Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Bezirk Kitzbühel

Besuch am “Schwentlinghof“: Tierwohl, von Geburt bis Schlachtung

Besuch am Schwentlinghof in St. Johann (v. l.) Bezirksobmann ÖR Josef Heim, Bezirksstellenleiter Johann Bachler, Vizepräsidentin Helga Brunschmid, Familie Rass, LK-Präsident Josef Hechenberger.

© WörgötterBesuch am Schwentlinghof in St. Johann (v. l.) Bezirksobmann ÖR Josef Heim, Bezirksstellenleiter Johann Bachler, Vizepräsidentin Helga Brunschmid, Familie Rass, LK-Präsident Josef Hechenberger.



Im Rahmen der alljährlichen Bezirksrunde der Spitzenvertreter der Landwirtschaftskammer Tirol werden heuer Betriebe besucht, die sich intensiv mit „Tierwohl" auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist die Familie Rass in St. Johann.

Am „Schwentlinghof" im Naherholungsgebiet Hinterkaiser treffen Mutterkuhhaltung und Naturliebhaber unweigerlich aufeinander. Betriebsführer Johannes Rass ist um ein gedeihliches Miteinander bemüht. So hat er unter anderem am Wander- und Radweg, der direkt am Hof vorbeiführt, eine eigene Konstruktion gebaut, um seinen Angusrindern den uneingeschränkten Zugang vom Hof zur Weide und umgekehrt zu ermöglichen. „Für mich geht Tierwohl weit über die Haltung hinaus, im eigenen Interesse erfordert es den täglichen Kontakt, regelmäßigen Auslauf, Weidegang, gute Futterqualität, Klauenpflege und vieles mehr. Tierwohl beginnt bei der Geburt und hört bei der stressfreien Schlachtung auf", sagt Rass.

Eine verstärkte Nachfrage nach mobilen Schlachtmöglichkeiten und damit eine Vermeidung von Lebendtransporten gibt es auch bei der Bezirksstelle Kitzbühel, wie deren Leiter Johann Bachler bestätigt.

Für LK-Präsident Josef Hechenberger, selbst Bauer in Reith im Alpachtal, geht Tierwohl über das Bauliche hinaus. „Unsere kleinstrukturierte Berglandwirtschaft erlaubt es nicht jeder Familie, wie von den Handelsketten gefordert einen Laufstall zu bauen. Unseren Tiroler Kühen geht es mit der Kombihaltung (Anbindestall mit Auslauf/Weide- oder Almgang) sehr gut. Für die Berglandwirtschaft müssen andere Standards gelten als wie im Osten Österreichs."

Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Helga Brunschmid ergänzt: „Einen landwirtschaftlichen Betrieb kann ich nicht von heute auf morgen umstellen, Investitionen werden in Generationen gedacht. Anders als die Großbetriebe in Holland müssen wir unter erschwerten Bedingungen produzieren. Das hat man dem Handel klarmachen können, jetzt wird gemeinsam an möglichen Weiterentwicklungen für das Berggebiet gearbeitet." (rw)