Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Bezirk Kufstein

Auf Umwegen zum Schulschwimmen von Wörgl nach Kundl

Wörgler Schulen nehmen für den Schwimmbadbesuch die Bahnfahrt nach Kundl auf sich, obwohl in der Stadt ein modernes Bad steht. Grund ist der eklatante Preisunterschied von bis zu fünf Euro pro Schüler.

Im Unterricht im Schwimmbad unterzutauchen, macht Schülern Spaß. Immer öfter fahren dazu Wörgler nach Kundl.

© iStockIm Unterricht im Schwimmbad unterzutauchen, macht Schülern Spaß. Immer öfter fahren dazu Wörgler nach Kundl.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Mit dem Zug nach Kundl und dort ins Freibad. So schaut derzeit die Alternative für Wörgler Volksschüler für den Schwimmunterricht in der warmen Jahreszeit aus, wie der Leiter der Volksschule 1 Reinhard Angerer erklärt. Dabei liegt das Wave viel näher. Noch dazu ist es über die Stadtwerke de facto im Besitz der Stadt Wörgl. Es liegt also auf der Hand, dass es Wörgler Schulen eigentlich nutzen. Nur sei das Erlebnisbad für Schulklassen einfach zu teuer, wie Angerer weiter anführt. Daher habe sich heuer bereits eine Klasse das Kundler Freibad für den Schwimmtag ausgesucht. Und es überlegen noch mehr Pädagoginnen und Pädagogen, mit ihren Schülern künftig statt Richtung Wave zum Bahnhof aufzubrechen.

Ein Blick auf die Eintrittspreise zeigt, warum Kundl der Vorzug gegeben wird. Im Wave kostet der Eintritt für Schüler sechs bis sieben Euro (Dauer zwischen einer und maximal drei Stunden). Pro weiterer angefangener halben Stunde kommt noch einmal ein Euro dazu. Für Schüler bis 19 Jahre kostet die teuerste Karte acht Euro. In Kundl sind zwei Euro zu berappen. Das war’s, die Zeit ist nicht limitiert.

Auch in der Sporthauptschule soll es Wave-Abwanderungstendenzen geben, wie es bei der jüngsten Wörgler Gemeinderatssitzung hieß, als das Thema von FPÖ-Gemeinderat Peter Haaser angefragt wurde (eine Bestätigung seitens der Schule war gestern nicht erhältlich). Die Wortmeldung löste Verwunderung bei den Mandataren aus. Es sei auch nicht im Interesse der Stadt, dass Wörgler Schüler nicht ins Wave gehen, meinte BM Hedi Wechner.

Auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung erklärte sie nach der Sitzung per E-Mail: „Grundsätzlich bleibt es den Schulen überlassen, in welchem Schwimmbad sie den Schwimmunterricht für die Schülerinnen und Schüler durchführen. Für mich ist es allerdings etwas irritierend, dass die Wörgler Schulen tatsächlich nach Kundl ausweichen, mit dem Hinweis, dass es dort billiger ist. Und das trotz zusätzlicher Bahnfahrt.“ Sie werde daher „mit den Verantwortlichen des Wave und den Schulleitern das Gespräch suchen, um in dieser Angelegenheit eine für alle befriedigende Lösung herbeizuführen“, verspricht Bürgermeisterin Wechner weiter. Wave-Geschäftsführer Andreas Ramsauer verweist darauf, dass der Tarif ohnedies nicht kostendeckend sei. Man dürfe nicht vergessen, dass „wir keinen Euro Zuschuss von der Stadt für den Betrieb bekommen“, sagt er zur TT. Das Sportbecken, das für den Schulsport genutzt wird, sei zudem schwer defizitär und müsse im Gesamtbetrieb aufgefangen werden. „Und man darf natürlich das Kundler Freibad und dessen Abgang nicht mit dem Angebot im Wave vergleichen“, sagt Ramsauer weiter.

Was ihn verwundere, sei, dass weder die FPÖ noch die Schulen das Gespräch mit ihm gesucht haben. Sollte die Stadt einen anderen Tarif wollen, müsse sie diesen stützen. „Ich habe im Keller keine Gelddruckmaschine stehen“, so Ramsauer.