Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.06.2019


Monitoringausschuss

„Zehn Prozent sind auf Barrierefreiheit angewiesen“

Der Tiroler Monitoringausschuss setzte sich unlängst mit der Frage auseinander, wie Wohnen in Tirol künftig barrierefrei wird.

Markus Pollo ( NHT), die Vorsitzende des Monitoringausschusses Isolde Kafka, Dominik Mainusch in Vertretung von LR Johannes Tratter, Architektin Sandra Careccia, Hannes Lichtner (ÖZIV) und Christine Riegler (v. l.) diskutierten über Barrierefreiheit.

© Land Tirol/ReichkendlerMarkus Pollo ( NHT), die Vorsitzende des Monitoringausschusses Isolde Kafka, Dominik Mainusch in Vertretung von LR Johannes Tratter, Architektin Sandra Careccia, Hannes Lichtner (ÖZIV) und Christine Riegler (v. l.) diskutierten über Barrierefreiheit.



Innsbruck – Trägt Barrierefreiheit tatsächlich wesentlich zur Erhöhung von Baukosten bei? Mit diesen und ähnlichen Fragen rund ums barrierefreie Wohnen hat sich der Tiroler Monitoringsausschuss in seiner jüngsten Sitzung auseinandergesetzt. Der Ausschuss ist ein unabhängiges Gremium, das die Einhaltung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen durch die öffentliche Verwaltung überwacht.

„Laut Statistik sind zehn Prozent der Bevölkerung auf Barrierefreiheit angewiesen. Diese zehn Prozent können im Laufe des Lebens alle betreffen“, zeigt Ausschussmitglied Volker Schönwiese auf. Hinzugerechnet müsse auch das Umfeld der Betroffenen werden. Somit müsse Barrierefreiheit im öffentlichen Interesse liegen, wenn man beispielsweise bedenkt, dass alte Menschen künftig auch zuhause und nicht im Altenheim betreut werden können – sofern sie über eine barrierefreie Wohnung verfügen.

Bei einer Podiumsdiskussions-Runde zum Abschluss der Ausschusssitzung tauschten sich Experten und Vertreter von Politik und Wohnbauträgern über das Instrument der Tiroler Bauordnung und die darin enthaltene Quote an anpassbarem Wohnraum aus. Bei anpassbarem Wohnraum müssen Wohnungen so konzipiert sein, dass diese nachträglich für die Nutzung durch Menschen mit Behinderungen ohne erheblichen Aufwand adaptiert werden können. In diesem Zusammenhang betonte Hannes Lichtner vom Bundesverband für Menschen mit Behinderungen (ÖZIV): „Wir haben Aufholbedarf und dürfen die 100-Prozent-Quote nicht antasten.“ Lichtner führte weiter aus, dass es noch genügend Altbestand gebe, der nicht barrierefrei sei. Auch für den ländlichen Raum wäre eine Änderung in der Bauordnung, wonach lediglich für Wohnanlagen ab sieben Wohnungen ein anpassbarer Wohnraum vorgesehen ist, katastrophal.

„Die Novelle der Tiroler Bauordnung sieht vor, dass nur noch Gebäude mit über sechs Wohnungen barrierefrei gebaut werden müssen. Im Jahr 2008 war dieser Richtwert noch bei drei Wohnungen“, kritisiert die Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses Isolde Kafka. „Der Tiroler Monitoringausschuss weist schon lange auf dieses Manko hin, denn es kommt oft zu Mängeln und fehlerhaften Ausführungen, was einen nachträglichen Umbau erforderlich macht, der meist viel teurer ist“, so Kafka abschließend. (TT)