Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Bezirk Reutte

Festspielhaus Füssen: Nobler Hotelneubau ist abgeblasen

Stimmung gegen Projekt war aufgeheizt. Eigentümer lässt Zukunft des Festspielhauses Füssen offen.

Das Füssener Festspielhaus.

© Allgäu Concerts GmbHDas Füssener Festspielhaus.



Von Helmut Mittermayr

Füssen – Die Nachricht war für die meisten bedrückend, trotzdem gab es stehende Ovationen für einen Mann, der seinen Mitarbeitern – darunter einige Außerferner – gerade eine mehr als unsichere Zukunft prognostiziert hatt­e. Manfred Rietzler, Inhaber von Ludwigs Festspielhaus Füssen, eröffnete der Belegschaft, dass er seine Pläne für den Bau eines Hotels mit Tagungs- und Kongresszentrum auf dem Gelände des Festspielhauses zurückzieht. Vorausgegangen war ein monate­langer erbitterter Streit mit Umweltschützern und einem Fischereiverein als Anrainer des Festspielhauses, die das Projekt, das teils im Forggensee gestanden wäre, mit allen Mitteln und ökologischen Argumenten bekämpft hatten. Die Projektgegner hatten, wie berichtet, sogar einen Bürger­entscheid erzwungen, der in der Stadt Füssen im Herbst über die Bühne gegangen wäre.

Manfred Rietzler hatte immer erklärt, dass ein Fortbestand des defizitären Festspielbetriebes nur möglich wäre, wenn es zur Ansiedelung eines gehobenen Hotels am Gelände komme und sich beide Unternehmen gegenseitig befruchten könnten. Der Allgäuer Unternehmer aus der IT-Branche hätte auch das Hotel finanziert. Aber auch zu einer redimensionierten Variante mit Abstand zum See hatten die Gegner erst vor wenigen Tagen erklärt, sie mit allen Mitteln verhindern zu wollen.

Für seinen Rückzug hatt­e Rietzler auch „Bad Vibrations“, eine schlechte Stimmung, in Füssen angeführt, die sich auch längst auf das erfolgreiche Programm und die Produktionen legen würd­e. Kenner der Stadt prophezeiten ihm zudem eine Niederlage beim Bürgerentscheid. „Diese Entwicklung ist äußerst bedauerlich, da die nun vorhandene Negativstimmung mit fehlenden Fakten und vorgeschobenen Argumenten erzeugt wurde. Diese ist jedoch nun gestreut, nicht mehr umkehrbar und für mich ein deutliches Signal für einen Rückzug“, sagt der Allgäuer gegenüber der TT.

Das Team des Festspielhauses habe in den letzten beiden Jahren mit viel Engagement, Herzblut und überdurchschnittlichem Einsatz für einen Wiederaufbau des Theaterbetriebs gekämpft. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass hierfür kaum Wertschätzung in der Stadt vorhanden ist bzw. diese nur durch begeisterte Gäste andernorts kommuniziert werde.

„Ich habe mich von Anfang an bereit erklärt, die Verluste des Hauses für einige Jahre privat zu tragen, aber nicht langfristig“, kommt er zur Frage, wie es weitergehen soll. Die Veranstaltungen des laufenden Spielplans 2019 würden wie geplant durchgeführt und die Verluste nochmals von ihm getragen. Die vorerst letzte Vorstellung des Musicals Ludwig² wird am 5. Jänner 2020 zu sehen sein. Der Spielplan 2020 werde verschlankt. Was danach kommt, Weiterführung oder Schließung, lässt Rietzler offen. Fakt sei, dass es nun einer langfristigen Unterstützung von extern bedürfe, um das Festspielhaus für Füssen und die Region zu erhalten.