Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 20.06.2019


Osttirol

In Lienz wurde FAIRgetauscht, was ungenutzt im Kasten hing

Die junge Musikerin Magdalena Pircher hat erstmals eine Kleidertauschparty veranstaltet. Die Rückmeldungen waren positiv.

Was passte und gefiel, konnte man bei der Kleidertauschparty in Lienz gratis mitnehmen.

© Magdalena PircherWas passte und gefiel, konnte man bei der Kleidertauschparty in Lienz gratis mitnehmen.



Von Christoph Blassnig

Lienz – In großen Städten haben sich FAIRtausch-Kleidertauschpartys bereits etabliert. Magdalena Pircher pendelt zwischen ihrer Heimatstadt Lienz, ihrer Studienstadt Wien und München, wo sie im philharmonischen Orchester Fagott spielt.

„Immer wenn ich zurück nach Lienz komme, sehe ich, wie schön wir es hier eigentlich haben“, sagt die Musikerin. Mit der Zeit sei ihr bewusst geworden, wie gedankenlos und verschwenderisch die Menschen mit der Natur umgehen. „Ich habe begonnen, ohne Verpackung einzukaufen, und habe weitere Selbstversuche gestartet. Zum Beispiel habe ich in der Fastenzeit nicht auf Süßes, sondern auf Plastik verzichtet“, erzählt Pircher. Für heuer habe sie sich vorgenommen, zu schauen, wie lange sie ohne den Kauf neuer Kleider auskommen kann. „Und weil ich in Wien und München Kleidertauschpartys kennen gelernt habe, kam ich auf die Idee, eine solche in Lienz zu veranstalten.“

Früher war die junge Frau Ministrantin in der Pfarre St. Andrä, wo man ihr kostenlos den Saal im Jugendheim für ihre erste FAIRtausch-Party zur Verfügung gestellt hat. Kleiderständer bekam Pircher vom Elternverein des Gymnasiums geliehen, der sie für den jährlichen Schulbasar nutzt. Über Freunde, Facebook, Instagram und Anzeigen haben die Leute von der Veranstaltung erfahren. Am Pfingstmontag fand der Kleiderbasar dann statt.

„Die Rückmeldungen waren so positiv, dass es sicher weitere Kleidertauschpartys geben wird, die nächste vermutlich schon zum Herbst hin, wenn warme Kleidung benötigt wird“, kündigt Pircher an. Waren dieses Mal nur Frauen zum FAIRtauschen eingeladen, sollen das nächste Mal auch Kinder- und Männersachen die Runde machen können. „Die Kleidungsstücke waren so gut wie neu, zum Teil sogar noch mit Preisetiketten versehen“, erzählt die Organisatorin.

Viele hätten zu Beginn wohl Scheu vor getragenen Kleidern anderer Leute, vermutet Pircher. „Dabei ist es total cool zu wissen, dass etwas, was mir nicht mehr passt oder vielleicht gar nie richtig gefallen hat, jemand anderem gut steht und Freude bereitet.“ Der Tausch funktioniert so einfach wie möglich: Man kann Stücke mitbringen, muss aber nicht. Man kann kostenlos mitnehmen, was einem passt und gefällt. „Was übrig war, habe ich dem sozialökonomischen Betrieb s’Gwandtl geschenkt“, sagt Pircher.