Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.07.2019


Osttirol

Prägraten ist jetzt vor Lawinen und Muren geschützt

In siebenjähriger Bauzeit hat die Wildbach- und Lawinenverbauung Schutzmaßnahmen gegen die gefürchtete Timmelbach-Lawine in Prägraten errichtet. Die letzten Arbeiten fanden nun ihren Abschluss.

Bauleiter Hanspeter Pussnig, Bürgermeister Anton Steiner, LHStv. Josef Geisler, WLV-Gebietsleiter Otto Unterweger und LtAbg. Martin Mayerl freuten sich mit dem Bautrupp über die Fertigstellung. Im Hintergrund: ein Teil der Stahlbauten im Anrissgebiet.

© Christoph BlassnigBauleiter Hanspeter Pussnig, Bürgermeister Anton Steiner, LHStv. Josef Geisler, WLV-Gebietsleiter Otto Unterweger und LtAbg. Martin Mayerl freuten sich mit dem Bautrupp über die Fertigstellung. Im Hintergrund: ein Teil der Stahlbauten im Anrissgebiet.



Von Christoph Blassnig

Prägraten a. G. – Am 21. Jänner des Jahres 1951 löste sich auf weit über 2000 Metern Seehöhe die gefürchtete Timmelbach-Lawine und donnerte ins Tal. Das halbe Dorf wurde verschüttet. Viele Häuser waren zerstört. Es gab Tote zu beklagen. „Dieses schreckliche Ereignis darf sich nicht wiederholen. Glücklicherweise blieben wir seither verschont“, sagte der Prägrater Bürgermeister Anton Steiner gestern, als er mit LHStv. Josef Geisler und Verantwortlichen aus der Wild- und Lawinenverbauung (WLV) die Bauabschlussfeier der Verbauung Timmelbach und Timmelbach-Lawine eröffnete.

Der höchste mit einem Fahrzeug erreichbare Punkt der Gemeinde Prägraten liegt nun auf 2207 Metern Seehöhe. Denn für die Installation der Verbauungsmaßnahmen musste ein Zufahrtsweg errichtet werden, der auch die Almen erschließt. Die Arbeiten begannen 2012 und fanden jetzt ihren Abschluss.

Hanspeter Pussnig von der Wildbach- und Lawinenverbauung zeichnete für die Planung des Projektes verantwortlich. „Wir haben einen besonders gefährlichen Bereich gegen eine Katastrophe, wie sie hier 1951 passiert ist, gesichert.“ Die Timmelbach-Lawine sei eine „schlafende“ Lawine, erklärte der Fachmann. „Das heißt, dass sie nur selten abgeht. Doch wenn sie sich löst, sind die Auswirkungen verheerend.“ Dass seit 70 Jahren kein Abgang mehr zu verzeichnen war, dürfe man nicht fehldeuten. „Eine Verbauung war unumgänglich.“

Der Bürgermeister erläuterte die Bedrohung für die Menschen im Tal: „88 Gebäude liegen im Gefährdungsbereich, 50 davon in der roten Zone.“ Eine „Bemessungslawine“ würde diese zerstören.

Das Projekt bestand nun nicht allein in der Lawinenverbauung, auch der Timmelbach barg großes Schadenpotenzial. „Wenn es zu einem Murgang gekommen wäre wie beim Firschnitzbach im Jahr 2012 in der Nachbargemeinde Virgen, wäre wiederum direkt das Wohngebiet betroffen gewesen“, legte Pussnig dar. Eine Maßnahmenkette soll künftig die Naturgewalten beherrschbar machen.

Vom höchsten Punkt der Gemeinde aus stieg der Bautrupp der Wildbach- und Lawinenverbauung täglich bis zur Baustelle auf. Im Anrissgebiet der Timmelbach-Lawine haben die Männer Sicherungsanlagen aus Stahl errichtet. Im Tal wurde oberhalb der Siedlung St. Andrä ein massiver Lawinenbrecher gebaut. Pussnig erläuterte das Zusammenspiel der Maßnahmen: „Oben verhindern wir, dass sich überhaupt eine Lawine löst. Geht sie von weiter unten ab, schnellt sie immer noch mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern talwärts. Der Lawinenbrecher reduziert das Tempo der Schneemassen auf 30 Kilometer pro Stunde. Zwei nachgelagerte Lawinendämme können dann 70.000 Kubikmeter Lawinenschnee ablagern.“

Die zuständige Bundesministerin Maria Patek vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus wurde von Otto Unterweger, dem WLV-Gebietsleiter für Osttirol, vertreten. Unterweger erklärte, dass die Timmelbachproblematik viele Jahre lang auf seiner To-do-Liste stand, bis man Hanspeter Pussnig mit der Umsetzung von Verbauungsmaßnahmen betraute. „Wir haben für geplante Baumaßnahmen im Gefährdungsbereich unzählige Gutachten erstellt. Etliche Vorhaben der Einwohner konnten wegen der Lawinengefahr nicht umgesetzt werden. Das ändert sich nun endlich.“

LHStv. Josef Geisler betonte die Notwendigkeit solcher Verbauungsmaßnahmen. „Ein Schutzprojekt wie dieses ist immer eine finanzielle Herausforderung. Die Wildbach- und Lawinenverbauung bietet nicht nur Arbeitsplätze, auch das Wissen bleibt in der Region.“ Tirol werde sich auch künftig für Infrastruktur- und Sicherungsmaßnahmen im Land starkmachen.

Die Kosten für das Schutzprojekt Timmelbach-Lawine betrugen 7,7 Mio. Euro. 90 Prozent davon teilen sich Bund und Land. Für die verbleibenden zehn Prozent erhielt die Gemeinde weitere Unterstützung des Landes, wie BM Anton Steiner mehrfach betonte.