Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Osttirol

Wiederbelebung am Berg ist eine Herausforderung

Bundesheer, Bergrettung, das BKH Lienz und die Universität Wien analysieren die Leistungsfähigkeit von Einsatzkräften in großer Höhe.

Oberst Bernd Rott, Alexander Egger (Bundesarzt der österr. Bergrettung), Harald Herkner, Wolfgang Schreiber (beide Medizin-Uni Wien), Josef Burger (BKH Lienz) und Peter Ladstätter (Bergrettung Bezirk Lienz) arbeiten zusammen (v. l.).

© Christoph BlassnigOberst Bernd Rott, Alexander Egger (Bundesarzt der österr. Bergrettung), Harald Herkner, Wolfgang Schreiber (beide Medizin-Uni Wien), Josef Burger (BKH Lienz) und Peter Ladstätter (Bergrettung Bezirk Lienz) arbeiten zusammen (v. l.).



Von Christoph Blassnig

Lienz, Kals a. Gr. – Wer in großer Höhe einen Kreislaufstillstand erleidet, hat grundsätzlich geringe Chancen, das zu überleben, wenn nicht sofort qualifizierte Erste Hilfe einsetzt. Bergretter und Flugmediziner sehen solche Patientenschicksale häufig.

Die medizinische Universität Wien führt dazu in Osttirol eine Studie durch, die wissenschaftlich der Frage nachgeht, ob und wie sehr sich eine Wiederbelebung im Tal von einer solchen in großer Höhe unterscheidet. Dabei beziehen die Mediziner um Studienleiter Wolfgang Schreiber erstmals die persönliche Leistungsfähigkeit der Ersthelfer unter körperlicher Einsatzbelastung in die Qualitätsanalyse mit ein.

„Zwölf Zweierteams Freiwilliger stellen sich dieser Herausforderung“, erklärte Schreiber im Rahmen eines Pressetermins in Lienz. Die Vitalfunktionen der Retter wurden gestern im Lienzer Bergrettungsheim ebenso aufgezeichnet wie die Art der von ihnen an einer Trainingspuppe durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen. Heute steigen die Zweierteams im Abstand von jeweils einer halben Stunde von der Kalser Lucknerhütte (2241 Meter Seehöhe) zur Erzherzog-Johann-Hütte (auch Adlersruhe genannt, 3454 Meter) am Großglockner auf. Unmittelbar nach Ankunft führen die Probanden an der Puppe wieder im Zwei-Minuten-Wechsel 30 Herzmassagen und 2 Beatmungen mittels einer Maske durch.

Dass gerade Osttirol für diese Studie ausgewählt worden ist, erklärt Josef Burger, zuständiger Mediziner im BKH Lienz, so: „Wir haben die höchstgelegene Hütte Österreichs. Wolfgang Schreiber leitet auch Notfallkurse im Bezirk.“ Peter Ladstätter von der Bergrettung im Bezirk Lienz findet die Studie „extrem spannend für unsere Leute“. Möglicherweise müssten die europäischen Vorgaben für Wiederbelebungsmaßnahmen an die gewonnenen Ergebnisse angepasst werden. Oberst Bernd Rott verspricht sich auch neue Erkenntnisse für das Bundesheer.