Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.06.2019


Osttirol

Repair Café in Sillian: Den Wert der Dinge schätzen

Reparieren statt wegwerfen: Vor vier Jahren fand in Sillian das erste Repair Café statt. Das Projekt hat eine soziale Seite.

Rund zwanzig Fachleute zählen in Sillian zum Expertenteam der Repair Cafés und bieten ihre Leistungen ehrenamtlich an.

© Karin KlammerRund zwanzig Fachleute zählen in Sillian zum Expertenteam der Repair Cafés und bieten ihre Leistungen ehrenamtlich an.



Von Christoph Blassnig

Sillian – In jedem Haushalt finden sich Dinge, die nicht mehr in Ordnung sind. Dabei wäre das Problem meist zu beheben: Die Hosentasche lässt sich flicken, der Staubsauger reparieren, es gibt eine neue Mähne für das Schaukelpferd, und lose Kabel lassen sich wieder an die Platine des Radios löten. Wenn man selbst nicht weiter weiß, ist das nächste Repair Café ein guter Tipp.

„Wir finden für fast jedes Problem eine Lösung“, sagt Karin Klammer. Sie organisiert mit Petra Jeller jene Gruppe von rund zwanzig Experten in Sillian, die dreimal im Jahr ehrenamtlich alles zu reparieren versuchen, was man zu ihnen bringt. Die Idee ist aus Nordtirol übernommen worden, wo das Tiroler Bildungsforum seit einigen Jahren eine Plattform für alle Repair Cafés bietet. Die Handwerker und die Besucher sind dadurch gleichermaßen geschützt: Wer etwas zum Reparieren bringt, verzichtet in der schriftlichen Anmeldung auf eventuelle Schadenersatzforderungen. Die im Rahmen des Cafés durchgeführten Reparaturen sind zusätzlich gegen Folgeschäden versichert.

„Unser erstes Repair Café hat voll eingeschlagen“, erinnert sich Klammer an den Anfang im März 2015 in Sillian. Dabei ist der Ansatz gar nicht revolutionär, sondern war einmal die Regel: „Man soll die Dinge wieder schätzen lernen. Reparieren statt wegwerfen.“ Der Konsument verliere heute zunehmend den Bezug zu Herstellung und Handwerk, meint Klammer. „Bei Kaffee und Kuchen kann man Profis aus unserem Ort bei der Reparatur helfen und nimmt das Ergebnis gleich wieder mit nach Hause.“ Der Gruppe in Sillian gehe es darüber hinaus um den sozialen Aspekt. „Die Jüngeren staunen, was die Älteren alles können, und umgekehrt. Die Leute lernen sich gegenseitig von einer neuen Seite kennen und schätzen das Gegenüber, nachdem sie einmal miteinander ins Gespräch gekommen sind.“ Noch vor dem Start hat sich die Initiative bei den Unternehmen in Sillian vorgestellt. „Wir machen keine Schwarzarbeit oder vermitteln Kontakte zu Pfuschern“, klärt Klammer auf.

Auch in Lienz und Matrei sind seit heuer regelmäßige Repair Cafés geplant. Die Sillianer laden morgen wieder dazu in den Kultursaal, und zwar von 13.30 bis 16 Uhr.

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