Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Exklusiv

Emotionales Wiedersehen in Vils: Nach vier Jahren von der Walz zurück

Gänsehaut-Feeling pur, feuchte Augen – die Rückkehr von Pius Triendl geriet in Vils zum emotionalen Wiedersehen. Der junge Zimmerer war auf seiner Wanderschaft bis nach Amerika gekommen.

Pius Triendl bei seiner Rückkehr.

© Lisa Immler PhotographyPius Triendl bei seiner Rückkehr.



Von Helmut Mittermayr

Vils –Muss i denn zum Städtele hinaus“ – dem alten Volkslied mehr als gerecht wurde der Vilser Pius Triendl. Vier Jahre war der gelernte Zimmerer auf der so genannten Walz auf Wanderschaft – in der unverkennbaren schwarzen Kluft –, bei der man alles Hab und Gut in einem einzigen Sack mit sich führt und unterwegs bei verschiedenen Unternehmen anheuert. Die Gesellen sollten so einst neue Arbeitspraktiken und fremde Länder kennen lernen. Heute dürfte vor allem Lebenserfahrung gesammelt werden.

Am Samstag war die Zeit der Wanderschaft für ­Triendl vorbei, er kehrte zurück. Halb Vils war auf den Beinen, um ihn zu empfangen. Auch knapp 20 Wandergesellen, die Hälfte von ihnen noch selbst auf der Walz, begleiteten ihn die letzten Kilometer. An der Ortstafel warteten dann die Stadtmusikkapelle und an die 150 Pius-Fans. Der 24-Jährige hielt sich an die Walz-Bräuche, warf zuerst den Wanderstock (Stenz) in hohem Bogen über die Tafel, dann sein Bündel, im Fachwalzerischen Charlottenburger genannt. Zu guter Letzt kletterte er selbst auf das Ortsschild hinauf. Nach einem Genussbierchen ließ er sich dann auf der städtischen Seite der Ortstafel voller Vertrauen rückwärts in die ausgestreckten Arme von Familie und Freunden fallen. Vier Jahre zuvor war es umgekehrt gewesen.

Was für ein Empfang: Pius Triendl wurde von Familie, Freunden, Bevölkerung und Musikkapelle in Vils herzlich willkommen geheißen.
Was für ein Empfang: Pius Triendl wurde von Familie, Freunden, Bevölkerung und Musikkapelle in Vils herzlich willkommen geheißen.
- Lisa Immler Photography

Auf die TT-Frage, wie es war, sagt Triendl: „Abgefahren.“ Es sei die absolute Freiheit, mit nichts anderem, als man bei sich trägt, durch die Welt zu ziehen. „Ich kann nur allen empfehlen, schnappt’s euch einen Rucksack und schaut euch die Welt an.“ Er tat dies unter anderem in Griechenland, der Schweiz, Mallorca, Deutschland, Chile und Peru oder den US-Staaten Oregon und Kalifornien, wo er 20 verschiedene Anstellungen fand. Nach Berlin verschlug es ihn ebenfalls – dort lernte er seine Freundin kennen, mit der er jetzt mit einer längeren Oldtimer-Bustour das Abenteuer ausklingen lässt und den „Einstieg ins Leben wiederzufinden“ gedenkt.

Wandergesellen begleiteten ihn die letzten Kilometer nach Hause.
Wandergesellen begleiteten ihn die letzten Kilometer nach Hause.
- Lisa Immler Photography

Auf die Walz darf nur gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos, schuldenfrei und unter 30 Jahren ist. Ein goldener Ohrring (als Notgroschen) ist auf dieser Wanderschaft obligatorisch. Zu Fuß, per Autostopp oder notfalls mit Öffis ist man unterwegs. Auch das Handy hat zu Hause zu bleiben.

„Er ist mit nichts fort und mit nichts gekommen. So ist das auf der Walz“, erklärt Vater Franz Triendl. Die Familie hat Pius in vier Jahren dreimal gesehen und freue sich nun von Herzen, ihn wieder daheim zu wissen.

Ein großes Hallo bei Familie, Freunden und Bekannten.
Ein großes Hallo bei Familie, Freunden und Bekannten.
- Lisa Immler Photography