Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.07.2019


Bezirk Kufstein

Traditionshaus in Niederndorf musste weichen

Die Baumaschinen leisteten ganze Arbeit.

© Friedl SchwaighoferDie Baumaschinen leisteten ganze Arbeit.



Es ist unübersehbar. Der traditionsreiche Gasthof Sebi ist endgültig Geschichte. Dort, wo früher schmackhaftes bayerisches Bier ausgeschenkt wurde, wird hinkünftig würzig-feiner Käse der Firma Plangger erzeugt. Das Wirtshaus selbst hat bereits seit Jahren geschlossen. Das alte Haus für die neuen Zwecke umzubauen, sei nach Auskunft der Firma nicht mehr möglich gewesen. Daher blieb nur noch der Abriss des alten Gebäudes, um Platz für einen Neubau für die Sennerei zu machen, die bislang in Walchsee/Durchholzen angesiedelt war.

Das traditionsreiche Gasthaus Sebi verschwand für immer.
Das traditionsreiche Gasthaus Sebi verschwand für immer.
- Friedl Schwaighofer

Berichte über ein Gasthaus an dieser Stelle gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Hier gab es Rastmöglichkeit für die Fuhrleute auf dem Weg über den Wildbichl und zum Walchsee. So richtig berühmt wurde das Haus aber durch Ludwig Steub. Der Reiseschriftsteller schrieb hier den Roman „Die Rose der Sebi", eine Liebesgeschichte um Elisabeth Petermandl, geb. Hechenplaickner, Wirtstochter beim „Sebiwirt", die für die Gäste musizierte und sang.

Diese Tradition, die Gäste musikalisch zu unterhalten, wurde besonders vom langjährigen Wirt Georg Greiderer sen. weitergepflegt.

Das Wirtshaus war nicht nur für sein Musikantentreffen bekannt, sondern auch Schauplatz zahlreicher volksmusikalischer Produktionen der deutschen Fernsehanstalten. Am 18. Oktober 2013 und am 12. Dezember 2013 gab es mit dem 38. Musikantentreffen und 37. Adventsingen die letzten musikalischen Grüße aus dem Tiroler Gasthof in der Unteren Schranne.

Insgesamt gab es weit über 100 große Volksmusikveranstaltungen und Konzerte im Hause Sebi. 2014 schloss das Wirtshaus für immer seine Türen. (TT, sch)