Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.07.2019


Innsbruck-Land

Haller Schwimmbad mit Adler: Gedenktafel für NS-Bau gefordert

Bereits 2008 hat der damalige Haller Stadthistoriker Romedio Schmitz-Esser das Thema Nazibauwerke aufs Tapet gebracht. Politologe Reinhold Gärtner ist gegen Abrisse, aber für Erläuterungen über die Rolle der Denkmäler.

Das Haller Freischwimmbad, heute unter Denkmalschutz, mit seinem steinernen Adler.

© De Moor, PlankDas Haller Freischwimmbad, heute unter Denkmalschutz, mit seinem steinernen Adler.



Von B. Warenski und A. Plank

Hall – Kaum jemand kennt die Geschichte des steinernen Adlers, der mitten im Haller Schwimmbad thront. Auf einer verwitterten Bronzetafel am Sockel ist zu lesen, dass „diese Badeanlage 1938–41 in Gemeinschaftsarbeit der Bevölkerung von Solbad Hall erbaut wurde“.

Bereits 2008 hat der damalige Haller Stadthistoriker Romedio Schmitz-Esser im Bildband „Hall in Tirol“ aus der Reihe „Archivbilder“ (Sutton Verlag) das Thema ­Nazibauwerke aufs Tapet gebracht. Die Archivbilder zeigen den Adler, der damals laut Schmitz-Esser „den Brunnen am Haupteingang des Haller Schwimmbads“ bewacht hat. „Er wurde 1938 fertiggestellt und reflektierte den nationalsozialistischen Zeitgeist, dem auch das Bad als Sporteinrichtung zur ,Volksertüchtigung‘ entsprach.“ Die Betriebsgebäude des Schwimmbads, also der Eingangs- und Garderobenbereich, sowie der Turm stehen heute sogar unter Denkmalschutz. Feierlich eröffnet wurde die Anlage 1941, wie Schmitz-Esser in der Reihe „Archivbilder“ zeigt. Wie wichtig das Schwimmbad war und wie gut es „seinen propagandistischen Zweck erfüllte“, zeigte sich am prominenten Besuch. „1942 kam sogar Reichssportführer Hans von Tschammer persönlich zu Besuch“, sagt Schmitz-Esser. Dass auf das Nazibauwerk – mit seinem Adler – und dessen Geschichte heute noch immer in keiner erklärenden Gedenktafel hingewiesen wird, verwundert Historiker und Denkmalschützer. „Ich wollte damals einen Anstoß geben, dass zu einer Stadtgeschichte auch die 30er- und 40er-Jahre gehören, und halte eine Reflexion über die Bedeutung von diesen Baudenkmälern in Hall für begrüßenswert“, so Schmitz-Esser, heute Leiter des Instituts für Geschichte der Universität Graz. Auch Reinhold Gärtner, Politologe und Rechtsextremismus-Experte der Uni Innsbruck, betont, dass ein derartiges Denkmal nicht unkommentiert bleiben dürfe. „Der Nationalsozialismus ist Teil unserer Geschichte. Alles, was damals gebaut wurde, abzureißen, wäre nicht sinnvoll, es ist aber wichtig, zu erklären, welche Rolle derartige Denkmäler damals spielten.“ In Tirol seien viele historisch vorbelastete Plätze mit Zusatztafeln versehen und geschichtlich richtig eingeordnet worden. Auch Tirols oberster ­Denkmalschützer, Walter Hauser, hält es für wichtig, „dass man Bauten aus der NS-Zeit in angemessener Form und nicht halbherzig kommentiert“.

Halls Bürgermeisterin Eva-Maria Posch gibt sich zurückhaltend. Man sei „in einem Diskussionsprozess“. Es gebe Überlegungen, das Gebäude samt Adler „in seiner Gesamtheit zu kommentieren“. Wie dies geschehen soll, will Posch aber erst mit den „zuständigen Gremien besprechen“.