Letztes Update am Mo, 15.07.2019 07:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


50 Jahre

Hugo Portisch zu Mondlandung: „Durchbruch der Menschheit“

Hugo Portisch und Peter Nidetzky erinnern sich an ihre Live-Sendung zur Mondlandung, an das lange Warten und an einen Streich.

Heiter blicken Peter Nidetzky (l.) und Hugo Portisch auf die 28 Stunden lange Sendung zurück.

© APAHeiter blicken Peter Nidetzky (l.) und Hugo Portisch auf die 28 Stunden lange Sendung zurück.



Wien – Der entscheidende Moment ließ auf sich warten und heute wissen die ORF-Moderatoren Peter Nidetzky und Hugo Portisch, warum sie 28 Stunden und 18 Minuten auf Sendung waren. Schuld seien die Amerikaner gewesen, die zwar einen Flugplan hatten, „aber Millionen Menschen sind vor den Fernsehgeräten gesessen und haben nichts gesehen, weil die (die Astronauten, Anm.) sind nicht ausgestiegen“, so Nidetzky.

Die Mondlandefähre setzte kurz nach 21 Uhr österreichischer Zeit am Mond auf, aber erst um kurz vor 4 Uhr Früh des nächsten Tages betrat Armstrong den Mond. „Erst viel später ist man draufgekommen, dass die Astronauten in der Primetime des US-Fernsehens aussteigen sollten. Aber wir haben dadurch wieder sechs, sieben Stunden verloren, in denen wir nicht gewusst haben, was wir machen sollen.“

Portisch (u.) überbrückte die Warterei souverän.
Portisch (u.) überbrückte die Warterei souverän.
- ORF

Portisch als Sicherheitsfaktor

Da sei dann Portisch als Chefkommentator des ORF ins Spiel gekommen: „Du warst unser Sicherheitsfaktor. Wenn wir nicht mehr weiterwussten – und das war oft der Fall –, warst du mit außenpolitischen Situationsgeschichten der Retter in der Not“, erinnert sich Nidetzky bei einem Gespräch 50 Jahre danach.

Seine Aufgabe sei aber nicht nur die außenpolitische Einordnung der Apollo-Mission gewesen, sondern auch die technische Bedeutung, betonte Portisch. „Was haben wir davon, dass wir da oben sind?“, sei die Hauptfrage in der Öffentlichkeit gewesen. „Wir haben besonders gespürt, dass das ein gewaltiger technischer Durchbruch ist und Menschen zum ersten Mal die Erdatmosphäre verlassen haben. Denn wir waren ja noch eine Generation, die das in Zukunftsromanen von Jules Verne und Hans Dominik gelesen hat. Das ist eine erfüllte Vorstellung geworden.“

Gröbere Pannen habe es in der Marathon-Sendung keine gegeben – aber einen Streich. Das große Raketen-Modell, mit dem Experte Herbert Pichler demonstrieren wollte, wie sich die drei Stufen der Rakete nach dem Start trennen, wurde vor Sendungsbeginn zusammengeklebt – und Pichler mühte sich vor laufender Kamera vergeblich, die Teile auseinanderzuziehen. Die Moderatoren konnten sich gerade noch zurückhalten mit dem Lachen.

Die Professionalität wurde ansonsten 28 Stunden durchgehalten. Für Portisch, der in seiner journalistischen Karriere viele weltpolitisch bedeutsame Ereignisse miterlebt hat, eine Ehrensache, ragt dieses eine doch heraus. „Die Mondlandung war eine Menschheitsgeschichte-Berichterstattung. Das war ein Durchbruch der Menschheit, nicht ein geglücktes amerikanisches Experiment“, sagt er.

Echt oder Fake? Alles nur im Studio gedreht

50 Jahre nach der Mondlandung bezweifeln immer noch manche, dass Menschen auf dem Erdtrabanten waren. Sie glauben, die Aufnahmen seien im Studio entstanden. Die wichtigsten Behauptungen im Check.

Die Flagge: Da auf dem Mond kein Wind bläst, dürfe die Fahne nicht wehen, monieren Kritiker. Allerdings: Die Bewegungen des Stoffes stammen von keiner Brise, sondern von Erschütterungen des Mastes beim Einstecken oder Ausrichten, wie Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt betont. Da der Mond keine Atmosphäre hat, wird das Wackeln des Stoffes kaum gebremst.

Die Fußabdrücke: Viele Bilder zeigen Spuren der Raumfahrer im Mondstaub. Wie kann der knochentrockene Staub die Form halten, fragen Kritiker. Urs Mall vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erklärt die gute Bindung vor allem mit der Konsistenz des extrem feinen Mondstaubs. Dessen Bausteine seien nie durch Wind oder Wasser abgeschliffen worden, kantig geblieben und hafteten daher gut aneinander.

Die Sterne: Auf den Bildern der Astronauten sind am Himmel keine Sterne zu sehen. Die Astronauten betraten den Erdtrabanten tagsüber – ein Mondtag dauert zwei Wochen. Auf den Bildern ist der Kontrast zwischen der grellen Mondoberfläche und dem dunklen Himmel viel zu stark, als dass lichtschwache Pünktchen am Firmament sichtbar wären.

Der Schatten: Dass Schatten auf den Bildern in verschiedene Richtungen verlaufen oder gestaucht sind, führen Kritiker auf verschiedene Lichtquellen zurück. Grund dafür sind laut Mall vor allem Unebenheiten der Mondoberfläche. Dadurch können Schatten länger, kürzer oder verzerrt erscheinen.

Zudem, so Jaumann und Mall, hätten Tausende Mitarbeiter an den sechs Missionen mitgewirkt. „Fälschungen über Jahrzehnte geheim zu halten, halte ich für sehr schwierig“, sagt Mall. (TT, dpa)

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Juli 1969 — Das Tagebuch der Mondreise

Start. Tausende Zuschauer jubeln am 16. Juli 1969 um 9.32 Uhr Ortszeit rund um Cape Canaveral in Florida, als die Saturn-5-Rakete abhebt. Ein Bilderbuch-Start für die Mission „Apollo 11". Doch bis zum Mond ist es noch ein weiter Weg:

16. Juli. Die Crew kümmert sich nach dem Start um kleinere Projekte („Wie ging das noch mal mit dem Zoom von der Kamera?"). Mit der letzten Zündstufe schießt die Saturn V das Raumschiff in Richtung Mond. Damit es nicht einseitig von der Sonne erhitzt wird, dreht es sich wie ein Grillhuhn um die eigene Achse — die NASA spricht von „Barbecue technique".

17./18. Juli. Gut gelaunt, so klingt es im Funkverkehr, bereiten die drei Astronauten die Annäherung an den Mond vor. Nennenswerte Probleme gibt es nicht, die Crew kann bis zu zehn Stunden pro Nacht schlafen.

19. Juli. Das Raumschiff „Columbia" mit der Landesonde „Eagle" fliegt aus dem Bereich der Anziehungskraft der Erde in jenen, in dem die Anziehungskraft des Mondes auf sie einwirkt. Hinter dem Mond schwenkt das Raumschiff in die Umlaufbahn ein.

20. Juli: Im Landeanflug gibt der Bordcomputer Alarm — Houston gibt nach fieberhaften Beratungen Anweisung, die Warnung zu ignorieren. Der Autopilot fliegt auf einen Platz voller Geröll zu, Armstrong korrigiert den Kurs und steuert einen ebenen Landeplatz an. Um 15.17 Uhr Ortszeit empfängt die NASA die ersten Worte eines Menschen von der Oberfläche eines fremden Himmelskörpers: „Maschinen aus. Houston, hier ist Tranquility Base. Der Adler ist gelandet."

20. Juli/21. Juli: Sechseinhalb Stunden nach der Landung auf dem Mond und fast 110 Stunden nach dem Abflug von der Erde öffnet Armstrong die Luke der „Eagle" und bewegt sich um mit dem berühmten „kleinen Schritt" von der letzten Stufe der Leiter. In den USA läuft es im Hauptabendprogramm, in Österreich ist der 21. Juli angebrochen, der Schritt erfolgt um genau 3.56 Uhr.

21. bis 24. Juli. 22 Stunden nach ihrer Landung zünden Armstrong und Aldrin die Aufstiegsstufe der „Eagle", verlassen den Mond und kehren zur „Columbia" zurück. Fast zehn Stunden später fliegen sie zur Erde weiter. Am 24. Juli dringen die Astronauten wieder in die Erdatmosphäre ein und landen im Pazifik.