Letztes Update am So, 23.06.2019 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Innsbrucker zahlten 210 Euro Strafe für zwei schwarzfahrende Räder

Zwei Innsbrucker mit Zugticket samt zwei ticketlosen Rädern. Ein Fehler kam langjährige Bahnkunden teuer. Kulanz? Fehlanzeige!

Hubert Schneeberger hatte für sein Rad vom Brenner nach Innsbruck kein Ticket gelöst.

© SchneebergerHubert Schneeberger hatte für sein Rad vom Brenner nach Innsbruck kein Ticket gelöst.



Von Alexandra Plank

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Innsbruck – Bis zur Rückfahrt mit dem Regionalzug vom Brenner nach Innsbruck war es für Hubert Schneeberger und seinen Freund ein perfekter Feiertag. Mit den Rädern waren sie zu Christi Himmelfahrt nach Südtirol gefahren und hatten dort eine Tour unternommen. Die langjährigen Kunden der ÖBB kauften via APP zwei Tickets für die Fahrt. „Es war uns nicht bewusst, dass wir auch für unsere Fahrräder ein Ticket lösen müssen“, erklärt Schneeberger. Mit dieser Tatsache wurden sie aber von der Schaffnerin konfrontiert. Da dachten die beiden noch, mit einer Entschuldigung und einer Nachzahlung, der Betrag hätte 2 Euro ausgemacht, wäre die Sache erledigt. „Die Schaffnerin wies uns darauf hin, dass das nicht mehr möglich sei und wir die Fahrräder illegal mitgenommen hätten“, erzählt der Unternehmer. Bei den weiteren Forderungen blieb ihm dann die Spucke weg, wie er sagt. „Sie erklärte, sie müsse eine Strafe von 105 Euro pro Person für das fehlende Fahrradticket verlangen.“ Erst dachte der Innsbrucker, es handele sich um einen Scherz: „Eine Strafe von 210 Euro für zwei Fahrräder ist mehr als überzogen und jenseits jeglicher Realität, vor allem da wir ja im Besitz gültiger Personentickets waren.“ Die ÖBB-Mitarbeiterin zeigte sich aber nicht situationselastisch. Die Männer bezahlten sofort, da bei nachträglicher Bezahlung die Strafe pro Person um 30 Euro erhöht worden wäre.

„Ich weiß, dass wir einen Fehler gemacht haben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die ÖBB mit einer derart überschießenden Reaktion ihre Kunden verprellen wollen“, erklärt der Bahnvielfahrer. Doch die Gegenseite blieb stur. Auf eine Mail folgte eine Standardantwort mit der Essenz: „Die Bestimmungen des Handbuchs für Reisen mit den ÖBB sehen vor, dass Passagiere, die ohne gültiges Ticket im Zug angetroffen werden, eine Kontrollgebühr von 105 Euro entrichten müssen. (...) Leider ist es uns aufgrund der genannten Bestimmungen nicht möglich, auch nur einen Teil des beglichenen Betrages zu refundieren.“ Die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf) hat ein Schlichtungsverfahren eingeleitet. Die ÖBB zeigt sich weiter nicht kulant. Schneeberger ist enttäuscht und will nun die Geschäftsreisen nach Wien ab Salzburg mit der Westbahn absolvieren.

Mit Rad in den Öffis unterwegs

Im ÖBB-Nahverkehr ist die Mitnahme von Rädern, sofern Platz ist, möglich. Die Beförderung ist kostenpflichtig, das Ticket muss vor dem Einsteigen gelöst werden. Das mit dem VVT konzipierte „Regio Biking Ticket Tirol“ ist kostengünstig (Tagesticket 2,60 Euro, Wochen- und Monatskarte). Für Gruppen bietet sich im Nahverkehr das Einfach-Raus-Radticket an. Für die Einzelfahrt gilt ein Betrag ab 2 Euro.

Aufgrund des populären Drautalradweges und des Radtransportes der ÖBB gelten für Osttirol gesonderte Tarife für die Strecke Lienz – Innichen. Im Fernverkehr ist der Preis für die Radmitnahme auch relationsabhängig mit dem Mindesttarif von 2 Euro. Samt verpflichtender, kostenpflichtiger Reservierung. Die Radtickets sind online, im Ticketshop des VVT oder der ÖBB, per App, am Automaten und Schalter erhältlich. Bikes, die mit abgenommenen Rädern in Taschen verpackt sind, sind kostenlos.

Laut VVT werden Räder auf täglichen Linien, so es technisch möglich und genug Platz ist, unentgeltlich befördert. Über die Aufnahmefähigkeit entscheidet der Lenker, Kinderwagen und Rollstühle haben Vorrang. Ausgenommen sind Buslinien mit touristischen Angeboten für Räder. Hier gilt ein eigener Radtarif. Das Ticket dafür ist das Tages-Ticket Bike um 5 Euro, erhältlich im VVT Shop oder beim Busfahrer. Sehr erfolgreich ist die Radmitnahme im ­Oberland und Außerfern. Infos: www.oebb.at und www.vvt.at

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