Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.07.2019


Bezirk Schwaz

16-jähriger Schüler aus Schwaz schnuppert bereits Uni-Luft

Hannes Eberharter besucht die 6. Klasse des BORG Schwaz. Zudem sitzt er zweimal pro Woche im Hörsaal der Uni Innsbruck. Er ist der einzige Tiroler Schüler, der schon studiert.

Hannes Eberharter verdankt es seiner Lehrerin Michaela Stöckl, dass er als 16-Jähriger schon studiert.

© FankhauserHannes Eberharter verdankt es seiner Lehrerin Michaela Stöckl, dass er als 16-Jähriger schon studiert.



Von Eva-Maria Fankhauser

Hippach, Schwaz, Innsbruck – Es ist Donnerstagnachmittag. Eigentlich stehen für den BORG-Schüler Hannes Eberharter gerade Geographie und Wirtschaftskunde, Zeichnen sowie Turnen auf dem Stundenplan. Aber er drückt nicht die Schulbank. Eberharter darf quasi schwänzen bzw. wurde nachmittags vom Unterricht freigestellt. Denn der 16-Jährige sitzt stattdessen in der Innsbrucker Uni.

Ohne Matura, noch nicht einmal 18 Jahre alt und schon ein Student? Das Programm „Schüler/innen an die Hochschulen“ des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) macht’s möglich. „Mein Klassenvorstand hat mich darauf aufmerksam gemacht. Aber anfangs konnte ich mir das nicht vorstellen“, sagt Eberharter im TT-Gespräch. Der Gedanke, schon vor der Matura im Hörsaal einer Uni zu sitzen, ließ den 16-Jährigen aber nicht los: „Also habe ich mich beworben.“

Im März ging es los. „Ich habe schon einige komische Blicke von den Studierenden geerntet“, erinnert Eberharter sich an seinen ersten Studientag. Seitens der Studienberatung erhielt der Schüler Hilfe, damit er sich am Uni-Gelände zurechtfand, wusste, welche Lehrveranstaltungen er überhaupt besuchen durfte oder wo und wie er sich anmelden konnte. Eberharter entschied sich für „Basiswissen Politische Bildung“, das Geschichtslehramtsstudenten besuchen, „Stammzellenbiologie“ aus dem Bachelorstudium Biologie und „Analysis 1“ für Mathestudenten an der Technik. „Das Letztere konnte ich leider nicht aktiv mitmachen, da die Vorlesung mit einem Proseminar gekoppelt wurde und das ein zu großer Zeitaufwand gewesen wäre. Außerdem darf man im Programm nur Vorlesungen besuchen“, erklärt Eberharter. Alle anderen Kurse seien zu zeitintensiv und man wolle als Schüler auch keinem Studenten einen raren Platz in Seminaren wegschnappen.

Die Vorlesungen, die Eberharter in diesem Semester besuchte, werden dem Schüler bei einem künftigen Studium angerechnet. Und studieren will der 16-Jährige auf jeden Fall. Er könnte sich vorstellen, Lehrer zu werden: „Die Geschichtsvorlesung hat mir total gut gefallen. Über den Sommer lerne ich nun auf die Prüfung im Herbst. Bio fand ich aber auch spannend.“

Zeitlich war es nicht immer einfach, Schule und Uni unter einen Hut zu bringen. Die verpassten Schulstunden musste er selbstständig aufholen. Zudem wurden die Tage für ihn dank Schule und Uni teils sehr lang. „Ich war dann von Innsbruck nach Hause nach Hippach schon einmal zwei Stunden unterwegs“, sagt Eberharter und fügt hinzu: „Das ging dann alles zusammen an einigen Tagen schon an die Grenzen.“ Aber mit viel Lernbereitschaft und -management sowie Willen sei alles machbar. Eberharter will die Erfahrung nicht missen. Im Gegenteil: Er würde gerne im nächsten Semester weitermachen.

Derzeit ist er der einzige Tiroler, der am Programm teilnimmt. „Ich denke, dass einige das Potenzial dazu hätten, aber viele wissen gar nichts davon“, sagt Eberharter. So könne man schon vorab reinschnuppern und herausfinden, wo die eigenen Interessen liegen. Die Zeit an der Uni hat ihm sehr gefallen. Es sei locker­er und freier als in der Schule, dafür aber auch anonymer.