Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Bezirk Kufstein

ISK Tirol: „Eine ,Null-Bock-Mentalität‘ gibt es hier nicht“

Nach dem ersten Maturajahr winkt ISK-Tirol-Direktor Herbert Madl die Pension. Fazit des Pädagogen: Persönlichkeitsbildung gehört auf den Lehrplan.

Die ersten Absolventen der ISK Tirol feierten am Freitag ihre erfolgreiche Reifeprüfung.

© ISK TirolDie ersten Absolventen der ISK Tirol feierten am Freitag ihre erfolgreiche Reifeprüfung.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Das Kind ist groß geworden und hat laufen gelernt, meint Herbert Madl. Der Direktor der International School Kufstein Tirol bezieht sich dabei aber nicht nur auf die 14 Absolventen, die vergangenen Freitagabend ihr Maturazeugnis feierlich überreicht bekamen. Die Jugendlichen sind die ersten, die ihre Ausbildung am privaten katholischen Oberstufengymnasium in Kufstein erfolgreich beenden. Und für Madl die letzten, die er auf dem Weg dorthin begleiten durfte. Denn der „Motor“ des Projekts ISK verabschiedet sich in die Pension. Die Leitung übernimmt ab Herbst die Innsbruckerin Claudia Atzl.

Elf Jahre lang arbeitete Madl mit zahlreichen Unterstützern daran, die in der Region nicht unumstrittene Vision eines „Haus des Lernens“ umzusetzen. „Die heutige Generation will Werte vermittelt bekommen, die sie leben können, sich dabei aber auch kritisch einbringen“, ist der ehemalige Lehrer des BRG/BG Kufstein überzeugt. Bildungseinrichtung und Lehrer sollten die Selbstständigkeit und freie Entfaltung der Schüler fördern. „Das ,tun lassen‘ muss in den Schulalltag eingebunden werden“, fordert Madl, selbst Vater einer erwachsenen Tochter.

Persönlichkeitsbildung habe heute mehr Bedeutung denn je. Selbstreflexion und ein gesellschaftliches Miteinander finden sich neben den bekannten Fächern im Lehrplan wieder. Dazu müssen die Schüler auch Projekte im gemeinnützigen Bereich umsetzen (z. B. Benefizveranstaltungen) und können zudem ein international anerkanntes Diplom erwerben. Der Unterricht verläuft großteils auf Englisch – und dann gilt es für die 14- bis 18-Jährigen noch, die Hürden des Erwachsenwerdens zu meistern. Tendiert die Heraus- hier schon zur Überforderung? Nein, ist sich Madl sicher. „Keiner hier sagt ,Ich mag nicht‘. Es gibt keine ,Null-Bock-Mentalität‘. Man muss hier schon wollen, ein Ziel haben – dann ermöglichen wir aber auch alles.“

Für ISK-Direktor Herbert Madl war es die letzte Zeugnisverteilung – er verabschiedet sich im Sommer in die Pension.
Für ISK-Direktor Herbert Madl war es die letzte Zeugnisverteilung – er verabschiedet sich im Sommer in die Pension.
- Hrdina

Die infrastrukturellen Voraussetzungen dazu scheinen an der Privatschule gegeben, die Ausstattung in den naturwissenschaftlichen Räumen ließe wohl so manchen Wissenschafter vor Neid erblassen. 16 Lehrer kümmern sich um 115 Schüler – das ermögliche eine individuelle Betreuung. Monatlich legen die Eltern dafür bis zu 590 Euro hin, wobei es auch Stipendien gibt.

Gegen das Image einer „Eliteschule“ wehrt sich Madl. Man sei für alle offen. Und kämpft auch mit denselben Problemen, wie sich herausstellt, wenn man etwas nachhakt. Mobbingvorfälle habe es auch an der ISK gegeben. „Solche Themen muss man sofort ansprechen und mit den Schülern aufarbeiten“, plädiert der Pädagoge.

Lebenslang lernen sei ein wichtiges Prinzip. Dem folge der angehende Pensionist auch privat. Der 64-Jährige wolle nun lernen, „sich Zeit nehmen zu können. Lesen, vielleicht ein Musikinstrument spielen.“ Den strengen Blick auf die moderne Pädagogik wolle er jedenfalls nicht verlieren.