Letztes Update am So, 30.06.2019 10:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Wasser aus der Leitung ist besser als Mineral

Bei der derzeitigen Hitze ist Trinken besonders wichtig. Aus dem Hahn rinnt in Österreich Wasser der Spitzenqualität. Damit das so bleibt, sind Investitionen nötig.

Beim Trinkwasser ist Österreich top. Umfangreiche Investitionen sind notwendig, die Gemeinden müssen Daseinsvorsorge betreiben.

© dpaBeim Trinkwasser ist Österreich top. Umfangreiche Investitionen sind notwendig, die Gemeinden müssen Daseinsvorsorge betreiben.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – „Woanders wird es dir fehlen“, mit diesem Spruch auf einem Glas werben Tiroler Orte für ihr Wasser. Die Österreicher sind stolz auf den blauen Schatz und mit der Qualität des Trinkwassers sehr zufrieden: Durchschnittlich vergeben sie die Schulnote 1,5 (Details siehe Grafik).

Dieser Tage sorgte die deutsche Stiftung Warentest für einen Aha-Effekt, als sie feststellte, dass sich die Investition in stilles Mineralwasser selten lohnt. Leitungswasser enthalte zum Teil sogar mehr Mineralstoffe, hieß es, und das bei weniger Keimen.

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Quellfrisch ins Leitungsnetz

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hatte zwar bereits 2017 bei einem Test bei zehn von 15 stillen Wässern nichts auszusetzen, stellte aber fest, dass „darin meist nur geringe Mengen an Mineralstoffen stecken, sodass Trinkwasser eine gute Alternative ist“. Die neuen Erkenntnisse aus Deutschland sprechen noch klarer für Leitungswasser. Stefan Wild vom Land Tirol, Abteilung Wasserwirtschaft, wundert das nicht. „Gerade in Tirol wird das Wasser durch das Gebirge gefiltert, es kommt quellfrisch ins Leitungsnetz.“ Die Kontrollen sind sehr streng, da Wasser in Österreich als Lebensmittel gilt und sehr hohen Hygiene­standards unterliegt. Leitungswasser sei auch frischer als jedes Mineralwasser, letzteres müsse meist über Brunnen heraufgepumpt werden, führt Wild weiter aus.

Der Trend zum Leitungswasser wird europaweit forciert. Auch die EU will die Bürger dazu bringen, mehr Wasser aus dem Hahn zu trinken. Die Vorteile des Leitungswassers, was den eigenen Geldbeutel angeht, sind augenscheinlich: Ein Liter Mineralwasser kostet 200-mal so viel wie ein Liter Leitungswasser. Ein Liter Wasser aus dem Hahn kostet 0,15 bis 0,30 Cent (zehn Liter 1,5 bis 3 Cent). „Aber auch für die Umwelt ist es viel besser, wenn keine Flaschen anfallen“, sagt Wild. Der Experte warnt davor, daheim Aufbereitungsanlagen zu verwenden, die Gefahr der Verkeimung sei groß.

Die hohe Qualität des Leitungswassers führt dazu, dass in der Gastronomie immer häufiger danach verlangt wird. Seit Jahren wird emotional diskutiert, ob man für das Wasser aus der Leitung etwas verlangen darf und wenn ja, wie viel. Die Wirtschaftskammer Tirol stellt das jedem Wirt frei. Argumentiert wird oft damit, dass mit dem Wasser aus dem Hahn Dienstleistungen verbunden seien.

Wasserversorgung als Dauerjob

Laut Wild ist die Wasserversorgung ein Dauerjob. „Die Gemeinden müssen hier Daseinsvorsorge betreiben.“ Für seinen Geschmack wird Leitungswasser in Tirol zu häufig UV-bestrahlt. „In Notsituationen, wenn es ein Keimproblem gibt, ist das okay, generell ist es sinnvoller, die Anlagen zu verbessern.“ Österreichs Gemeinden waren mit dem Ausbau der wasserbaulichen Infrastruktur international immer Spitzenreiter. Seit 1959 wurden rund 60 Mrd. Euro in die Errichtung von Trinkwasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsanlagen investiert. Nun ist etwa ein Drittel aller Wasserleitungen älter als 40 Jahre, bei den Kanälen haben etwa 13 % dieses Alter schon erreicht. Im Trinkwasserbereich haben rund 12 % der Leitungen ein Alter von 50 Jahren. So wird klar, dass die Sanierung und Erneuerung eine der aktuellen Herausforderungen ist, hält der ÖVGW-Bericht (Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach 2018) fest. „Ein positives Beispiel in Tirol ist etwa Mieming, wo die Wassergenossenschaft die Versorgung runderneuert“, schließt Wild.