Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.06.2019


Tirol

Gastherme und mobiles Klimagerät: Die stille Gefahr im Badezimmer

Kohlenmonoxid ist ein farb-, geruch- und geschmackloses toxisches Gas. Die Kombination aus Gastherme und mobilem Klimagerät birgt gerade im Sommer ein tödliches Risiko.

Die regelmäßige Wartung der Gastherme ist gesetzlich vorgeschrieben.

© Getty ImagesDie regelmäßige Wartung der Gastherme ist gesetzlich vorgeschrieben.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck, Wien – Vier zum Teil Schwerverletzte binnen weniger Tage in Wien: Am Mittwoch vergangener Woche wurden aus einer Wohnung im Bezirk Meidling eine 35-jährige Frau und ein zwölfjähriges Kind mit schweren Vergiftungserscheinungen geborgen. Die Feuerwehr stellte eine potenziell lebensgefährliche Konzentration des Gases Kohlenmonoxid (CO) fest. Am Pfingstmontag kollabierte in einer Wiener Wohnung eine 14-Jährige im Badezimmer – wieder war Kohlenmonoxid verantwortlich für den Zusammenbruch. Und einen Tag später war es erneut eine 14-Jährige, diesmal im Bezirk Favoriten, die im Bad zusammenbrach. Ursache war die Kombination aus Gastherme und mobilem Klimagerät: Wegen unzureichender Luftzufuhr hatte sich eine hohe CO-Konzentration gebildet.

Wie gefährlich Kohlenmon­oxid ist – und wie wichtig das rasche Handeln bei einer Vergiftung –, weiß Frank Hartig, leitender Oberarzt der internistischen Notaufnahme der Innsbrucker Klinik: „Ein Symp­tom einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ist zum Beispiel die völlige Desorientiertheit.“ Nicht selten würden daher Patienten zunächst auf der Psychiatrie landen, ehe eine CO-Vergiftung als Grund für das Verhalten ermittelt werden kann. Weitere Anzeichen für eine hohe CO-Konzentration im Körper sind Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Schläfrigkeit bis zum komatösen Zustand. Betroffene müssen zunächst so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone gebracht werden, sonst wird es lebensgefährlich. In weiterer Folge müssen sie das Kohlenmonoxid wieder loswerden. „Kohlenmonoxid verdrängt den Sauerstoff aus den roten Blutkörperchen“, erklärt Frank Hartig. Dadurch werde der Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und man ersticke gewissermaßen innerlich. Weil sich das CO jedoch hartnäckig an den Blutkörperchen festsetzt, muss frischer Sauerstoff mit Druck zugeführt werden. Das passiert in einer Druckkammer, wie sie etwa auch nach Tauchunfällen zum Einsatz kommt. „In einer Druckkammer ist bereits nach 23 Minuten die Hälfte des Kohlenmonoxids, nach 90 Minuten dann das ganze Gas aus dem Körper“, sagt Hartig. Während in Ostösterreich derzeit darüber diskutiert wird, warum sich die einzige Druckkammer des Landes in Graz befindet und es beispielsweise in Wien keine gibt, könne man sich hier in Tirol im Ernstfall auf das Unfallkrankenhaus Murn­au in Bayern verlassen. „Mit deren Druckkammer sind wir weltklasse versorgt“, weiß Hartig. Das Überleben einer CO-Vergiftung ist laut dem Experten der erste Schritt, in der Folge kann es jedoch noch zu neurologischen Folgewirkungen wie Gedächtnisstörungen kommen.

Um die Gefahr einer CO-Vergiftung in den eigenen vier Wänden zu reduzieren, appellieren Fachleute, die gesetzlich vorgeschriebenen Wartungstermine für Gasthermen einzuhalten. Grundsätzlich könne es bei Verwendung von Gasgeräten (Therme, Wasseraufbereitung) bei hohen Außentemperaturen zum Erliegen der Thermik im Kamin und damit zu einem Abgasrückstau kommen. Wenn in den Wohnungen dann noch mobile Klimageräte eingesetzt werden und die Frischluftzufuhr nicht mehr ausreicht, kann dieser Stau verstärkt werden, warnt die Mieterhilfe Wien.