Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.06.2019


Innsbruck

“Obwohl wir verschieden sind“: Innsbruck feierte Fest der Vielfalt

So kann Zusammenleben funktionieren: Beim Fest der Vielfalt in Innsbruck präsentierte die Stadt ihre Weltoffenheit als Selbstverständlichkeit.

Die Stadt Innsbruck feierte ihre Vielfalt im Volkskunstmuseum künstlerisch und kulinarisch.

© Foto TT/Rudy De MoorDie Stadt Innsbruck feierte ihre Vielfalt im Volkskunstmuseum künstlerisch und kulinarisch.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – „Sag’s multi!“ Die Innsbrucker BORG-Schülerin Nil Deniz Tohumci interpretierte beim zweisprachigen Redewettbewerb in Wien das Zitat der jüdischen Publizistin Hannah Arendt „Das Recht, Rechte zu haben“ mit den Worten: „Obwohl wir alle anders sind, alle aus verschiedenen Ländern kommen, sind wir immer noch alle Menschen und sollten deswegen auch gleich gerecht behandelt werden.“ Am Tag der Vielfalt wiederholten die 15-Jährige und andere Tiroler Schüler ihre flammenden Reden für eine friedliche Koexistenz.

Dass Zusammenleben funktionieren kann, sollte gestern vor und im Volkskunstmuseum in Innsbruck deutlich hörbar sein. Denn Intention des gemeinsamen Festes in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen war, nicht die Theorie des Zusammenlebens in einer Stadt zu präsentieren. Die Vielfalt sollte vielmehr auch sichtbar, erlebbar, essbar, spürbar und sogar tanzbar sein. „Innsbruck beweist und feiert seine Vielfalt und Weltoffenheit – kulinarisch und künstlerisch“, sagt die für Integration zuständige Stadträtin Elisabeth Mayr. Das Fest der Vielfalt ist eine Veranstaltung der Abteilung für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration.

Das Programm des bereits siebten Tags der Vielfalt gestalteten die Jugendland Singers & Band, der nigerianische Kulturverein mit einer Tanzperformance, ein persischsprachiger Kinderchor, der Sprachförderverein Russkij Dom und viele andere. Mitmachen war nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern Teil des Konzepts, wie der gemeinsame musikalische Abschluss unter Leitung von Bernhard Sieberer und mit Unterstützung des Chors der Vielfalt.

Zeitzeugen kamen miteinander ins Gespräch und spielten gemeinsam Schach und Backgammon, betreut vom Iranischen Kulturverein und von Schach ohne Grenzen. Bei der Ausstellung „Multiversität“ ging es um die Spuren internationaler Studierender in Innsbruck von 1955 bis 1995.

Nicht die Leistungen Einzelner sollten gestern im Vordergrund stehen, sondern wie Zusammenleben im Alltag funktioniert und vor allem die Selbstverständlichkeit dabei, sagt Mitorganisatorin Nicola Köfler von der Integrationsstelle im Rathaus. Ganz so, wie Nil Deniz Tohumci beim Redewettbewerb mühelos zwischen ihrer Muttersprache Türkisch und Deutsch wechselte und dabei meinte: „Zum Glück entwickelt sich die Welt weiter, und obwohl wir immer wieder Rückschläge erleiden, machen wir uns weiterhin auf den Weg in eine bessere Zukunft. In eine Zukunft, wo wir alle, Frau, Mann und Kind gleich gerecht behandelt werden, obwohl wir alle so verschieden sind.“

null
- Foto TT/Rudy De Moor
null
- Foto TT/Rudy De Moor



Kommentieren


Schlagworte