Letztes Update am Mo, 15.07.2019 10:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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50 Jahre Mondlandung: Neue Schritte in die herrliche Trostlosigkeit

Vor 50 Jahren begann das größte Weltraum-Abenteuer der Menschheit. Die Mondlandung beflügelte die Technologie und eine ganze Generation.

Buzz Aldrin, quittierte die Begeisterung seines Kollegen („Herrliche Sicht hier“) mit einem nicht ganz so bekannten Ausspruch: „Herrliche Trostlosigkeit.“

© dpaBuzz Aldrin, quittierte die Begeisterung seines Kollegen („Herrliche Sicht hier“) mit einem nicht ganz so bekannten Ausspruch: „Herrliche Trostlosigkeit.“



Von Matthias Christler

Innsbruck – Ein Blick hinauf in das graue Antlitz des Mondes lädt immer zum Träumen ein, zum Nachdenken über die Zukunft und die Vergangenheit. Zuerst der Blick zurück: Was wäre, wenn am 16. Juli 1969, morgen vor 50 Jahren, die bisher größte je von Menschen gebaute Rakete nicht in den Himmel gestartet wäre? Wenn fünf Tage später Neil Armstrong nicht den berühmten Satz von seinem kleinen Schritt und dem großen Sprung für die Menschheit gesagt hätte? Die Welt heute wäre ein andere.

Global gesehen hätte der Kalte Krieg, der den Wettlauf zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion in Gang gesetzt hatte, einen anderen Ausgang nehmen können.

Technologisch betrieb die Apollo-11-Mission Grundlagen-Forschung, etwa für den Mikrochip. Zum ersten Mal wurden integrierte Schaltkreise eingesetzt, etwas, ohne das Smartphones undenkbar wären. Wie viel sich seit damals getan hat, zeigt der Speicher des Computers, mit dem die Astronauten zum Mond flogen. Der hatte ein Fassungsvermögen von 73 Kilobyte, jedes Handy-Foto benötigt ein Vielfaches davon.

Und viele persönliche Geschichten erfuhren in den Tagen zwischen dem 16. und 21. Juli 1969 einen entscheidenden Impuls. Weil derzeit beruflich kein Tiroler näher am Mond dran ist als der gebürtige Ellmauer Josef Aschbacher, steht er stellvertretend für viele, die von der Mondlandung beeinflusst wurden. Er leitet inzwischen mit dem Erdbeobachtungsprogramm die finanzstärkste Abteilung der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Am Rande einer Veranstaltung in Innsbruck erzählte er Ende 2018 der TT, wie er mit seiner Familie am Bergbauernhof das Ereignis verfolgt hatte: „Ich war sieben Jahre alt und es liefen grauflimmernde Bilder über den Fernseher. Man sah nicht viel, aber es hat mich fasziniert, dass es möglich ist, dort zu landen. Und es hat mich inspiriert, das machen zu wollen, was ich jetzt mache.

Poetische Zitate

Zu den entscheidenden Momenten im Weltraum haben die poetischen Zitate von Armstrong perfekt gepasst. Bei der Landung sagte er zur Mission Control: „Der Adler ist gelandet.“ Und Stunden später, als er die Mondoberfläche betrat, folgte eines der berühmtesten Zitate, das je ein Mensch gesprochen hat. „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“ Der zweite Mann am Mond, Buzz Aldrin, quittierte die Begeisterung seines Kollegen („Herrliche Sicht hier“) mit einem nicht ganz so bekannten Ausspruch: „Herrliche Trostlosigkeit.“

Weitere zehn US-Amerikaner setzten in späteren Missionen ihren Fuß auf den Erdtrabanten, zum bisher letzten Mal 1972. Danach wurde es ruhiger, die einst verfeindeten Nationen schlossen sich zusammen und forschen bis heute gemeinsam auf der Internationalen Raumstation ISS. Staatliche und private Organisationen (darunter Elon Musks SpaceX) haben allerdings bereits den Mars ins Visier genommen. Und trotzdem gewinnt der Mond seit Kurzem wieder an Anziehungskraft.

Rennen zum Mond beginnt erneut

Im Jänner ließ China erstmals eine Sonde auf der erdabgewandten Seite landen. Der Blick in die Zukunft sieht zwei alte Konkurrenten erneut im Wettstreit. Russland will in den kommenden zwölf Jahren einen Kosmonauten auf den Mond bringen. Und die USA machen mit dem Artemis-Programm ernst. Schon 2024 sollen Astronauten an die Stätte des größten NASA-Erfolges zurückkehren. Als Herzstück der neuen Missionen ist die Raumstation „Gateway“ geplant, die eine Art Zwischenstation werden soll – für „Ausflüge“ zum Mond und zur Erprobung neuer Technologien für Flüge zum Mars.

Ausgerechnet Buzz Aldrin hält wenig von den Mond-Plänen. Mehrmals hat er den Sinn infrage gestellt, weil es nur eine begrenzte Menge an Ressourcen gebe. „Wenn wir wieder zum Mond aufbrächen, wären wir nicht mehr die Ersten. Wieso sollte man mit jemandem von damals konkurrieren?“, meinte er 2014. Die nächsten Menschen am Mond wären dann jedoch die Ersten einer neuen Generation – und die Wegbereiter für einen noch viel weiteren Sprung. Den zum Mars.

Michael Collins, Neil Armstrong und Buzz Aldrin (v. l.) auf einem der letzten gemeinsamen Fotos, aufgenommen im Jahr 1999.
Michael Collins, Neil Armstrong und Buzz Aldrin (v. l.) auf einem der letzten gemeinsamen Fotos, aufgenommen im Jahr 1999.
- AFP

Drei Männer und der Mond

Der bescheidene Erste: Neil Armstrong kennt heute noch jeder. Schon mit 16 machte er den Pilotenschein, er studierte Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften und flog für die Marine. 1962 kam er zur NASA. Nach dem Kommando bei der Mondlandung beendete Armstrong seine Astronautenkarriere und zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Interviews gab er nur sehr selten, sogar Autogramme verweigerte er oft — nachdem er erfahren hatte, wie viel Geld einige Menschen mit deren Verkauf machten. Im August 2012 starb Armstrong mit 82 Jahren an den Folgen einer Herzoperation.

Der ewige Zweite: Edwin „Buzz" Aldrin kam nach der Air Force 1963 zur NASA. Leicht war für ihn die Rückkehr als „Zweiter" am Mond nicht, er wurde depressiv und alkoholsüchtig. Inzwischen hat er sich dem öffentlichen Kampf dagegen verschrieben. Der 89-Jährige tritt regelmäßig auf, wie zuletzt vor einer Woche bei der Eröffnung einer Apollo-11-Liveshow in Pasadena (Bild links).

Der vergessene Dritte: Es gab wohl keinen undankbareren Job als den von Michael Collins. Der heute 88-Jährige umkreiste den Mond, während Armstrong und Aldrin Geschichte schrieben. „Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert", sagte er.