Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Exklusiv

Einsatz im Ebola-Gebiet: „Man funktioniert unter dem Druck der Verantwortung“

Der gebürtige Osttiroler Marcus Bachmann ist von seinem Einsatz für Ärzte ohne Grenzen aus dem Ebola-Gebiet im Kongo zurückgekehrt.

An der Innsbrucker Klinik wurde die Versorgung eines Patienten trainiert, der an einer hochinfektiösen Krankheit leidet.

© tirol klinikenAn der Innsbrucker Klinik wurde die Versorgung eines Patienten trainiert, der an einer hochinfektiösen Krankheit leidet.



Von Nikolaus Paumgartten

Wien, Innsbruck – Die Lage in den Ebola-Regionen in der Demokratischen Republik Kong­o ist prekär. „Zehneinhalb Monate nach dem Ausbruch ist die Epidemie nach wie vor nicht unter Kontroll­e“, weiß Marcus Bachmann. Der gebürtige Osttiroler ist kürzlich von seinem zweimonatigen Aufenthalt im Kongo zurückgekehrt, wo er für Ärzte ohne Grenzen den Einsatz koordiniert hat. Zwei Monat­e, die ihm einiges abverlangt haben. „Es war mein intensivster Einsatz für Ärzte ohne Grenzen. Es gab gute, aber auch viel­e schlimme Momente. Aber man funktioniert unter dem Druck der Verantwortung“, sagt Bachmann, der sich in der Krisenregion für eine Seuchenbekämpfungsstrategie in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Gesundheitseinrichtungen in den Dörfern starkgemacht hat. „Mir war es wichtig, die Werte und Bedürfnisse der Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen und die Behandlung dezentral zu organisieren“, sagt Bachmann. Damit könne man niederschwellig viel mehr Menschen direkt erreichen.

Wie ernst die Lage nach wie vor ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Seit Ausbruch der Epidemie wurden offiziell 2168 Ebola-Fälle registriert, 1449 Menschen sind gestorben, 596 überlebten die hochinfektiöse Krankheit. Alleine in der vergangenen Woche gab es 106 neue Ebola-Erkrankungen und 58 Todesfälle.

Für Marcus Bachmann gilt es nun, die vielen Erlebnisse aufzuarbeiten und den Kopf wieder frei zu bekommen. Weil er aber die Dringlichkeit der Hilfe vor Ort sieht, hat er bereits jetzt schon seine Bereitschaft für einen weiteren Ebola-Einsatz im Kongo bekundet.

„Es war mein intensivster Einsatz für Ärzte ohne Grenzen. Es gab gute, aber auch viele schlimme Momente", erzählt Marcus Bachmann 
(Ärzte ohne Grenzen).
„Es war mein intensivster Einsatz für Ärzte ohne Grenzen. Es gab gute, aber auch viele schlimme Momente", erzählt Marcus Bachmann 
(Ärzte ohne Grenzen).
- Bachmann

Hochinfektiöse Erkrankungen sind auch in Tirol ein Thema, das ernst genommen wird: An der Innsbrucker Klinik wurde vergangene Woche der Ernstfall geprobt und die Behandlung eines zu isolierenden Patienten durchgespielt. Angenommen wurde die Einlieferung eines Patienten, der an einer hochansteckenden potenziell lebens­bedrohlichen Erkrankung wie Ebola, dem Lassa- oder Krim-Kongo-Fieber leidet. In diesem Fall tritt der so genannte HOKO-Notfallplan in Kraft, bei dem die Abschirmung des Betroffenen zum Schutz anderer im Vordergrund steht. HOKO steht dabei für hoch-kontaktiös.

„Die Behandlung eines HOKO-Patienten ist extrem aufwändig“, erklärt Rosa Bellmann-Weiler, ärztliche Leiterin der Sonder-Isolierstation. „Wir arbeiten in Ganzkörper-Schutzanzügen mit Gebläseeinheiten zur Frischluftversorgung. Allein das Einschleusen in den isolierten Bereich kann eine halbe Stunde dauern.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Fall in Innsbruck eintritt, sei natürlich gering, beruhigt Günter Weiss, Direktor der Klinik für Innere Medizin II. Weil er aber nicht gänzlich auszuschließen sei, müsse man sich darauf vorbereiten, so Weiss.