Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.06.2019


Innsbruck

Aufreibende Suche nach neuen Räumlichkeiten für Kindergarten

Private pädagogische Einrichtungen sind aus dem Betreuungsangebot einer Stadt nicht wegzudenken. Laufen Verträge aus, ist ein neues Quartier kaum zu finden.

Die Waldorf-Pädagoginnen Daniela Rettenbacher (l.) und Monika Moser (r.) im Gespräch mit Mutter Miranda Netzer mit ihrem Sohn.

© stroblDie Waldorf-Pädagoginnen Daniela Rettenbacher (l.) und Monika Moser (r.) im Gespräch mit Mutter Miranda Netzer mit ihrem Sohn.



Von Sabine Strobl

Innsbruck – Die Stadt ist ein teures Pflaster. Da suchen Familien eine leistbare Wohnung, dort ein Veranstaltungszentrum eine neue Unterkunft. Und auch private pädagogische Einrichtungen stehen gehörig unter Druck, etwa weil Verträge auslaufen und preislich akzeptable Quartiere rar sind.

Mit diesen Sorgen ist auch der Waldorf-Kindergarten in der Schneeburggasse konfrontiert. Ein Kleinod, in dem eine der ersten Kinderkrippen in Innsbruck einen Platz fand. „Wenn wir 2020 ausziehen, waren wir 30 Jahre hier“, sagt die Leiterin des Kindergartens, Monika Moser. 218 Quadratmeter stehen Kindergarten und Kinderkrippe zur Verfügung, ein Garten darf kostenlos benützt werden. Dementsprechend voll ist die Einrichtung.

Vor einigen Jahren wechselte das alte Gebäud­e den Besitzer, seit fünf Jahren sucht die bunte Waldorf-Einrichtung ein neues Zuhause, denn im Juli 2020 läuft der Vertrag endgültig aus. An Bemühungen allerorts mangelt es nicht, Immobilienmakler geben Tipps, Einrichtungen der Kirche wurden angeschrieben, Eltern setzen sich ein, auch bei den Behörden stößt man auf offene Ohren. Doch entsprechende Räumlichkeiten konnten bisher nicht gefunden werden. Zuletzt ist ein Projekt ganz in der Nähe geplatzt. „Wir stehen unter Druck“, sagt Moser. Mieten kosten in Innsbruck. „Laufende Einrichtungen tun sich auch bei Förderungen schwerer als neue Initiativen“, bedauer­t Daniela Rettenbacher, Elementarpädagogin und Leiterin der Kinderkrippe. Es braucht dringend eine Lösung. Denn man müsse noch Zeit für die behördlichen Abwicklungen und die Umbauarbeiten der Sanitäranlagen, der Wänd­e und Böden einrechnen. Gelingt das Kunststück nicht, „dann wird dieser private Kindergarten aufgelöst“, so Moser. Vier Mitarbeiterinnen müssten sich um eine neue Arbeit umschauen, Eltern hätten 38 Plätze weniger für ihre Kinder zur Verfügung.

Auch Miranda Netzer, ein­e engagierte Mutter, war überrascht, wie schwierig sich die Suche gestaltet. Sie hat den Kindergarten wegen des pädagogischen Konzepts ausgewählt. Das heißt Struktur im Tagesablauf, Lernen durch Vorbildwirkung und Nachahmung, freies Spiel, ein Augenmerk auf die Sinn­e. Und Zeitfenster statt Geburtsdaten, wenn es um den Übergang in die Schul­e geht, erklärt Moser. Sie möchte zuversichtlich bleiben. „Die Vielfalt des pädagogischen Angebots ist wichtig für die Stadt. Wir sind auch offen für einen Waldkindergarten oder einen Ganztages­kindergarten.“

Bürgermeister Georg Willi steht für ein breit gefächertes Bildungsangebot ein. „Wir tun, was wir können, um zu helfen.“ Es gebe leider mehrere solche Fälle. Zugleich verweist Willi auf das laufende millionenschwere städtische Umbauprogramm im Bereich der öffentlichen Volksschulen.

Auch die zuständig­e Stadträtin Elisabeth Maye­r kennt das Dilemm­a. „Die Suche ist für privat­e Einrichtungen auch auf Grund der vielen Vorschriften mühsam.“ Divers­e Förderungen sind beispielsweis­e etwa aufgrund langer Schließzeiten nicht möglich. Um den Markt nicht anzuheizen, werden private pädagogische Einrichtungen nicht durch Miet-, sondern durch Betriebsbeiträge unterstützt. Ein neues Modell soll ein­e Aufstockung der Fördermittel für die privaten Anbieter um zehn Prozent auf knapp drei Millionen Euro pro Jahr bringen.

Die Uhr tickt noch bei anderen privaten Einrichtungen. So muss auch die Montessorischule in der Zeughausgasse, die derzeit rund hundert Kinder besuchen, im Sommer 2020 ausziehen. Das Gebäude wird abgerissen. Die Suche läuft wie berichtet seit Jahren. Auch hier stehen Gespräche zum bevorstehenden Umzug noch aus.




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