-Probleme

Neben den Eichenprozessionsspinnern machte den „Rock im Park“-Besuchern auch die Toilettensituation zu schaffen – davon gab es auf dem Festivalgelände in Nürnberg zu wenig. Im Internet brach ein „Shitstorm“ los. Weil es Probleme mit den sanitären Anlagen gab, fielen zahlreiche der 320 Duschen und 130 Wassertoiletten aus. Und die 600 Chemie-Toiletten reichten offenbar nicht für die rund 77.000 Rockfans. Am Samstagmorgen wurden Dutzende Chemietoiletten nachgeliefert. (dpa, TT.com)