Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.06.2019


Exklusiv

Bauer in Villnöß errichtete Drehkreuz gegen die Touristenmassen

Weil die kleine Kirche auf seinem Privatgrund Tausende Menschen angelockt hat, griff ein Südtiroler Landwirt zu drastischen Maßnahmen.

Das Ranui-Kirchlein in der Gemeinde Villnöß unweit von Brixen ist bei Südtirol-Touristen ein beliebtes Foto-Motiv. Seit Kurzem verrechnet der Besitzer vier Euro Eintritt.

© santirfDas Ranui-Kirchlein in der Gemeinde Villnöß unweit von Brixen ist bei Südtirol-Touristen ein beliebtes Foto-Motiv. Seit Kurzem verrechnet der Besitzer vier Euro Eintritt.



Villnöß – Nur einen Steinwurf von der Südtiroler Bischofsstadt Brixen entfernt, im hinteren Villnößtal, liegt der Ranuihof. In einem Feld direkt neben dem Jahrhunderte alten Haus steht eine kleine Kirche. Malerisch ist der Blick auf die Geislergruppe, ein Bergmassiv in den Dolomiten, den man von dem Sakralbau aus hat. Auch deshalb haben in jüngerer Vergangenheit immer mehr Touristen das Ranui-Kirchlein zum idealen Ort für das perfekte Urlaubsfoto erkoren. Inzwischen wurden es dem Bauer aber zu viele.

Um der Menschenmassen Herr zu werden, hat der Besitzer jetzt zu einer drastischen Maßnahme gegriffen. Ein Zwei-Meter-Drehkreuz, so wie man es aus Freizeitparks oder Fußballstadien kennt, steht seit vergangener Woche am Zugang des Geländes – samt vier Euro Eintritt, berichten Südtiroler Medien. Für eine Stellungnahme gegenüber der TT war der Südtiroler Landwirt nicht zu erreichen.

Das Kirchlein ist in Privatbesitz, deshalb habe die Maßnahme nicht mit Behörden abgesprochen werden müssen, sagt der Bürgermeister von Villnöß, Peter Ternthaler, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Wie die Neue Südtiroler Tageszeitung berichtet, sei das Drehkreuz aber die Ultima Ratio gewesen. Durchfahrtsverbote, Warnschilder oder ein eigens angelegter, mit Elektrozaun begrenzter Besucherpfad hätten alle nichts gebracht. Laut dem Artikel sah sich der Bauer zu der Maßnahme gezwungen, weil die Touristen nur ein Foto wollten und wenig Respekt gezeigt haben sollen – Müll, zertrampelte Wiesen und zugeparkte Auffahrt inklusive. Besonders über die Bild-Plattform Instagram hatte sich das Motiv verbreitet und Besucher aus aller Welt angelockt.

Während es in den sozialen Netzwerken durchaus auch Kritik an dem Schritt des Landwirtes gibt, wird ihm in seiner Südtiroler Heimat der Rücken gestärkt. „Die Problematik ist da und ich weiß auch, dass es dort ziemlich wild zugegangen ist“, sagte Konrad Kofler, Ortsobmann des Hotelier- und Gastwirteverbandes, gegenüber der Neuen Südtiroler Tageszeitung. „Ich kann das jedenfalls nachvollziehen.“ (TT, bfk)