Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


Bezirk Landeck

„Pfingstengel“ half Urlaubern in Martina aus der Patsche

Hilfsbereiter Tösner Handwerker und junges Paar haben deutsche Rentner im Grenzgebiet vor Nacht im Freien gerettet. Der Öffi-Bus nach Landeck war weg.

An der Staatsgrenze Österreich-Schweiz (im Bild das Zollamt Martinsbruck) „strandeten“ zu Pfingsten fünf deutsche Rentner. Der letzte Abendbus nach Landeck war weg, eine Übernachtung im Freien drohte.

© WenzelAn der Staatsgrenze Österreich-Schweiz (im Bild das Zollamt Martinsbruck) „strandeten“ zu Pfingsten fünf deutsche Rentner. Der letzte Abendbus nach Landeck war weg, eine Übernachtung im Freien drohte.



Von Helmut Wenzel

Tösens, Martina – Im fast menschenleeren Grenzgebiet Österreich/Schweiz bei Martina gestrandet ist am Pfingstwochenende eine fünfköpfige Rentnergruppe, drei Männer und zwei Frauen aus dem Raum Ravensburg. Die Gruppe war mit Öffis unterwegs. Dass sie zu später Stunde doch noch am Landecker Bahnhof eintraf, verdankt sie hilfsbereiten Menschen.

„Wir haben uns schon darauf eingestellt, dass wir die Nacht im Freien verbringen müssen“, beschrieb Günter Peitz das beklemmende Szenario in Martina. „Dabei hat unsere Senioren-Rundreise so fröhlich begonnen.“

Von der Vinschgerbahn in Mals sei man in den Bus nach Martina umgestiegen. „Bis dorthin klappte alles bestens. Wir haben uns gut vorbereitet. Aber dort fielen wir aus allen Wolken. Der letzte Bus nach Landeck war weg, wir waren offenbar 20 Minuten zu spät“, schilderte Peitz. „Außer zwei jungen Schweizer Grenzbeamten war keine Menschenseele weit und breit. Das einzige Gasthaus in Martina war zugesperrt.“ Per Handy habe man in Landeck ein Taxi gerufen. Doch trotz Zusage habe die Gruppe vergeblich gewartet. Dann ein Anruf bei der Polizei. „Es hieß, man habe nur einen Streifenwagen, der andernorts im Einsatz sei.“

Der Gruppe blieb nur noch der Versuch, ihr Glück per Anhalter zu versuchen. Doch zahlreiche Autofahrer bedauerten, man könne niemanden mitnehmen. Spät aber doch kamen die gestrandeten Ausflügler nach Landeck. Zuerst stoppte ein junges Paar aus Österreich, das die beiden Frauen und einen der Männer mitnahm. „Wir zwei betagte Mannsbilder standen eine gefühlte Ewigkeit am Straßenrand“, erzählte Peitz.

Bis der „Pfingstengel“ kam, ein Handwerker aus Tösens (Name der Red. bekannt), der anonym bleiben will. „Ich habe in Nauders gearbeitet. Bei Einbruch der Dunkelheit war ich nach Hause unterwegs“, bestätigte der 61-Jährige gestern im TT-Gespräch. Dass er die „Gestrandeten“ nach Landeck bringen sollte, war zunächst nicht geplant. „In Tösens haben wir ihm gesagt, dass er die Ausfahrt verpasst hat“, erzählten die Autostopper. „Das war Absicht“, verriet der „Pfingstengel“. Nachdem er von ihrer Pechsträhne erfahren hatte, entschloss er sich zur Fahrt nach Landeck, wo der Rest der Gruppe wartete. „Mit dem guten Gefühl, dass es doch noch hilfsbereite Mitmenschen gibt, haben wir uns verabschiedet“, resümierte die Rentnergruppe.




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