Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.06.2019


Tirol

„Freie Tage außerhalb der Ferien sind nur im Notfall möglich“

Wenn Eltern Ferien selbst vorverlegen, kann das teuer werden. Im ersten Semester des Schuljahres 2018/19 gab es in Tirol 70 Strafen für Schulschwänzer.

Bald sind Ferien! Wer in der Schulzeit in den Urlaub fahren will, braucht eine Genehmigung.

© Getty ImagesBald sind Ferien! Wer in der Schulzeit in den Urlaub fahren will, braucht eine Genehmigung.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Es ist verlockend: Nach dem Notenschluss wird die Schule zur Wellness-Zone. Die Kinder versäumen rein wissensmäßig nicht mehr viel. Auf der anderen Seite locken weniger Stau und günstigere Hotels. Schulschwänzen ist aber kein Kavaliersdelikt. Laut Paul Gappmaier, Bildungsdirektor für Tirol, hat die Zahl der Eltern, die ihre Kinder vor Schulende aus dem Unterricht nehmen, in den vergangenen Jahren nicht signifikant zugenommen. Er verweist aber darauf, dass dies die Ausnahme bleiben müsse und nur im Notfall zusätzliche freie Tage genehmigt werden können. „Die Sommerferien sind ohnehin sehr lang. Wenn sie jetzt für manche Schüler früher beginnen und für manche später enden, wird es schwierig.“

Die Statistik spricht hinsichtlich Schulschwänzen im ersten Semester des Schuljahres 2018/19 von 70 angezeigten Fällen in Tirol. Das sind meist Kinder, die öfter unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben. Eltern, die ihre Kinder frühzeitig aus der Schule nehmen, bringen meist eine Entschuldigung wegen Krankheit. In den Vorjahren 2017/18 waren es 54 und 2016/17 noch 42 Fälle. Am häufigsten waren Schüler der Neuen Mittelschule betroffen. Die erhöhte Zahl im 1. Semester des laufenden Schuljahres ist vermutlich dadurch begründet, dass das „5-Stufen-Modell“, das früher zur Vermeidung von „Schulschwänzen“ angewendet wurde, weggefallen ist.

Was das Schulschwänzen angeht, hält Gappmaier die gesetzlichen Bestimmungen in Österreich für relativ eindeutig und ausreichend (siehe Kasten). Geldstrafen für die Eltern sollten nur als allerletztes Mittel angewendet werden. Sie betragen zwischen 100 und 440 Euro (Letzteres selten und nur in Wiederholungsfällen). „Die Schule ist kein Kriminal“, hält Gappmaier fest. Sanktionen wie in Deutschland, hier droht sogar Jugendarrest, sind für ihn unvorstellbar. Das Modell der Schweizer, wonach Eltern fünf Tage pro Jahr als Joker erhalten, über die sie verfügen können, habe durchaus Charme, sagt der Bildungsdirektor.

In Österreich sei dies diskutiert worden, man habe sich aber zu schulautonomen Tagen entschlossen, die jede Schule selbst bestimmen könne. „Wenn man Kinder in unterschiedlichen Einrichtungen hat, kann das schwierig werden. Daher treten wir für einheitliche Herbstferien ein.“

Christoph Drexler, Obmann des Landeselternverbands Tirols, hält grundsätzlich nichts von Strafen. Weder im Umgang mit schulschwänzenden Kindern, noch mit Eltern, die die Ferien verlängern.

„Wenn Kinder die Schule schwänzen, gibt es meist einen Grund dafür. Oft steckt Prüfungsangst dahinter, hier muss man noch viel mehr hinschauen, bevor man Strafen verhängt.“ Die Eltern seien meist selbst ohnmächtig. „Eltern indes, die ohne gewichtigen Grund ihre Kinder früher aus der Schule nehmen, halte ich für unsolidarisch“, sagt er. Wenn ein oder zwei Schüler ausfallen, ginge das, es dürfe aber nicht Methode machen.

„Außerdem lernen die Schüler sich in der letzten Woche besser kennen und erleben spätestens da die Schule als einen Ort, der auch Spaß macht.“

Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt

Regeln: In Österreich wird ein Verfahren bei der Bezirksverwaltungsbehörde eingeleitet, sobald ein Schüler im Laufe der neunjährigen Schulpflicht den vierten (vollen) Tag ungerechtfertigt der Schule fern bleibt. Diese Tage müssen nicht aufeinander folgen.

Strafen: Es gibt eine Mindeststrafe beim Schulschwänzen von 110 Euro. Die Strafe kann bis zu 440 Euro betragen. In höheren Schulen wird der Schüler entlassen, wenn er 30 Tage unentschuldigt pro Schuljahr fehlt.

Freie Tage: In Österreich gibt es die Ferien, andere Fehlzeiten, ausgenommen Krankheit, müssen vom Schulleiter genehmigt werden. In der Schweiz gibt es Joker für die Eltern, sie können an fünf Tagen die Kinder beurlauben.

Andere Sitten: In Deutschland droht sogar Jugendarrest, in den USA gibt es Ordnungskräfte, die nach Schulschwänzern Ausschau halten.