Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.07.2019


Bezirk Reutte

Die besondere Herausforderung reizt: Reuttener leitet Schule in Mexiko

Günther Kaiser stellt sich gerne großen Aufgaben. In Budapest führte er eine Schule zur besten des Landes, nun will er es in einer Großstadt Mexikos wissen. Er fungiert als Direktor und Manager des Colegio Austria.

Die Torstahlsäulen ragen in den Abendhimmel. Im mexikanischen Querétaro expandiert die Österreichische Schule groß.

© Julia KaiserDie Torstahlsäulen ragen in den Abendhimmel. Im mexikanischen Querétaro expandiert die Österreichische Schule groß.



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Lienz, Querétaro – Günther Kaiser baut sich zwar nicht eine Welt, wie sie ihm gefällt. Eine Schule aber schon. Und das in Amerika. Der 50-Jährige leitet seit 2017 das Colegio Austriaco Mexicano, die österreichische Schule in Querétaro, einer Zweimillionenstadt im Zentrum Mexikos. Der promovierte Mathematiker ist aber nicht nur Direktor, sondern auch als Geschäftsführer der Privatschule tätig und hat ein riesiges Investitions- und Ausbauprogramm von Sportanlagen, Schulgebäuden über Schwimmbad bis hin zu Bibliothek und Auditorium zu managen. Die Schule wächst enorm, derzeit sind 320 Niños und Niñas unter seinen Fittichen. Im Endausbau werden es 600 sein. Die 10. Schulstufe wird gerade „eröffnet“ – damit können am Colegio dann sowohl die mexikanische Universitätsreife als auch die österreichische Matura abgelegt werden. 90 Prozent der Schüler sind Mexikaner.

Wie kommt der gebürtige Reuttener ins mexikanische Hochland? Er hat sich einfach beworben. Kaiser sucht private wie berufliche Herausforderungen. Nach 14 Jahren an der „Österreichischen Schule“ in Budapest, die er acht Jahre leitete und sie im Ranking zur besten Privatschule des Landes geführt hatte, reizten ihn neue Aufgaben. Der Mathematiker und Physiker mit Osttiroler Frau aus Abfaltersbach unterrichtete in Lienz am Gymnasium, bevor es die Familie ins Ausland zog. Die beiden Kinder waren in Ungarn mit dabei, nach Mexiko gingen Günther und Barbara Kaiser dann alleine. Der Nachwuchs mit unverkennbarem Osttiroler Slang blieb in Wien zum Studieren.

Eine gewisse Sozialisation hin zum Pädagogischen wird Günther Kaiser nicht ganz verneinen können. Sein Vater baute das Bundesrealgymnasium Reutte als Direktor auf, einer seiner Brüder ist genau dort Administrator und die Schwester ebenfalls ausgebildete Lehrerin. Was die Tochter Julia studiert? Der Leser errät es schon.

Der gebürtige Reuttener Günther Kaiser (im Bild auf Heimatbesuch) leitet das Projekt.
Der gebürtige Reuttener Günther Kaiser (im Bild auf Heimatbesuch) leitet das Projekt.
- Mittermayr

Kaiser spricht Deutsch, Englisch, Ungarisch, Französisch und Spanisch fließend. Verhandlungssicherheit in der Landessprache ist eine der Voraussetzungen, um vom österreichischen Bildungsministerium auf einen Auslands­einsatz geschickt zu werden. Und Verhandlungssicherheit benötigt der Mathematiker, wenn er sein Colegio im Wettbewerb mit den vielen anderen Privatschulen der Region voranbringen will. Kaiser ist ehrgeizig und möchte, dass die Schule, wie schon in Ungarn, aus der Masse herausragt. Dafür setzt er Strukturen und Prozesse neu auf, ändert die Organisation – und baut. Für all dies benötige es – so sei halt Mexiko – Geduld, erklärt er im TT-Interview. Da das staatliche Schulsystem in Mexiko nicht den besten Ruf genießt, boomen die Privatschulen. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder dorthin. Das monatliche Schulgeld beträgt 250 Euro – im internationalen Vergleich nicht viel, in Mexiko für die meisten unerschwinglich.

Die Kaisers wohnen in Santiago de Querétaro ganz normal in einem Wohnblock, keineswegs in einer besonders bewachten „Gated Community“. Die vielen Geschichten über Morde (2018 waren es 33.000 im Land) lösen keine Angst aus. Man müsse halt einfach eine gewisse Vorsicht walten lassen – etwa nicht alleine über Landstraßen fahren. Die Gewalt spiele sich fast ausschließlich innerhalb der (Drogen)-Kartelle ab. Einkaufen im Markt, die spezielle Küche – vieles wird sehr geschätzt.

Dass man mitten im Weltgeschehen wohnt, zeigen unglaublich lange Züge mit bis zu 130 Waggons, die minutenlang am Wohnhaus der Kaisers vorbeiziehen – mit Flüchtlingen auf den Dächern. Richtung Norden, den USA entgegen.

Die Zweimillionenstadt Querétaro, in der der erste Kaiser Mexikos, der glücklose Habsburger Maximilian I., im Jahr 1867 hingerichtet worden war, hat einen weiteren Außerfernbezug. Michael Schwarzkopf verdiente sich dort seine ersten Sporen bei einer Plansee-Tochter, bevor er die Konzernleitung Anfang der 1990er übernahm.