Letztes Update am Mi, 12.06.2019 16:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Welttag gegen Kinderarbeit

152 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten

Die UNICEF forderte einen verstärkten Kampf gegen Kinderarbeit. Die SPÖ-Bereichssprecherin Petra Bayr will Produkte aus Kinderarbeit vom österreichischen Markt verbannen.

Wenn der Rückgang der Kinderarbeit im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen  betroffen sein. (Symbolfoto)

© dpa/FiedlerWenn der Rückgang der Kinderarbeit im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen betroffen sein. (Symbolfoto)



Köln/Wien – Einen stärkeren Kampf gegen Kinderarbeit weltweit fordern anlässlich des „Welttags gegen Kinderarbeit“ am Mittwoch Hilfsorganisationen und Politiker. Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF und die Kinderschutzorganisation „terre des hommes“ erklärten am Dienstag, dass noch immer 152 Millionen Mädchen und Buben arbeiten müssen, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen.

Das sei fast jedes zehnte Kind auf der Welt, sagte UNICEF laut Kathpress in Köln. Fast die Hälfte von ihnen (73 Millionen) leide unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch seien. Die meisten von Kinderarbeit betroffenen Buben und Mädchen leben in Afrika (72 Millionen), gefolgt von Asien (62 Millionen). Über 70 Prozent der arbeitenden Mädchen und Buben seien in der Landwirtschaft tätig. In Afrika ist die Verbreitung von Kinderarbeit laut Kindernothilfe drastisch: eines von fünf Kindern muss teils ausbeuterischen Arbeiten nachgehen, um zu überleben.

Gefährliche Kakaoernte

Besonders gefährlich ist die Arbeit im Kakaoanbau, betonen die Gewerkschaft PRO-GE und Südwind. Obwohl sich die Schokoladenkonzerne zu einem Ende der Kinderarbeit im Kakaoanbau bis 2020 verpflichtet hätten, würden noch immer rund zwei Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren allein in Ghana und der Elfenbeinküste (Cote d‘Ivoire) in diesem Sektor arbeiten. Diese Kinder müssten nicht nur schwere körperliche Arbeit leisten, ein großer Teil davon sei auch gefährlich mit hoher Verletzungsgefahr. So schleppen sie zum Beispiel Säcke mit Kakaobohnen oder Wasser für die Behandlung mit Insektiziden und schlagen die Schoten mit Macheten auf. Viele dieser Tätigkeiten seien gemäß Internationaler Arbeitsorganisation ILO für unter 17-Jährige strengstens verboten.

Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung, forderte, Produkte aus Kinderarbeit vom österreichischen Markt zu verbannen. „Es ist eine Schande, dass weltweit 73 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten müssen“, erklärte die Nationalratsabgeordnete in einer Aussendung. „Es braucht einen gesetzlichen Rahmen, der klare Sorgfaltspflichten für die HändlerInnen und ProduzentInnen definiert. Ziel ist, Produkte, in denen Kinderarbeit steckt, vom Markt zu verbannen. Ist es auf EU-Ebene noch nicht möglich, müssen wir fortschrittlichen EU-Mitgliedstaaten wie den Niederlanden folgen und einen nationalen Vorstoß machen.“

„Verbote allein zu wenig“

UNICEF rief Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen dazu auf, die Ursachen von Kinderarbeit wie extreme Armut, fehlende Bildungschancen und die Diskriminierung von Mädchen stärker zu bekämpfen. „Es reicht nicht, Kinderarbeit zu verurteilen und zu verbieten“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der arbeitenden Kinder laut UNICEF zwar stark gesunken – von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen 2016. Der Rückgang habe sich zuletzt aber verlangsamt.

„Wenn der Fortschritt lediglich im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sein“, so die UN-Organisation. (APA)


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