Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Innsbruck

Hungerburgbahn: Eingeschränkte Mitnahme von Rädern regt Pendler auf

Harsche Kritik kommt von Anrainern an der Hungerburgbahn. Dort rechtfertigt man die Einschränkungen mit Gleichberechtigung.

Dass jetzt alle Räder zwischen 10 und 15 Uhr nicht mehr mit der Hungerburgbahn transportiert werden dürfen, regt zahlreiche Pendler auf. Der Bus sei zudem keine passende Alternative.

© Thomas Boehm / TTDass jetzt alle Räder zwischen 10 und 15 Uhr nicht mehr mit der Hungerburgbahn transportiert werden dürfen, regt zahlreiche Pendler auf. Der Bus sei zudem keine passende Alternative.



Von Marco Witting

Innsbruck – Hanns-Christoph Nägerl schäumt. Der Obmann im Verein Baukultur und Lebensraum Hungerburg ist sauer. Richtig sauer. Der Grund: die aus seiner Sicht kurzfristig angesetzte Einschränkung der Fahrradbeförderung in der Hungerburgbahn. Seit einigen Tagen dürfen auch die Pendler zwischen 10 Uhr und 15 Uhr nicht mehr ihr Rad in der Bahn mitnehmen – was naturgemäß bergauf besonders interessant ist. Die Maßnahme ist, wie berichtet, im Zuge der Diskussion über die Downhill-Biker getroffen worden. Nägerl und einige weitere Bewohner der Hungerburg empfinden dies aber als „nicht nachvollziehbar und kontraproduktiv“. Denn die Alternative, eine Fahrt mit der Buslinie J, verkomme in der Mittagszeit „zum Zirkusstück“. Nägerl: „So treibt man wieder viele Menschen dazu, aufs Auto umzusteigen.“

Unverständnis herrscht bei den Pendlern, die mit herkömmlichen Rädern unterwegs sind, über den Zusammenhang mit Downhill-Bikern und entsprechenden Vorfällen dort. Jahrelang habe der Transport reibungslos funktioniert, jetzt fragt man sich, ob man den Konflikt „ausbaden“ müsse. Und Eltern würden sich Sorgen um die Kinder machen, die Räder nutzen. Was der Obmann auch nicht versteht und ebenso scharf kritisiert: „Warum werden die Bürger der Hungerburg in solche Entscheidungen nicht mehr einbezogen?“, fragt er. Nägerl will bei der Politik Druck machen und auch Protestmaßnahmen setzen. Zudem sieht er Bahn-Chef Thomas Schroll in einem E-Mail als „nicht mehr tragbar“ an.

Besagter Geschäftsführer Schroll argumentiert da naturgemäß anders und verweist auf die Problematik, die es mit den Downhillern gegeben hat – und viele Beschwerden darüber. „Die sind von unseren Fahrgästen gekommen und da vor allem von Einheimischen.“ Die Nutzung der Bahn nehme stetig zu und deshalb sei man jetzt gemeinsam mit der Stadt zu dieser Lösung gekommen. Schroll verweist auf die Linie J der IVB und dass dort Busse „alle 10 Minuten“ kommen, wo innen und außen Fahrräder mitgenommen werden können. Und Schroll sagt auch: „Wir müssen da natürlich auch auf die Gleichberechtigung schauen. Es ist außerdem schwer zu unterscheiden, ab wann ein Rad dann wirklich ein Downhill-Rad ist. Deshalb haben wir uns in der Zeit zwischen 10 und 15 Uhr dazu entschlossen.“ In den anderen Zeiten, für die Pendler, bleibe alles gleich. Schroll verweist zudem auf ähnliche Einschränkungen bei den Wiener Linien.