Letztes Update am Mi, 10.07.2019 16:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweiz

Fast alle Klima-Aktivisten in Zürich und Basel wieder frei

Unter den 83 festgenommenen Aktivisten waren drei Österreicher, auch sie wurden am Mittwoch entlassen. Der Protest richtete sich gegen die Finanzierung klimaschädlicher Aktivitäten weltweit durch Schweizer Großbanken.

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© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Zürich/Basel – Die meisten der insgesamt 83 festgenommenen Klimaaktivisten, die am Montag in Zürich und Basel Eingänge von Credit Suisse und UBS blockiert haben, sind freigekommen. Unter ihnen sind auch die drei betroffenen Greenpeace-Aktivisten aus Österreich, wie die NGO am Mittwochnachmittag der APA bestätigte. Zwei Personen bleiben in Zürich in Untersuchungshaft.

Die Klimaaktivisten hatten am Montag die Eingänge zur Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz besetzt und in Basel die Eingänge zu einem UBS-Bürogebäude beim Aeschenplatz. Die Polizei griff ein und nahm in Zürich 64 Personen vorläufig fest - 61 Erwachsene und drei Jugendliche. In Basel wurden 19 Aktivistinnen und Aktivisten festgenommen. Erste Tatverdächtige wurden am Dienstagabend wieder frei gelassen, die übrigen sollen nach weiteren Einvernahmen im Laufe des Mittwochs entlassen werden.

Verdunkelungs- und Fluchtgefahr

Die Schweizer Strafprozessordnung schreibt die Freilassung von Beschuldigten nach spätestens 48 Stunden vor, sofern nicht Antrag auf Untersuchungshaft gestellt wird - was die Staatsanwaltschaft für zwei Personen beim Zwangsmaßnahmengericht getan hat. Beide bleiben in Haft. Bei ihnen besteht laut der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft nebst dringendem Tatverdacht auch Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.

Die Proteste der Aktion richteten sich gegen die Finanzierung klimaschädlicher Aktivitäten weltweit durch Schweizer Großbanken. Auch kapitalismuskritische Parolen waren zu sehen. Namentlich forderte die Aktivisten-Gruppe vom Schweizer Finanzplatz den sofortigen Ausstieg aus der Finanzierung von Kohle-, Öl- und Gasförderung.

Greenpeace kritisiert Vorgehen der Polizei

Das Vorgehen der Behörden wurde von Greenpeace am Mittwoch scharf kritisiert. Von den rund 70 Aktivisten waren 26 Beteiligte von der Umweltschutzorganisation. „Friedliche Klimaaktivisten können nicht wie Kriminelle behandelt werden, während die eigentlich Schuldigen weiterhin mit Samthandschuhen angefasst werden“, so Adam Pawloff, Klimaexperte bei Greenpeace in Österreich. Großbanken und die Finanzindustrie müssten vielmehr zeigen, wie sie ihre Finanzströme und -dienstleistungen mit dem 1,5-Grad-Ziel in Einklang bringen werden und daher ihre Investitionen im Bereich der fossilen Brennstoffe einstellen.

Trotz der Klimakrise finanzieren die Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS weiterhin Unternehmen, die fossile Brennstoffe gewinnen. Allein 2017 finanzierten diese beiden Banken Emissionen im Ausmaß von 93,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten - doppelt so viel wie die gesamte Schweiz in einem Jahr ausstoße, kritisierte die Umweltorganisation. Damit tragen die Banken auch Verantwortung für die Klimakrise, ist die NGO überzeugt.

Auch die Schüler von der Klimastreikbewegung solidarisierten sich am Mittwoch mit den Aktivisten. „Für uns ist jeder Protest gegen Klimazerstörer wie die Credit Suisse und die UBS berechtigt, schrieben sie im Tagesanzeiger. (APA/sda)