Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


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Tiroler warten bis zu neun Monate auf Handwerker

Tirols Handwerksbetriebe platzen aus allen Nähten. Gleichzeitig fehlen 3000 Mitarbeiter. Was kann man tun, wenn Handwerker auf sich warten lassen?

Ob Tischler, Installateur oder Maler: Wer in Tirol derzeit einen Handwerker braucht, muss mitunter lange auf einen Termin warten.

© iStockphotoOb Tischler, Installateur oder Maler: Wer in Tirol derzeit einen Handwerker braucht, muss mitunter lange auf einen Termin warten.



Von Nina Werlberger

Innsbruck – Wer in Tirol aktuell einen Fliesenleger, Maler, Tischler oder Spengler sucht, der muss häufig monatelang auf einen Termin warten. Bei einigen Firmen geht im heurigen Jahr auch gar nichts mehr. Die übervollen Auftragsbücher sorgen bei vielen Kundinnen und Kunden für Missstimmung – auch weil manche Unternehmer Aufträge annehmen, die sie gar nicht abarbeiten können. Das berichteten Tirolerinnen und Tiroler der TT, die in den vergangenen Monaten vergeblich auf Maler, Installateur, Fenstertechniker oder Fliesenleger warten.

Gründe für den Auftragsstau bei den Handwerkern seien der Fachkräftemangel und die weiterhin boomende Konjunktur, sagt Franz Jirka. Er führt in Innsbruck eine Firma für Heizungstechnik und ist Innungsmeister in der Wirtschaftskammer Tirol. „Die guten Betriebe werden komplett überrannt. Ihre Auftragslage reicht über neun Monate hinaus, sie sind de facto voll“, berichtet Jirka.

Rund 3000 Mitarbeiter fehlen der Branche in Tirol aktuell. Vor allem im Bau- und Baunebengewerbe spießt es sich, wobei die Wartezeiten für die Kunden durchaus unterschiedlich ausfallen. Den Kunden rät Jirka, dann hellhörig zu werden, wenn ein Unternehmen einen Auftrag nur zögerlich annehmen will oder auf später vertröstet. Wie sieht er jene schwarzen Schafe, die ihren Kunden einen Termin zusagen und diesen dann nicht einhalten? „Es fällt manchen Unternehmern schwer, Nein zu sagen. Das tut kein Mensch zufleiß“, ist Jirka überzeugt.

Für die Konsumentenschützerin Cornelia Kern ist in einem solchen Fall entscheidend, dass zwischen dem Kunden und der Firma wirklich ein Vertrag zustande gekommen ist. Dabei ist es egal, ob der Unternehmer den Auftrag schriftlich oder mündlich am Telefon zugesagt hat – er muss dann auch liefern. „Wenn der Handwerker dann einfach nicht kommt, befindet er sich im Verzug“, erklärt die Expertin vom Verein für Konsumenteninformation.

Taucht ein Tischler oder Maler zum verabredeten Zeitpunkt nicht auf, müsse man ihm eine Nachfrist setzen – am besten schriftlich. Lässt er auch diese verstreichen, könne man vom Vertrag zurücktreten und sein Geld zurückverlangen, so man denn schon etwas gezahlt hat.

Und: „Wenn den Handwerker ein Verschulden trifft – etwa wenn er wegen Überlastung nicht gekommen ist –, dann muss er auch Schadenersatz leisten“, sagt Kern. Kein Verschulden treffe ihn nur bei unvorhergesehenen Wetterproblemen, Straßensperren oder Ähnlichem.

Übrigens: Wenn ein Schaden schlimmer wird, weil der Profi ihn nicht zum abgemachten Zeitpunkt behoben hat, kann dem Kunden auch ein so genannter Verspätungsschaden zustehen. Wächst sich ein kleiner Wasserschaden also zur Überschwemmung aus, muss der säumige Unternehmer für den zusätzlich entstandenen Schaden zahlen. Weil es aber schwierig sein kann, das alles im Streitfall auch nachzuweisen, rät die Konsumentenschützerin dazu, alles schriftlich zu dokumentieren. „Schadenersatz kann nur gerichtlich geltend gemacht werden, eine freiwillige Lösung ist immer schwierig“, weiß die Expertin aber außerdem.

Mit einer Entspannung bei den Wartezeiten ist so bald jedenfalls nicht zu rechnen. Die Firmen erwarten, dass sich ihr Geschäft erst im kommenden Frühjahr ein wenig einbremsen könnte. Franz Jirka attestiert den Kunden allerdings auch eine wachsende Ungeduld. Weil es die Leute inzwischen gewohnt seien, um zehn Uhr am Abend etwas im Internet zu bestellen und zwei Tage später ein Paket zu bekommen, würden sie Ähnliches auch vom Handwerker erwarten. „Die Leute haben immer noch weniger Geduld.“