Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.07.2019


Imst

TT-Café in Imst: „Mehr Aufgaben, aber Geld nicht mitgeliefert“

Der Hochsommer kehrte mit dem TT-Café in Imst wieder ein. Vielfach standen die Sorgen der Bürgermeister und Gemeinden im Mittelpunkt.

Bernhard Schöpf (Bergbahnen Imst, l.) und Ernst Schöpf (r.) im Interview mit TT-CR Alois Vahrner.

© PaschingerBernhard Schöpf (Bergbahnen Imst, l.) und Ernst Schöpf (r.) im Interview mit TT-CR Alois Vahrner.



Von Alexander Paschinger

Imst — Ein strahlend blauer Himmel präsentierte sich gestern über dem oberen Sparkassenplatz, der sich einmal mehr als perfekte Kulisse für die Imster Station der TT-Café-Tour erwies. Und auch wenn die Temperaturen über den Vormittag Richtung Hochsommer hin anzogen — die zahlreichen Besucher ließen sich 3050 Tassen frisch gebrühten Kaffee von Wedl/Testa Rossa schmecken. Dazu reichte man gut 1500 Stück Gebäck aus der Hofer Backbox und 1000 Flaschen Silberquelle-Mineralwasser stillten den Durst. Und während die Gruppe Prime Time die Besucher mit angenehmer Musik auf das TT-­Café einstimmte, machten sich auch schon die ersten Interviewgäste — angekündigt von Moderatorin Denise Neher — bereit.

Frauenpower in Runde eins: die Silzer Künstlerin Ursula Beiler (l.) mit der Chefin des Hotel Schwarz, Katharina Pirktl.
Frauenpower in Runde eins: die Silzer Künstlerin Ursula Beiler (l.) mit der Chefin des Hotel Schwarz, Katharina Pirktl.
- Paschinger

Es hat schon Tradition, dass der Imster Bürgermeister Stefan Weirather als Hausherr das erste Wort hat. Der Stadtchef kam — gefragt von TT-Chefredakteur Alois Vahrner — auch schnell zu den großen Investitionen. Etwa die nötigen acht Millionen Euro, die in den Stantort VS Unterstadt fließen werden, die in Bau befindliche Feuerwehrhalle oder der anstehende Zubau des Pflegeheimes. Auch für die Imster Bergbahnen müsse man an die Zukunft denken, sprach er zehn bis 15 Millionen Euro Bedarf an. Dann gibt es noch das Thema Hallenbad — „das würde jeden Imster jährlich 100 Euro kosten, egal ob man schwimmen geht oder nicht". Gefragt nach seiner Position als Bürgermeister betonte er: „Es macht mir Spaß", auch wenn es manchmal auch Beschimpfungen an Stammtischen gebe.

In die Welt der Hotellerie und Gastronomie nahm die Chefin des Mieminger Hotel Schwarz, Katharina Pirktl, die Zuhörer mit. 300 Mitarbeiter zählt das Haus — wenn da einmal wer ausfalle, sei es nicht so tragisch — „da ist die Größe ein Vorteil". Ansonsten berichtete sie vom Spannungsfeld Gesundheit und Natur auf der einen und Digitalisierung und mehr Action auf der anderen Seite. Das betrifft nicht nur die Gäste, sondern auch die Bevölkerung — „solange wir aber miteinander reden, sind wir auf einem guten Weg". Im Grunde liege allen dasselbe am Herzen.

Viel Herzblut brachte auch die Künstlerin Ursul­a Beiler auf die Bühne. Sie berichtete davon, wie sie 2008 im Rahmen der Feierlichkeiten für 200 Jahre Tiroler Freiheitskampf auf ihren Slogan „Grüß Göttin" gekommen war. Dass dieses Schild immer wieder bearbeitet werde, „gehört irgendwie zum Projekt, solange es sich nicht um Vandalismus handelt". Überhaupt liegt ihr die Frauensache am Herzen — was sich auch in ihrer Unterstützung für die Imster Weiberfasnacht ausdrückt.

Die zahlreichen Besucher am oberen Sparkassenplatz genossen das köstliche Frühstück mit viel Unterhaltungswert.
Die zahlreichen Besucher am oberen Sparkassenplatz genossen das köstliche Frühstück mit viel Unterhaltungswert.
- Paschinger

Unterstützung, das war auch ein großes Thema von Söldens Bürgermeister und Gemeindeverband-Präsident Ernst Schöpf: Die Gemeinden würden immer mehr Aufgaben zugeschanzt bekommen, „aber das Geld wird nicht mitgeliefert". Gleichzeitig würden die Bürger immer ungeduldiger. Von Gemeindefusionen halte er weniger, „mehr von Kooperationen". Und dafür gebe es auch schon gute Bespiele in Tirol. In Sölden selbst sind der Zusammenschluss Ötztal-Pitztal, die Umfahrung und das Kraftwerk die Themen. Insbesondere bei der Gletscherehe erkenne er nach 10.000 Seiten Unterlagen und 44 Fachgutachten „keine K.-o.-Kriterien".

So weit ist man bei den Imster Bergbahnen noch nicht, wie Geschäftsführer Bernhard Schöpf erläuterte. Derzeit gibt es einen externen Berater, der eine mögliche Liftverbindung von der Stadt nach Hochimst ins Visier nimmt. Die Bahn macht inzwischen 60 Prozent des Geschäftes im Sommer. Besonders betont er das Miteinander in der Stadt Imst, was die Bergbahn betrifft.

Laura Stigger, Rad-Weltmeisterin und Tiroler Sportlerin des Jahres, nahm sich auch Zeit für ihre jüngsten Fans.
Laura Stigger, Rad-Weltmeisterin und Tiroler Sportlerin des Jahres, nahm sich auch Zeit für ihre jüngsten Fans.
- Paschinger

Dieses Miteinader betont auch der Obmann des Imster Fasnachtskommitees, Ulrich ­Gstrein. Am 9. Februar 2020 findet wieder das Schemenlaufen statt, rund 900 Aktive haben dabei Platz. Ausnahmezustand? „Nein, eher ständiger Zustand. Das Schemenlaufen ist der Motor für das Zusammenleben in Imst", sagt er. Umso kritischer sieht der Jurist so manche legistischen Bestimmungen, die den Vereinen zuletzt aufgedrückt wurden — „da wird teilweise das Kind mit dem Bade ausgeschüttet".

Mit dem Rad angefahren kam hingegen Weltmeisterin Laura Stigger. Vor einem Jahr hatte sie beim TT-Café in Imst von der Heim-WM in Innsbruck geträumt — wenige Wochen später den Traum wahrgemacht. Die nächsten zwei Jahre konzentriert sie sich wieder auf das Mountainbike — und hofft auf eine Olympia-Teilnahme in Tokio 2020.

Dass nun ein Imster in Österreichs Bundesliga kickt, wissen nicht alle. Aber der 27-jährige Sandro Neurauter spielt für die WSG Tirol. „Wir können nur überraschen", freut er sich auf die Aufgaben mit seinem Club. Angesprochen auf die horrenden Transfersummen im internationalen Fußball meint der gelernte Pflegehelfer: „Das ist nicht nachvollziehbar."

Der ÖSV-Direktor für Sprunglauf und Nordische Kombination, Mario Stecher, beendete die Sportrunde. Und zwar mit dem Anspruch, die Springer wieder ganz nach oben zu führen. „Das wird noch zwei, drei, vier Jahre dauern." Aber dann habe man ein Team, bei dem drei, vier unter die Top Ten springen.

Den Abschluss des Imster TT-Cafés bildete die Verlosung: Den 300-Euro-Dez-Gutschein gewann Christine Schönherr aus Wenns, die Testa-Rossa-Kaffeemaschine Helmut Schultes aus Imst.




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