Letztes Update am So, 23.06.2019 12:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Klima-Aktivisten wehren sich heftig und halten Polizei in Atem

Die Klimaproteste im rheinischen Braunkohlerevier machen der deutschen Polizei massiv zu schaffen. Auf den Tagebaugeländen und Bahnstrecken befanden sich auch am Sonntagmorgen noch zahlreiche Demonstranten. Die Behörden rechneten im Verlauf des Tages mit weiteren Aktionen.

Mehrere Hundert Demonstranten stürmten am Samstagnachmittag auf das Betriebsgelände des Energieversorgers RWE in Garzweiler.

© AFPMehrere Hundert Demonstranten stürmten am Samstagnachmittag auf das Betriebsgelände des Energieversorgers RWE in Garzweiler.



Aachen – Die Polizei hat bei den Klima-Protesten im rheinischen Braunkohlerevier am Wochenende weiter alle Hände voll zu tun. Brennpunkte waren ab dem Samstagnachmittag die Tagebauflächen in Garzweiler und Jackerath bei Aachen. Mehrere Hundert Demonstranten, viele vom Bündnis „Ende Gelände“, stürmten am Samstagnachmittag auf das Betriebsgelände des Energieversorgers RWE in Garzweiler. Die Polizei stieß dabei wie auch in Jackerath auf heftige Gegenwehr der Aktivisten. Die Räumung von Garzweiler dauerte noch am Sonntagmorgen an, gegen 8.00 Uhr sprachen die Behörden auf dpa-Anfrage noch von 250 Demonstranten, die unter Kontrolle der Einsatzkräfte seien und weiter abtransportiert würden. Die Bahnstrecke zwischen den Braunkohlekraftwerken Neurath und Niederaußem war da immer noch von etwa 800 Demonstranten blockiert.

Die Polizei Aachen rechnet im Laufe des Tage mit weiteren Aktionen. „Auszuschließen ist das nicht. Die Einsatzkräfte bleiben in Bereitschaft“, sagte eine Sprecherin der dpa. Die Aktivisten kämpfen im Rahmen der Aktionstage im rheinischen Braunkohlerevier für einen schnellen Stopp der Braunkohleförderung. Am Freitag hatte es eine von der Bewegung „Fridays for Future“ organisierte Demonstration in Aachen mit 40 000 Teilnehmern gegeben. Die Schülerbewegung demonstrierte weitestgehend friedlich. Ob sich ein Teil dieser Demonstranten trotz aller Warnungen auch den Aktionen der Aktivisten von „Ende Gelände“ angeschlossen hat, ist unklar.

Die Polizei stieß in den Tagebaugebieten am Samstag und der Nacht zum Sonntag auf heftige Gegenwehr.
Die Polizei stieß in den Tagebaugebieten am Samstag und der Nacht zum Sonntag auf heftige Gegenwehr.
- AFP

Die Polizei stieß in den Tagebaugebieten am Samstag und der Nacht zum Sonntag auf heftige Gegenwehr. Nach offiziellen Angaben wurden acht Beamtinnen und Beamten verletzt. Die Behörde habe auch von Berichten zu verletzten Demonstranten gehört, die hätten sich aber nicht bei der Polizei gemeldet. Insofern habe man keine gesicherten Informationen und Zahlen. Auch gebe es noch keine exakten Angaben, wie viele Demonstranten in Gewahrsam genommen wurden. In Jackerath hatte es am Samstagabend den Versuch einer Gefangenenbefreiung gegeben.

Trotz aller Warnungen vor Lebensgefahr und Appelle waren Demonstranten auch die Abbruchkanten am Tagebau rauf- und runtergeklettert. Die Polizei ermittelt wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs, Gefangenenbefreiung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Kritik der Aktivisten, dass die festgesetzten Menschen über Stunden nicht mit Getränken und Essen versorgt wurden, wies die Polizei auf dpa-Anfrage zurück. (dpa)