Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.07.2019


Tirol

Freud und Leid am Zeugnistag: Ereignisreiches Schuljahr geht zu Ende

Rund 93.400 Schülerinnen und Schüler starten morgen in die Sommerferien. Für sie, aber auch für Lehrer und die Bildungsdirektion geht ein ereignisreiches Schuljahr zu Ende.

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Innsbruck – Endlich ist es so weit: Am letzten Tag des Schuljahres steht morgen für Tirols Schülerinnen und Schüler meist nur noch die Zeugnisverteilung auf dem Stundenplan. Dann geht es für die exakt 93.435 Kinder und Jugendlichen in die wohlverdienten Sommerferien. Doch nicht jeder kann diese uneingeschränkt genießen: 4,6 Prozent der Schüler der weiterführenden Schulen müssen mit einem oder zwei „Nicht genügend“ im Zeugnis leben. Sie haben allerdings die Möglichkeit, durch das Ablegen positiver Wiederholungsprüfungen im Herbst den Aufstieg in die nächste Schulstufe doch noch zu schaffen. Trotzdem sollten auch sie darauf achten, dass in den Ferien die Erholung nicht zu kurz kommt, rät die Schulpsychologie – siehe Interview links. 92,7 Prozent der Schüler weiterführender Schulen haben das Schuljahr positiv absolviert, 23,6 Prozent sogar mit ausgezeichnetem Erfolg. Nicht zugelassen zu Wiederholungsprüfungen sind 2,7 Prozent, sie haben drei oder mehr Fünfer im Zeugnis und müssen die Klasse wiederholen.

Positiv endet das Schuljahr für über 90 Prozent der 3190 Maturanten in Tirol. Sie haben nach den schriftlichen Klausuren und den Kompensationsprüfungen die Reifeprüfung der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) bzw. die Reife- und Diplomprüfung der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) erfolgreich abgeschlossen.

Geprägt war das heurige Schuljahr auf struktureller Ebene vor allem durch die Schaffung der Bildungsdirektion Tirol. Dabei wurde die ehemalige Bundesbehörde Landesschulrat für Tirol mit der Abteilung Bildung des Landes Tirol in einer Bund-Länder-Mischbehörde zusammengeführt. „Um diese umfangreiche Umstellung gut zu bewältigen, war die Bereitschaft aller Beteiligten notwendig, sich auf Neues einzulassen. Dafür zolle ich ihnen meine besondere Anerkennung“, sagt Bildungslandesrätin Beate Palfrader, Präsidentin der Bildungsdirektion.

Einige Neuerungen gibt es aber auch im kommenden Schuljahr: So wird es an den Volksschulen wieder verpflichtende Ziffernnoten geben und an elf Tiroler Neuen Mittelschulen wird die Wiedereinführung der Leistungsgruppen getestet. „In Deutsch, Mathematik und Englisch werden die Kinder je nach Können in Standard oder AHS- bzw. Gymnasial-Standard eingeteilt, wobei der Standardzweig der bisherigen NMS entspricht, während das AHS-Niveau den Lehrplan der AHS umfasst und auch die AHS-Reife vermitteln soll. Ein Wechsel zwischen den zwei Leistungsklassen soll leicht möglich sein“, erklärt Bildungsdirektor Paul Gappmaier.

Fortgesetzt wird die 2018 gestartete Digitalisierungsoffensive „Bildung 4.0 Tirol lernt digital“, für die das Land bis 2022 fünf Millionen Euro zur Verfügung stellt. Diese Mittel werden für die Ausstattung von digitalen Lehr- und Lernlaboren eingesetzt, wobei der Fokus auf der umfassenden Infrastruktur- und IT-Ausstattung der Tiroler Schulen liegt. Die Unterstützung richtet sich an alle Volksschulen, Neue Mittelschulen, Allgemeine Sonderschulen, aber auch an die AHS-Unterstufen, Polytechnischen Schulen und Privatschulen für Sechs- bis 14-Jährige, verteilt auf alle Bildungsregionen Tirols.

Wichtige Weichen für das kommende Schuljahr wurden gestern im Tiroler Landtag gestellt: Eine Novelle des Schulorganisationsgesetzes regelt künftig einheitliche Herbstferien klarer sowie die Auflassung bzw. Stilllegung von Volksschulen, wenn diese im 3-Jahres-Durchschnitt von weniger als zehn Kindern besucht wurden. (np, TT)