Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Osttirol

Barrierefreiheit und Platz für Besucher im Kinderdorf Osttirol

Im SOS-Kinderdorf Osttirol entstehen zwei neue, barrierefreie Häuser, die auch Kleinwohnungen für besuchende Eltern bieten.

Spatenstich für das neue Kinderhaus in Nußdorf-Debant: BM Andreas Pfurner, Kinderdorfleiter Guido Fuß sowie Georg Theurl und Thomas Steinlechner vom Bauträger OSG (v. l.). Im Hintergrund das bestehende Dorf.

© OblasserSpatenstich für das neue Kinderhaus in Nußdorf-Debant: BM Andreas Pfurner, Kinderdorfleiter Guido Fuß sowie Georg Theurl und Thomas Steinlechner vom Bauträger OSG (v. l.). Im Hintergrund das bestehende Dorf.



Von Catharina Oblasser

Nußdorf-Debant – Ein Kinder- und ein Jugendhaus mit jeweils 420 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf zwei Geschoße, entstehen gerade auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfs in Nußdorf-Debant. Das Jugendhaus ist schon im Bau, für das Kinderhaus fand am Dienstag der Spatenstich statt. Der Nußdorf-Debanter Bürgermeister Andreas Pfurner, Kinderdorf­leiter Guido Fuß sowie Georg Theurl und Thomas Steinlechner vom Bauträger OSG hatten dafür die Schaufeln in die Hand genommen.

„Beide neuen Häuser werden völlig barrierefrei errichtet“, erklärt Guido Fuß. Nicht nur, weil ein neues Gesetz das vorschreibt. „Bisher konnten wir keine Kinder oder Jugendlichen mit Behinderung bei uns aufnehmen. Die Räumlichkeiten waren dafür nicht geeignet“, führt Fuß weiter aus. Entsprechende Anfragen habe es aber immer wieder gegeben.

Jedes Haus bietet Platz für neun Kinder bzw. Jugendliche, hat breite, rollstuhlgerechte Gänge, große Badezimmer, Lifte und ein eigenes Zimmer für jeden Bewohner, zusätzlich gibt es einen Krisenraum für Notfälle. Und nicht nur das: Eine kleine Garçonnière steht besuchenden Eltern zum Übernachten zur Verfügung. „Die Einbindung der Herkunftsfamilie unserer Kinder ist sehr wichtig“, nennt Fuß die pädagogischen Gründe. „In manchen Fällen ist vorgesehen, dass die Kinder nach einer bestimmten Zeit wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Umso wichtiger ist es, dass der Kontakt aufrechtbleibt.“

Mehr Platz ist im Osttiroler Kinderdorf durchaus gefragt. Vor 20 Jahren wohnten 34 Kinder und Jugendliche dort, heute sind es über 60, im Alter zwischen einem und 19 Jahren. Nußdorf-Debant, das zweitälteste Kinderdorf der Welt, hat eine Besonderheit: Seit 2011 leben die Kinderdorf-Familien nicht in einer separaten Anlage, sondern in Wohnbauten gemeinsam mit Mietern von außerhalb. Dieses Modell habe sich bewährt, meint Bürgermeister Andreas Pfurner. „Das Zusammenspiel zwischen Kinderdorf und den Einrichtungen der Gemeinde, wie Kindergarten und Volksschule, ist ausgezeichnet.“

Die Kosten für die beiden Neubauten betragen 2,8 Millionen Euro, die Kinderdorf-Leitung hofft auf Förderungen. Im Sommer 2020 sollen Kinder- und Jugendhaus bezugsfertig sein.

Auch in Imst und Absam baut die Institution neue Häuser. „In Absam entsteht ein Haus, das noch heuer fertig sein soll“, berichtet Sprecher Viktor Tragen. „In Imst sollen die Bauarbeiten 2020 abgeschlossen sein.“