Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.07.2019


Osttirol

Bundesheerübung “Scheitelhöhe“: Soldaten sichern Strom- und Ölleitung

Bei der Bundesheerübung „Scheitelhöhe“ sind in den Bezirken Kufstein, Kitzbühel und Lienz rund 900 Soldaten im Einsatz. Szenario: eine Bedrohung der Transalpinen Ölleitung und des Stromnetzes in Matrei.

 Der Duellsimulator zeigt auf einem Bildschirm die Bewegung der einzelnen Soldaten an.

© Oblasser Der Duellsimulator zeigt auf einem Bildschirm die Bewegung der einzelnen Soldaten an.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Wachposten an der Straße, Absperrkreuze aus Stahl, Militärhubschrauber, schweres Gerät, Waffen und viele, viele Soldaten: Dieses Bild bietet sich an der Pumpstation der Transalpinen Ölleitung (TAL) und der Hochspannungs-Freileitung der Tinetz in Matrei, direkt unterhalb der Felbertauernstraße.

Grund ist eine Übung des Bundesheeres, um die Verteidigung von „kritischer Infrastruktur“, also von wichtigen Versorgungseinrichtungen, für die Bezirke Kufstein, Kitzbühel und Lienz zu testen. „Die Übung hat den Namen ,Scheitelhöhe‘, weil wir uns hier nahe dem höchsten Punkt der TAL und der Stromleitung über den Alpenhauptkamm befinden“, erklärt der Tiroler Militärkommandant Herbert Bauer.

Auf dem großen Bild sind die Pumpstation der TAL und die Anlage der Tinetz zu sehen, davor eine Stellung.
Auf dem großen Bild sind die Pumpstation der TAL und die Anlage der Tinetz zu sehen, davor eine Stellung.
- Oblasser

Ein Teil der 900 teilnehmenden Soldaten besteht aus Tiroler Milizkräften, die ihre zweijährliche Übung absolvieren. Mit dabei sind auch Aktive und Rekruten.

Das Szenario: Die Anlagen in Matrei sind bedroht, Gegner wollen sich Zutritt verschaffen, um Sabotage auszuüben. Die gleiche Übungsannahme gilt für das Training in Jochberg, Reith und Schwoich. Noch bis zum 6. Juli werden die Einsatzkräfte des Bundesheeres vor Ort sein, und zwar von Kufstein bis zur Landesgrenze zwischen Osttirol und Kärnten.

Bei der elektronischen Kampfführung werden feindliche Signale mit einem Peiler am Fahrzeug oder mit einem tragbaren Peiler geortet.
Bei der elektronischen Kampfführung werden feindliche Signale mit einem Peiler am Fahrzeug oder mit einem tragbaren Peiler geortet.
- Oblasser

Zum Übungsszenario gehört ein Schaden an der Freileitung, der durch Sabotage verursacht wurde. Die Fahrzeuge der Tinetz tauchen auf, begleitet von einem „Husar“, einem Panzerfahrzeug mit Kanone. „Das dient dem Schutz der Reparateure, wie Bauer und der Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder erklären.

Eine Gruppe aus Saalfelden mit Bernhard Glänzer, dem Leiter der Heerestruppenschule, ist eingetroffen. Seine Aufgabe ist die Echtzeitauswertung von Kampfduellen. „Die Soldaten tragen Laser-Gewehre und Westen mit Detektoren“, beschreibt Glänzer. „Wenn sie bei der Übung Schüsse aufeinander abgeben, so zeichnet die Weste das auf und teilt dem Träger und den Sanitätern mit, an welcher Körperstelle der Treffer erfolgt ist.“ Gleichzeitig kann der Ausbildner die Duelle über Bildschirm mitverfolgen, sie auswerten und gemeinsam mit den Übenden in der Folge besprechen. Das soll den Lernerfolg erhöhen.

Militärkommandant Herbert Bauer mit Zugs- und Kompaniekommandant .
Militärkommandant Herbert Bauer mit Zugs- und Kompaniekommandant .
- Oblasser

Bei der „Scheitelhöhe“ kommt auch die so genannte elektronische Kampfführung zum Einsatz. Die Gruppe aus St. Johann im Pongau mit Leiter Felix Cocian hat die Aufgabe, gegnerischen Funkverkehr und andere Signale aufzufangen. „Wir benutzen Peiler an unseren Fahrzeugen“, sagt Cocian. „Es gibt aber auch Handgeräte.“

Auf dem Übungsgelände fallen die Stellungen aus Sandsäcken auf, die in regelmäßigen Abständen rund um die Pumpstation und die Tinetz-Station aufgebaut sind. Der verdichtete Sand schützt die zwei Mann pro Stellung vor gegnerischer Munition.

Der Sparzwang beim österreichischen Bundesheer macht sich auch bei der Übung „Scheitelhöhe“ bemerkbar, wie Herbert Bauer beklagt. „Wir haben die Geräte und Ausrüstungsgegenstände von überall her zusammentragen müssen. Von den Pandur-Panzern hätte ich 40 gebraucht, bekommen habe ich zwei.“