Letztes Update am So, 28.07.2019 07:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Ob Straße oder Alm: In Tirol wird zusammengerückt

Mehr Staus, mehr Versiegelung, mehr Tourismus, mehr Nutzungskonflikte auf den Almen. In Tirol scheint es eng zu werden. Ein Zehnjahres- und Ländervergleich.

Auf Tirols Straßen sorgen Staus für Frust.

© ZOOM-TIROLAuf Tirols Straßen sorgen Staus für Frust.



➤ VERKEHR

Immer mehr Tiroler beklagen sich über Staus vor der Haustüre. „Auf Tirols Straßen herrscht eine enorme Dichte. Unabhängig von Baustellen führt jedes kleine Ereignis zum Stau“, sagt Fritz Gurgiser vom Transitforum. „Die Aggressivität steigt, weil man nicht auskommt.“

Laut Statistik des Verkehrsclub Österreich fuhren vergangenes Jahr erstmals mehr Lkw über den Brenner als über die Schweizer und französischen Alpenpässe zusammen. Im Jahr 2010 überquerten 1,85 Mio. Lkw den Brenner und 2,54 Mio. Lkw sechs Alpenpässe der Schweiz und Frankreichs. 2018 fuhren 2,40 Mio. Lkw über den Brenner und 2,37 Mio. Lkw über Frankreich und die Schweiz. 2018 fuhren 11,4 Mio. Pkw über den Brenner, 2009 waren es 9,3 Mio.

Das Inn- und Wipptal haben europaweit das dichteste Tankstellennetz auf 100 Kilometer, der günstige Sprit bringt für Lkw in etwa eine Ersparnis der doppelten Maut.

➤ TOURISMUS

Dicht wird es an vielen Hotspots Europas. „Es ist ein Paradoxon. Die Flucht der Menschen aus den Ballungsräumen endet im Stau und an den Kassen“, befindet der Soziologe Max Preglau von der Uni Innsbruck. Die Entwicklung in Tirol: Nach Auskunft der Tirol Werbung verbuchte Tirol in der Sommersaison 2018 ca. 6,1 Mio. Gäste und 21,8 Mio. Übernachtungen (Winter: 6,2 Mio. Gäste, 27,5 Mio. Übernachtungen). Vor zehn Jahren wurden 4,1 Mio. Sommergäste verzeichnet und 17,8 Mio. Übernachtungen (Winter: 5 Mio. Gäste, 25,6 Mio. Übernachtungen).

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Die Innsbrucker Altstadt ist im Sommer ein Magnet.
Die Innsbrucker Altstadt ist im Sommer ein Magnet.
- Thomas Boehm / TT

Die Aufenthaltsdauer hat sich in diesem Zeitraum im Sommer von 4,3 auf 3,6 Tage reduziert. Der Anteil der Gäste, die mit dem Pkw anreisen, liegt seit Jahren bei etwa 85 Prozent. Tourismus geht alle an, sagen laut Umfrage des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung.

➤ BEVÖLKERUNG & VERSIEGELUNG

Der Dauersiedlungsraum macht in Tirol 11 Prozent der Fläche aus. Hier muss viel untergebracht werden. Bei den Bauflächen hat Tirol mit 285 Quadratmetern pro Einwohner nach Wien den zweitniedrigsten Flächenverbrauch. Im Burgenland sind es 672 Quadratmeter pro Einwohner. Das sagen Daten des VCÖ. 2017 wurden in Tirol zwei Fußballfelder täglich für Verkehrs- und Bauflächen verbraucht. „Ein zunehmendes Umweltproblem“, befindet Markus Gansterer vom VCÖ.

2008 wurden in Tirol 293,8 Quadratkilometer für Bau- und Verkehrsflächen beansprucht, 2018 waren es 358. Die Bevölkerung Tirols stieg in den letzten zehn Jahren von 704.662 auf 754.705 Menschen. In Innsbruck erhöhte sich die Zahl der Wohnungen in den letzten acht Jahren um ca. 1500 auf 75.303, in Imst um 800, in Kufstein um 1200 Wohnungen (Landesstatistik).

➤ ALMLEBEN

Auch in höheren Lagen herrscht ein buntes Treiben. Nutzungskonflikte auf Almen und Forstwegen stehen an der Tagesordnung. Hinzu kommt die Sorge über die Rückkehr von Wolf und Bär.

Die Maßnahmen nach Kuhattacken reichen von Schildern bis zum Kinderheft. Leider fänden die Hinweise aber nicht immer Beachtung und nach wie vor würden Kühe von Wanderern gestreichelt, bedauert Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger. Die Zahl der Sommertouristen und heimischen Freizeitsportler (17 Prozent der Tiroler fahren Mountainbike) steigt.

Der Tierbestand? Insgesamt ist laut Grünem Bericht die Zahl der Tiere auf den Almen von 286.626 Tieren 2007 auf 268.450 Tiere 2017 gesunken. Die Zahl der Rinder verringerte sich um ca. 20.000 Stück auf 309.146. Die Zahl der Schafe blieb mit gut 114.000 Tieren stabil, Pferde und Ziegen gibt es mehr. (strosa)

Almen: Viehwirtschaft trifft auf Freizeitboom.
Almen: Viehwirtschaft trifft auf Freizeitboom.
- ZOOM.TIROL



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