Letztes Update am Mi, 19.06.2019 14:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schule

Österreichs Lehrer fühlen sich im Job zufrieden, aber allein gelassen

Beim administrativen Unterstützungspersonal ist Österreich Schlusslicht. Fünf Prozent der befragten Direktoren sprechen von wöchentlichen Beleidigungen, Vandalismus oder Verletzungen.

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Wien – Österreichs Lehrer sind mit ihrem Job und Arbeitsplatz überdurchschnittlich zufrieden, fühlen sich allerdings im internationalen Vergleich am wenigsten unterstützt. Das zeigt die am Mittwoch veröffentlichte OECD-Lehrerstudie TALIS (Teaching and Learning International Survey) zu Arbeitsbedingungen von Lehrern und Direktoren der Sekundarstufe 1 (AHS-Unterstufe und Neue Mittelschule) in 48 Ländern.

„Ein wirklich schöner Befund ist, dass die überwiegende Zahl der Pädagogen mit ihrer Berufswahl und ihrem Beruf sehr zufrieden sind“, betonte Bildungsministerin Iris Rauskala bei der Präsentation der Studie in Wien. Der Aussage „Alles in allem bin ich mit meiner Arbeit zufrieden“ stimmten 96 Prozent zu (EU-Schnitt: 90 Prozent). 93 Prozent arbeiten gerne an ihrer konkreten Schule (EU-Schnitt: 90 Prozent), nur zehn Prozent würden „gerne an eine andere Schule wechseln, wenn dies möglich wäre“ (EU-Schnitt: 19 Prozent).

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Überdurchschnittlich viele Lehrer pro Schüler

Die Lehrer fühlen sich allerdings in ihrer Arbeit wenig unterstützt: So kommt in Österreich ein Dienstposten für administratives Personal (z.B. Sekretariatskräfte) auf 15 Lehrer - im EU-Schnitt sind es nur sieben. Einen Dienstposten für pädagogisches Unterstützungspersonal (z.B. Psychologen, Beratungslehrer) müssen sich in Österreich im Schnitt 19 Lehrer teilen, im EU-Schnitt sind es nur acht. Das ist zwar eine deutliche Verbesserung zu 2008. Dennoch ist Österreich bei der administrativen Unterstützung „leider immer noch am schlechtesten ausgestattet im internationalen Vergleich“, betonte Andrea Weilguny, Direktorin des für die Studie zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie).

Umgekehrt gibt es in Österreich aber wiederum überdurchschnittlich viele Lehrer pro Schüler: Rein rechnerisch kommt ein Lehrer auf 7,4 Schüler (NMS: 7,1, AHS: 8,8), im EU-Schnitt ist ein Lehrer für 10,5 Schüler zuständig. In Österreich werden also offenbar Aufgaben, die in anderen Staaten an Unterstützungspersonal ausgelagert werden, von Lehrern übernommen werden.

Rauskala rechnete vor, dass man in Österreich bei einer fiktiven Annäherung der Lehrer-Schüler-Relation an den europäischen Schnitt ein Viertel der 44.000 Lehrer weniger brauchen würde. Es gebe also ein Potenzial von 13.000 Pädagogen, die wegen der anderen Arbeitsverteilung in Österreich die administrative und pädagogische Unterstützung nebenher machen. „Das muss zu denken geben“, so Rauskala. „Ein wesentlicher Baustein“ am Weg zu mehr Unterstützungspersonal wäre aus ihrer Sicht das Bildungsinvestitionsgesetz, über das der Bund sich an den Kosten von Schulsozialarbeitern und -psychologen an Pflichtschulen beteiligen soll.

Fünf Prozent „Problemstandorte“

Mit ihren Schülern kommen 97 Prozent der Lehrer in Österreich nach eigenen Angaben „üblicherweise gut aus“ und damit mehr als noch 2008, 40 Prozent griffen sogar zur positivsten Antwortalternative („stimme ganz zu“; EU-Schnitt 26 Prozent). Es gibt aber auch Problem-Standorte: Fünf Prozent der Direktoren gaben an, dass an ihrer Schule körperliche Verletzungen, Vandalismus/Diebstahl, Einschüchterung/Beleidigung bzw. Mobbing „wöchentlich bzw. täglich“ vorkommen (EU-Schnitt: sechs Prozent).

„Ungewöhnlich starke Fortschritte“ gab es laut Weilguny beim Frauenanteil in den Direktionen, der zwischen 2008 und 2018 von 29 auf 50 Prozent gestiegen ist. Das habe auch mit dem Lehreraustausch durch die Pensionierungswelle zu tun. „Aber das Gleichbehandlungsgesetz hat hier auf jeden Fall Wirksamkeit erzielt.“

Masterplan Digitalisierung

Bei der Fortbildung sind die heimischen Pädagogen laut Eigenangaben relativ aktiv: 99 Prozent der Lehrer und 100 Prozent der Direktoren absolvierten demnach in den zwölf Monaten vor der Befragung zumindest eine Art von Fortbildung, vor allem über Kurse oder Seminare (92 Prozent; EU: 77 Prozent) bzw. Lesen von Fachliteratur (88 Prozent; EU: 71 Prozent). Allerdings wählen Österreichs Lehrer öfter als im internationalen Schnitt Themen, die sie persönlich interessieren statt jener, die im Sinne der Schulentwicklung am wichtigsten wären.

„Irritierend“ ist für Weilguny der Befund, dass selbst junge Lehrer, in deren Ausbildung Informations- und Kommunikationstechnologien Thema waren, sich nicht für das Unterrichten in diesem Feld gerüstet fühlen. Die Pädagogenausbildung ist für Rauskala deshalb auch eine der wichtigsten Säulen im von Amtsvorgänger Heinz Faßmann (ÖVP) erarbeiteten Masterplan Digitalisierung. Dieser liege für die nächste Regierung bereits fix und fertig in der Schublade. (APA)