Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Bezirk Reutte

Ehrwalder Almbahn lädt ein zur “Fehlersuche“ bei Verhalten mit Kühen

Neue Hinweistafeln warnen Wanderer davor, sich Rindern auf Almen zu nähern. Viele nehmen die Mahnungen nicht ernst, wie eine Detailaufnahme aus der Webcam der Ehrwalder Almbahn zeigt.

Eine Rinderherde und Wanderer auf der Ehrwalder Alm vereint. In diesem Fall ging die Streichel- und Selfieattacke gut aus.

© Ehrwalder Alm BahnEine Rinderherde und Wanderer auf der Ehrwalder Alm vereint. In diesem Fall ging die Streichel- und Selfieattacke gut aus.



Von Helmut Mittermayr

Ehrwald – Auf originelle Art und Weise reagierte die Ehrwalder Almbahn auf eine Begebenheit, die ihre 360-Grad-Webcam vor wenigen Tagen festgehalten hat. „Findet den Fehler!“, heißt es auf der Face­booksite des Unternehmens. Wer sich auf die Such­e macht, entdeckt auf dem Bildausschnitt eine Kuhherde – und mittendrin eine Gruppe von Wanderern, die die Tiere zu streicheln scheinen. Daneben steht eine Gruppe von Jungtieren, im Hintergrund ist auf einem Fußweg nicht weit entfernt ein Wandererduo mit Hund unterwegs. Also eine Gemengelage, bei der alles dafür angerichtet scheint, dass dieser Kontakt Mensch/Tier zu Problemen führen könnte. Die Ehrwalder Almbahn hat in ihrem Posting auch gleich ein Youtube-Filmchen angehängt, in dem zehn Regeln im Umgang mit Weidevieh zu sehen sind. Viehherden sind kein Streichelzoo, heißt es da etwa. Bahnenchef Franz Dengg jun. zur Tiroler Tageszeitung: „Bitte bleibt auf den Wegen. Das sind keine Kuscheltiere!“

In den dem Posting angefügten Facebook-Kommentaren kommt die „Streichlergruppe“ dann wenig gut weg. „Mit Pamplona verwechselt“, „Gattung blöde Kuh“ für die Zweibeiner, „Ochsen und Kühe“ am Bild oder „Wanderer, die im Futter der Kühe herumsteigen“ ist zu lesen.

Für den Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer Reutte, Christian Angere­r, kein Einzelfall. „Leider ist das bei uns im Bezirk in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen, da braucht man gar nichts zu beschönigen. Gott sei Dank ist es bei uns ohne schwere Verletzungen abgegangen.“

Im Außerfern sind derzeit auf 152 Almen und Gemeinschaftsweiden 6200 Rinder, 340 Pferde, 2500 Schafe und 65 Ziegen aufgetrieben, dekliniert Angerer herunter. Vom Schaf-, Mutterkuh- und Jungrindbestand des Bezirkes seien 100 Prozent in die Höhe gebracht worden. Zwischen 400 und 500 Hirten und Almwirte sowie Mitarbeiter seien den Sommer über beschäftigt – vom Hüten bis zur Milchproduktverarbeitung.

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Angerer erinnert daran, dass in der Bezirkslandwirtschaftskammer kostenlos Tafeln bereitgestellt wurden und werden, um Wanderer vor den Gefahren zu warnen. Die meisten Almbewirtschafter hätten dieses Service gerne angenommen. Überhaupt würden Wanderer überall im Außerfern klar auf die Bedrohung hingewiesen. Dass ein gewisser Prozentsatz die Warnung in den Wind schlage, sei ein anderes Kapitel.

Der Breitenwanger warnt erneut eindringlich vor dem Bad in der „Menge“. Er meint damit die Rinderherde samt Urlaubserinnerungsfoto. Das Kuhselfie könne schnell das Letzte sein, was Urlauber getan haben, bevor sie eine Schramme ziert oder gar ihre Knochen brechen. Von Schlimmerem will der Kammerobmann gar nicht reden. Gerade wenn Mutterkühe und Hunde im Spiel seien, werde es eminent gefährlich.

Was Christian Angerer hingegen gefällt, ist der Umgang der Ehrwalder Almbahn mit der Thematik. Mit einem Augenzwinkern werde auf die Problematik hingewiesen. Dieses Weidegebiet wird übrigens mit Mutterkühen und Jungtieren von Ehrwalder und Mieminger Seite beschickt.