Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 25.06.2019


Bezirk Landeck

Bei Landarzt-Stellen bleibt der Andrang im Bezirk Landeck überschaubar

Allgemeinmedizinerin aus Graz übernimmt die Praxis des langjährigen Fließer Sprengelarztes. Kein einziger Bewerber aus der Region bzw. Tirol.

Die junge Ärztin Birgit Pateter übernimmt am 1. Juli die Kassenstelle in Fließ. Der langgediente Sprengelarzt Walter Stefan (63) geht in Pension. Ihm war eine „geregelte Übergabe“ der Ordination wichtig.

© WenzelDie junge Ärztin Birgit Pateter übernimmt am 1. Juli die Kassenstelle in Fließ. Der langgediente Sprengelarzt Walter Stefan (63) geht in Pension. Ihm war eine „geregelte Übergabe“ der Ordination wichtig.



Fließ – Aufgewachsen und studiert in Graz, Turnusärztin in Vorarlberg, danach Praxis-Vertretung im Bregenzerwald: Das sind die Stationen der Allgemeinmedizinerin Birgit Pateter, bevor sie nach Fließ kam. Sie übernimmt am 1. Juli die Kassenstelle des langgedienten Sprengelarztes Walter Stefan. „Eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, sagte sie. Von ihrem Wohnort in Landeck will sie, so oft wie möglich, mit dem E-Bike auf der Via Claudia Augusta zur Ordination radeln.

Der Fließer Doktor, auch bekannt als Präsident der Vereins Via Claudia Augusta und Hobbyarchäologe, freut sich auf seinen (Un-)Ruhestand. Und dass er die Ordination nahtlos übergeben kann. Ein­e „geordnete Übergabe“ war nicht unbedingt selbstverständlich, wie Beispiele der vergangenen Jahre im Bezirk zeigen. Stefan wollte schon im Frühjahr 2018 in Pensio­n gehen. Seine Freude war jedoch verfrüht, als sich ein potenzieller Nachfolger vorgestellt hatte. Der junge Arzt sagte dann kurzerhand ab.

Aus dem Krankenhaus Zams, wo Stefan die Fließer Arztstelle beworben hatte, traf keine einzige Reaktion ein. Auch nicht aus dem Oberland bzw. aus dem restlichen Tirol. „Offenbar gibt es noch immer ein Vorurteil. Nämlich dass man als Landarzt rund um die Uhr arbeiten muss oder zum Bereitschaftsdienst eingeteilt wird und keine Freizeit hat“, schildert der Neo-Pensionist. „Das stimmt schon lange nicht mehr. Wir haben ein funktionierendes Notarztsystem. Damit hat der niedergelassene Arzt sehr wohl seine Freizeit“, zeigt Stefan auf. Zudem habe man fünf Wochen Urlaub und könne sich einen Tag pro Woche vertreten lassen. „Ich kann nur sagen, der Arztberuf in einem Dorf wie Fließ ist ein schöner Beruf.“

Aufatmen konnte auch BM Hans Peter Bock, als sich die neue Medizinerin kürzlich vorgestellt hat: „Die reibungslose Übergabe ist sehr erfreulich für unser Dorf. Dem langjährigen Sprengelarzt kann ich nur danken. Die medizinische Versorgung von Fließ war in allerbesten Händen.“

Zur Besetzung der Arztstellen im Bezirk Landeck sagte TGKK-Direktor Arno Melitopulos am Montag auf TT-Anfrage: „Es schaut gut aus. Derzeit sind alle Stellen besetzt, auch die Facharztstellen.“

Nicht ganz zufrieden zeigt sich der Serfauser Bürgermeister Paul Greiter: „Wir würden eine zweite Kassenstelle brauchen. Das ist bisher leider abgelehnt worden.“

Bei der Nachbesetzung der Kassenstelle in Kappl vorigen Oktober soll „erhöhter Kommunikationsaufwand“ nötig gewesen sein, wie Florian Jehle bestätigte. Er hatte mit seinem Kollegen Manuel Maurer die erste Gemeinschaftspraxis im Tal eingerichtet. Beide sind Mediziner mit Facharzt­ausbildung. „Es gab keine anderen Bewerber“, schilderte Jehle am Montag. „Im Großen und Ganzen funktioniert bei uns alles gut. Nur die Abrechnung mit der Kassa ist mühsam“, so Jehle. (hwe)