Letztes Update am Fr, 19.07.2019 17:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Siamesische Zwillinge in Berlin zur Welt gekommen

In Deutschland sind Zwillinge zur Welt gekommen, die zusammegewachsen sind. Die Geburt per Kaiserschnitt sei gut verlaufen, berichtete das Krankenhaus.

Die Berliner Charité.

© APA/AFP/TOBIAS SCHWARZDie Berliner Charité.



Berlin – Nach mehr als 15 Jahren sind in Deutschland wieder siamesische Zwillinge geboren worden. Das zusammengewachsene Geschwisterpaar kam am Donnerstag in der Berliner Charité per Kaiserschnitt zur Welt, wie die Berliner Universitätsmedizin am Freitag bestätigte.

Der Eingriff sei gut verlaufen. „Aus Gründen der ärztlichen Schweigepflicht und des Persönlichkeitsschutzes erteilen wir derzeit aber keine weitergehenden Auskünfte“, hieß es von der Charité. Zuerst hatte der Ärztenachrichtendienst berichtet.

Als siamesische Zwillinge bezeichnet die Medizin eine Fehlentwicklung bei eineiigen Zwillingen, deren Körper teilweise miteinander verwachsen bleiben. Das passiert bereits in sehr frühen Entwicklungsstadien im Mutterleib. Einige Babys sind nur oberflächlich zusammengewachsen, andere teilen sich Organe oder Gliedmaßen. Ärzte versuchen häufig, zusammengewachsene Zwillinge operativ voneinander zu trennen. An welchen Stellen am Körper die Berliner Zwillinge zusammengewachsen sind, gab die Charité nicht bekannt.

Auch bei geteilten Organen erfolgreiche OPs möglich

In Deutschland war eine Operation zuletzt im September 2015 in Köln geglückt. Ein Team aus 20 Ärzten und Pflegern hatte in einer fünfstündigen Operation ein siamesisches Zwillingspaar aus Georgien getrennt. Es war an Brust und Bauch zusammengewachsen und hatte sich eine Leber geteilt. Alle anderen Organe der knapp ein halbes Jahr zuvor geborenen Mädchen Tamari und Tebrole waren nach Angaben der Klinik aber komplett.

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Im Wiener AKH wurden zuletzt im Oktober 2003 erfolgreich siamesische Zwillinge kurz nach ihrer Geburt getrennt. Melanie und Michaela waren an der Bauchdecke verwachsen; alle lebenswichtigen Organe waren aber getrennt.

Am Kopf zusammengewachsene Zwillinge starben

Allerdings nehmen die komplizierten Operationen nicht immer ein glückliches Ende. Im Juli 2003 sorgte die Trennung der beiden bereits erwachsenen Schwestern Laleh und Ladan Bijani in Singapur für internationales Aufsehen. Die 29-jährigen Iranerinnen waren am Kopf zusammengewachsen, wünschten sich aber ein eigenständiges Leben. Bei der schwierigen OP kam auch ein Mikroskop aus Österreich zum Einsatz. Keine der beiden Frauen überlebte jedoch die 50 Stunden dauernde Operation.

Siamesische Zwillinge sind extrem selten. Geschätzt kommt es zu einer solchen Geburt pro 70.000 bis 200.000 Geburten. Benannt ist das Phänomen nach Chang und Eng Bunker, die 1811 in Siam – dem heutigen Thailand – zur Welt kamen und ihr Leben lang miteinander verwachsen blieben. Sie waren von der Brust bis zum Nabel zusammengewachsen, traten im Zirkus auf und wurden 62 Jahre alt. Die beiden Männer lebten ab ihrem 18. Lebensjahr in den USA, heirateten später die Schwestern Adelaide und Sarah Yates und zeugten insgesamt 21 Kinder. Allerdings soll das Verhältnis zwischen den beiden Familien nicht ungetrübt gewesen sein.

Das älteste siamesische Zwillingspaar lebt laut Guinness-Buch der Rekorde von 2014 in den USA. Seit ihrer Geburt 1951 teilen sich Ronnie und Donnie Galyon einen Unterleib. Mit mittlerweile 67 Jahren sind sie auch das langlebigste bekannte siamesische Zwillingspaar der Welt. (APA, dpa)