Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 17.06.2019


Exklusiv

Eine muffige Angelegenheit: Was tun bei Schimmel in der Wohnung?

Schimmelbildung an Wohnungswänden – nicht nur ein Problem während der kalten Jahreszeit. Sich beraten zu lassen wird teurer, da Förderungen eingestellt werden sollen.

Regelmäßig zu lüften beugt Schimmelbildung vor. Im Sommer kann die feuchte Luft aber bei erdanliegenden Wänden das Gegenteil bewirken.

© iStockphotoRegelmäßig zu lüften beugt Schimmelbildung vor. Im Sommer kann die feuchte Luft aber bei erdanliegenden Wänden das Gegenteil bewirken.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Die dunklen Stellen an den Wänden schauen nicht nur unschön aus und können muffig riechen, sie sind auch gesundheitsschädlich: Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt als gravierende Folgen, die ein Kontakt mit Schimmelpilzen verursachen kann, neben Atemwegs-, allergischen und asthmatischen Erkrankungen auch Störungen des Immunsystems.

Schimmel braucht Feuchtigkeit, die sich an kühlen Oberflächen bildet. Besonders anfällig sind nicht ausreichend gedämmte Außenwände, Außenecken oder Fensterlaibungen, also die innere Mauerfläche an den Seiten einer Fensteröffnung. Ob die Ursache für Schimmelbildung aber rein in der Bausubstanz zu suchen ist oder es doch auch am Verhalten der Bewohner liegt, ist nicht immer eindeutig bzw. darüber streiten sich häufig Mieter und Vermieter. Laut Gesetz ist Schimmel ein Grund für eine Mietzinsminderung. Walter Vogt, Landessekretär der Tiroler Vermietervereinigung, rät betroffenen Bewohnern aber ab, auf eigene Faust einen Teil der Miete zurückzubehalten: „Besser ist es, eine Vereinbarung zu treffen, wenn man sich nicht vor Gericht wiederfinden will. Das kann schnell ins Geld gehen.“ Schließlich hätten auch die Wohnungseigentümer ein Interesse daran, die Substanz zu erhalten.

Ein so genanntes falsches Wohnverhalten ist, wenn beim Kochen nach dem Aufstellen von Wasser die Abluft nicht eingeschaltet oder nicht gelüftet wird. Auch zu baden, ohne danach die Fenster zu öffnen, kann sehr schnell zu Schimmelbildung führen, „am besten sollte man danach mit dem alten Handtuch auch noch die nassen Fliesen trockenwischen“, rät Vogt. In schlecht isolierten Wohnungen kann es auch schon zu viel sein, die frisch gewaschene, noch nasse Wäsche zum Trocknen aufzuhängen. Fehlen bei der Badewanne, beim Waschbecken oder bei der Duschtasse die Fugen oder lösen sie sich auf, muss nachbessert werden.

Es sind aber nicht nur Räume in Altbauten betroffen: Vogt: „Neue Gebäude werden oft in nur sehr kurzer Zeit errichtet, Beton braucht aber Jahre, bis er austrocknet. Und die großen Wohnanlagen werden alle aus Beton gebaut.“ Bewohner müssen regelmäßig lüften, genügend heizen und Schränke am besten mit einigen Zentimetern Abstand zu den Wänden aufstellen.

Oft geben die Eigentümer den Mietparteien die Schuld an Schimmelbildung. Mit der Ursachenforschung beauftragte Unternehmen schrei­ben in ihren Gutachten meistens, was ihre Auftraggeber hören wollen, meint Vogt. „Zumindest besteht der Verdacht, dass es sich so verhält.“ In einem Fall war das Haus so schlecht isoliert, dass der Vermieter verlangte, rund 20 Mal am Tag querzulüften. Laut OGH sei das den Mietern aber nicht zumutbar, die bezogene Wohnung müsse schon „normal bewohnt“ werden können.

Wem die Kosten für ein Gutachten zu hoch sind, der konnte sich lange an einen der Berater des vom Land gegründeten Vereins Energie Tirol wenden. Für einen Unkostenbeitrag von 160 Euro nahmen die Experten Messungen der Oberflächenfeuchtigkeit vor und erstellten einen schriftlichen Bericht, in dem die Situation beschrieben wird. Das Angebot wurde von vielen in Anspruch genommen, doch jetzt ist nicht klar, ob es wegen anstehender Budgetkürzungen weiterhin finanziert wird.

Die Betroffenen können sich in jedem Fall weiterhin beim Verein melden und werden auch beraten, müssen aber die Kosten von rund 1000 Euro selbst übernehmen, sagt Nicole Ortler von Energie Tirol. Im vergangenen Winter gab es wegen der Kälte täglich Anfragen, Schimmel sei aber nicht nur ein Problem, das in der kalten Jahreszeit auftritt.

Alexandra Ortler ist bei Energie Tirol für Beratungen bei Schimmelbildung zuständig: „Im Sommer sind vor allem Gebäude betroffen, die auf Hanglage errichtet wurden und von denen es in Tirol sehr viele gibt. Die erdanliegenden Wände können auch im Sommer sehr kühl sein. Kommt von draußen feuchtschwüle Luft herein, wie das vor allem im Juli und August vorkommt, kühlt sie ab. Es entsteht Feuchtigkeit.“ Darum wird auch empfohlen, Kellerfenster nie offen zu halten und zu lüften, wenn die Luft draußen trocken ist.

Auf der Homepage www.energie-tirol.at werden unter dem Menüpunkt „Richtig wohnen“ Tipps gegeben.