Letztes Update am Sa, 15.06.2019 12:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


29. Regenbogenparade

Regenbogenparade in Wien: So viele Teilnehmer wie noch nie

Die Veranstalter, die Homosexuellen Initiative Wien (HOSI), rechnen mit bis zu 500.000 Menschen, die heuer mit der Parade mit um den Ring ziehen. Auch mit 107 bunten Beiträgen sind das so viele wie noch nie.

Die große Regenbogenparade ist der Abschluss der "Pride Days".

© APA/NeubauerDie große Regenbogenparade ist der Abschluss der "Pride Days".



Wien – Um 12 Uhr setzte sich der Zug beim Burgtheater in Wien in Bewegung. Die Route führt entgegen der Fahrtrichtung über die Ringstraße.

Schon am Vormittag herrschte im Areal beim Burgtheater reger Zulauf. Menschen in Regenbogenoutfits – von Socken über T-Shirts bis zum Hut – strömten auf den zum PrideVillage umfunktionierten Rathausplatz, der neben Gastroangeboten auch zahlreiche Infozelte von Parteien und Gruppierungen beherbergte. Aus den Lautsprechern schallte bereits Partymusik.

Am Ring selbst positionierten sich bereits die ersten Gruppen und Wägen. Es wurde gehämmert, getackert, letzte Plakate wurden angebracht. Manch ein Teilnehmer saß am Grasstreifen neben dem Ring und feilte noch am Outfit – die Regenbogenparade ist bekannt für das schrill-bunte Styling der Teilnehmer. Eine Frauengruppe, ebenfalls in Regenbogenoutfits und Paillettenhüten unterwegs, brachte die Stimmung auf den Punkt: „Jetzt ist es noch ruhig hier. Die Ruhe vor dem Sturm quasi.“

Damit mögen sie Recht haben. Denn es gibt heuer so viele Beiträge – dabei handelt es sich um Wägen und um Fußgruppen – wie noch nie. Die Zahl wurde von zuletzt 106 noch auf 107 nach oben korrigiert. Die Veranstalter, die Homosexuellen Initiative Wien (HOSI), rechnet mit bis zu 500.000 Menschen, die sich der Parade anschließen und mit um den Ring ziehen werden. Das wäre ebenfalls ein neuer Rekord.

Das geschmückte Deserteursdenkmal.
Das geschmückte Deserteursdenkmal.
- APA/Neubauer

Einige Stars und viel Politprominenz mit dabei

Auch einige prominente Teilnehmer haben sich angekündigt: Hermes Phettberg soll wieder dabei sein, Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst und viel Polit-Prominenz – vorrangig von roter, grüner und pinker Couleur. Dazu zählen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, die Wiener Stadträte Jürgen Czernohorszky, Peter Hacker und Kathrin Gaal (alle SPÖ), die ehemalige grüne Spitzenkandidatin und EU-Mandatarin Ulrike Lunacek sowie NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger.

Trotz all der Partystimmung ist den Veranstaltern wichtig, zu betonten, dass es sich dabei in erster Linie um eine Demonstration für die Gleichberechtigung von LGBTIQ-Menschen – also der homo-, bi-, trans- und intersexuellen Personen handelt.

Der Veranstalter erwartet bis zu 500.000 Teilnehmer, die farbenrpächtig gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgender-Personen demonstrieren werden.
Der Veranstalter erwartet bis zu 500.000 Teilnehmer, die farbenrpächtig gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgender-Personen demonstrieren werden.
- APA/Neubauer

Während im Areal um das Burgtheater noch die letzten Vorkehrungen für den großen Umzug zu Mittag getroffen wurden, wurde nicht weit davon entfernt am Vormittag tatsächlich schon demonstriert: Am Ballhausplatz riefen die KZ Verbände Wiens und Niederösterreichs, die Grünen Andersrum, Soho Wien und die Sozialistische Jugend zur „Mahnwache für die Opfer des Nationalsozialismus, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet wurden“.

Ab 14 Uhr „Marsch für die Familie“

„Ziel ist, das Leben zu feiern und die NS-Opfer nicht zu vergessen“, erklärte Organisatorin Dagmar Schindler vom KZ Verband Wien. Im Zuge dessen wurde das dort befindliche Deserteursdenkmal u.a. mit Nelken, Kerzen und Erinnerungen an Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung ins Konzentrationslager mussten, geschmückt. Ebenso platzierten die Teilnehmer Plakate mit Sprüchen wie „Süden macht Spaß“ samt Paar in eindeutiger Pose oder „Jesus hat alle geliebt“.

Wohl Hintergrund dieser Botschaften: Der Ballhausplatz wird ab 14 Uhr auch Schauplatz einer weiteren Kundgebung. Dann sammeln sich Strenggläubige für den mittlerweile am Regenbogenparadentag fast schon traditionellen „Marsch für die Familie“, zu dem die „Plattform Familie“ aufrief. Schindler versicherte – trotz eindeutiger Botschaften – die Teilnehmer des Familienmarsches mit der Denkmal-Dekoration nicht provozieren zu wollen. Dann geht es in Begleitung einer Blasmusikkapelle zum Stephansplatz, wo ab 16 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet. Als bekannteste Rednerin ist die nicht amtsführende Stadträtin Ursula Stenzel angekündigt.

Groß in Berührung werden die Teilnehmer dieser Veranstaltung mit den Teilnehmern der Regenbogenparade wohl nicht kommen. Denn: Die Regenbogenparade führt gegen die Fahrtrichtung über den Ring. Es geht vorbei an Parlament, Heldenplatz und Staatsoper. Anschließend führt die Strecke über den Stubenring zum Schwedenplatz und auf den Franz-Josefs-Kai. Schließlich vorbei an der Börse und an der Universität zurück zum Rathausplatz, wo die Spitze des Zuges gegen 17.30 Uhr erwartet wird.

Abschlusskundgebung mit Bundespräsident Van der Bellen

Im Anschluss findet eine Abschlusskundgebung mit einer durchaus prominenten Rednerliste statt: Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird sprechen, ebenso EU-Justizkommissarin Vera Jourova, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst. Angekündigt wurde außerdem, dass vor dem Start der Parade Van der Bellens Vorgänger Heinz Fischer eine kurze Rede am Rathausplatz halten werde.

Die Parade hat auch Auswirkungen auf die Fortbewegungsmöglichkeiten von Nicht-Paradeteilnehmern: Die Autofahrerclubs raten, den Ring und den Franz-Josefs-Kai ebenso wie die „2er-Linie“ möglichst zu meiden und großräumig zu umfahren. Wer in die Innenstadt wolle, solle auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Wobei es auf den Bim-Ringlinien sowie auf den Autobuslinien in der Innenstadt zu Kurzführungen und Umleitungen kommt. Mit den Öffi-Einschränkungen ist ab 8.00 Uhr zu rechnen. Die Linie 3A sowie die Vienna Ring Tram fahren überdies den ganzen Tag nicht. (APA)

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