Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.07.2019


Osttirol

Bischofsvikar Bürgler feiert Jubiläum: „Ich bin Mensch unter Menschen“

25 Jahre nach seiner Primiz feiert Bischofsvikar Jakob Bürgler in der Lienzer Pfarrkirche St. Andrä sein silbernes Priesterjubiläum. In einer ungewissen Zeit könne der Glaube ein Anker sein, sagt Bürgler.

Jakob Bürgler hat vor 25 Jahren in der Pfarrkirche St. Andrä in Lienz seine Primiz gefeiert.

© BürglerJakob Bürgler hat vor 25 Jahren in der Pfarrkirche St. Andrä in Lienz seine Primiz gefeiert.



Lienz — Der gebürtige Lienzer Jakob Bürgler feiert in seiner Heimatpfarre St. Andrä am Sonntag, 7. Juli, um 10 Uhr sein silbernes Priesterjubiläum. Während der Bischofsstuhl in Innsbruck vakant war, führte Bürgler als Administrator die Diözese. Bischof Hermann Glettler ernannte ihn dann zum Bischofsvikar für missionarische Pastoral.

Seit 25 Jahren sind Sie Priester. Was bedeutet das Jubiläum für Sie?

Jakob Bürgler: Es ist für mich ein Moment des Innehaltens, eine Rückschau auf meinen Weg, ein Staunen und tiefe Dankbarkeit für ein Leben voller Begegnungen.

Wann entschieden Sie sich für den Priesterberuf?

Bürgler: Ich erinnere mich an einen 300-Kilometer-Marsch am Jakobsweg, den ich mit meinen Freunden Gerd Forcher und Franz Troyer bewältigt habe. Im Laufe meiner Ausbildung entdeckte ich, was im Grunde meines Herzens angelegt war und folgte dem Ruf, ein Leben in Gemeinschaft mit meinen Mitmenschen zu führen.

Haben Sie diesen Schritt auch einmal angezweifelt?

Bürgler: Die Entscheidung für ein Priesterleben ohne Partnerschaft oder Familie habe ich mir nicht leichtgemacht. Bereut habe ich es nie, das kann ich mit fester Überzeugung auch jenen sagen, die ebenfalls vor einer solchen Entscheidung stehen.

Was macht ein Leben als Priester aus?

Bürgler: Es ist ein intensives Leben in der Gesellschaft anderer Menschen. Ich war fassungslos vor Glück und habe gerungen in Krisen, die einem die Sprache verschlagen. Einem Priester ist nichts fremd. Ich bin Mensch unter Menschen.

Die Kirche ist auch massiver Kritik ausgesetzt, Stichwort Missbrauch und ihr Umgang damit.

Bürgler: Da sind Abgründe, für die man sich nur schämen kann. Mit diesen Dingen müssen wir uns ehrlich auseinandersetzen und um Verzeihung bitten. Anders gewinnt man verlorenes Vertrauen nicht zurück.

Hat die Kirche gesellschaftlich an Einfluss verloren?

Bürgler: Ganz sicher. Wir stellen uns natürlich selbst die Frage, wie es mit der Kirche weitergeht, auch angesichts des Priestermangels. Wie können wir die Menschen erreichen, auch jene, zu denen wir den Kontakt verloren haben? Die Welt ist heute voller Möglichkeiten, aber auch voller Verunsicherung. Umso mehr besteht die Gefahr, dass die Menschen bei Problemen nicht mehr differenzieren, sondern den einfachsten politischen Botschaften auf den Leim gehen. Außerdem gab es früher nichts anderes als die Kirche. Man wurde hineingeboren und kam eigentlich nicht mehr heraus. Heute ist es beinahe umgekehrt. Wer sich zu einem Leben im Glauben bekennt, wird fast argwöhnisch beäugt.

Wie stehen Sie zum Priestertum für Frauen?

Bürgler: Ich sehe zwei Positionen, die weit voneinander entfernt sind. Es gibt vehemente Befürworter, denen ebenso überzeugte Ablehnung entgegenschlägt. Ich höre beide Positionen in ihren Argumentationen an. Persönlich kann ich mir vieles vorstellen. Das Frauenpriestertum löst nicht alle Probleme, diese Erwartung wäre völlig überzogen. In Innsbruck haben wir sehr viele Frauen in leitenden Positionen. Ich schätze das als eine Bereicherung. Die Frauenfrage wird die Nagelprobe für die Kirche.

Was verbinden Sie heute mit Ihrer Heimatstadt?

Bürgler: Es ist Heimat. Nicht mehr so intensiv wie früher, da hat sich schon sehr viel verändert, nicht nur baulich, sondern auch bei den Menschen. Wenn ich durch die Straßen oder über den Hauptplatz gehe, habe ich ein ganz wohliges Heimatgefühl.

Wann haben Sie das letzte Mal Urlaub gemacht?

Bürgler: Nachdem Bischof Hermann Glettler nach Innsbruck kam. Die dreizehn Monate als Diözesanadministrator waren für mich sehr anstrengend. Ich habe mir eine dreimonatige Auszeit genommen, war in Deutschland, England, Amerika. Dann habe ich für ein paar Wochen in einem Slum in Afrika gelebt. Raus aus meinem abgesicherten Leben, zu Menschen, die Sicherheit nicht kennen. Das sollte jeder einmal tun: raus aus der Komfortzone. Dann lernt man das Geschenk des Lebens wieder schätzen.

Das Interview führte Christoph Blassnig

Heute trägt der Bischofsvikar Verantwortung in der Diözese Innsbruck und trifft Gläubige aus aller Welt.
Heute trägt der Bischofsvikar Verantwortung in der Diözese Innsbruck und trifft Gläubige aus aller Welt.
- Bürgler