Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Exklusiv

Kommt was Anrüchiges geflogen: Aufregung um Klärabfälle im Lechtal

Ein Aushub der Kläranlage der Memminger Hütte wurde ins Madautal geflogen und dort auf fremdem Grund liegen gelassen. Die Hüttenpächterin spricht von einem Versehen, der Grundbesitzer von Frechheit.

Klärabfälle der Memminger Hütte wurden mehrere Tage in offenen Big Bags im Madautal „zwischengelagert“.

© KapellerKlärabfälle der Memminger Hütte wurden mehrere Tage in offenen Big Bags im Madautal „zwischengelagert“.



Von Helmut Mittermayr

Bach, Zams – „Die glauben wohl, ihnen gehört das ganze Tal!“ Der Lechtaler Franz Kappeller ist in Rage. Dem Mann aus Bach gehören im hinteren Bereich des Madautales Grundstücke, insgesamt gibt es dort im Bereich Seelealpe vier Privateigentümer. Die Flächen sind die einzig flachen im Talschluss und werden deshalb auch gerne als Start- und Landeplatz für Materialflüge von Hubschraubern genutzt. Gerade erst letzte Woche haben Jäger Brennholz und Salzlecken in die Höhe bringen lassen, was Kappeller keineswegs stört. Aber der Hubschrauber nahm auch Lebensmittel für die Memminger Hütte auf und flog im Gegenzug den Aushub der Kläranlage in so genannten Big Bags wieder ins Madautal. Dort wurden die Säcke laut Kappeller genau auf seinem Grundstück deponiert und „insgesamt fünf Tage einfach liegen gelassen“. Die Big Bags seien offen, der Gestank unerträglich gewesen. Der 69-Jährige machte umgehend Anzeige bei der Polizeiinspektion Elbigenalp, die wiederum die Umweltabteilung der BH Landeck einschaltete. „Eine ordnungsgemäße Entsorgung sieht wohl anders aus. Da sind ja auch Chemikalien wie Putzmittel aus der Hütte drin. Es regnete hinein, dann brannte wieder die Sonne drauf“, legt Kappeller nach.

„Das waren Säcke und kein Fass, aber es schlägt dem Fass den Boden aus, was die sich hier erlauben“, wettert Kapeller, Alpmeister der auf der anderen Talseite liegenden Saxalm. Und er nimmt gleich den Deutschen Alpenverein mit in die Pflicht. „Sonst gebärden sie sich wie eine NGO, mischen sich in Tirol ein, fordern auf Schildern ,Haltet die Alpen sauber‘ – und selbst ...“

Seine Emotion ist eine prinzipielle und schon Jahre zurückreichende. „Immer blieb Abfall von der Memminger Hütte auf meinem Grund zurück, wenn sie Baumaterial oder Lebensmittel hinauffliegen ließen. Deshalb habe ich ihnen schon vor mehreren Jahren jegliche Benutzung meiner Gründe untersagt.“ Dies sowohl per E-Mail an die Hütte als auch per eingeschriebenem Brief an die DAV-Sektion in Memmingen: „Denn die sind ja der Besitzer der Hütte, Pächter können wechseln.“ Deshalb wüssten alle genau, dass sie hier nichts verloren hätten. Aber man probiere sich halt an die Jägerflüge günstig anzuhängen, mutmaßt Kappeller. Die Säcke seien nach seinem Drängen jedenfalls erst nach fünf Tagen weiter ins Lechtal hinuntergeflogen worden. Er habe auch keine Entschuldigung bekommen oder sonst irgendetwas von Seiten der Hüttenbetreiber gehört.

Die Memminger Hütte, die wie das Madautal zwar Richtung Lechtal gerichtet ist, aber politisch zur Gemeinde Zams gehört und direkt am Weitwanderweg E5 situiert ist, weist eine hohe Besucherfrequenz auf. Seit vier Jahren ist Katrin Schmid dort Pächterin. Sie kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen, ja findet die Anschuldigungen Kappellers völlig überzogen. „Da ist halt ein Fehler beim Flugunternehmen passiert, das wir beauftragt haben. Die Big Bags sollten dort nicht abgeladen werden. Nach zwei Tagen war alles ordnungsgemäß entsorgt.“ Die Memminger Hütte sei auch Mitglied der Wegegenossenschaft im Madautal, trage ihren finanziellen Teil dazu bei und sei daher sicherlich auch berechtigt, Material von dort hoch- und runterfliegen zu lassen.

„Die Versorgungsflüge finden eh nur zweimal in der Saison statt. Einmal zu Beginn und dann noch einmal, wenn die Kläranlage geräumt werden muss.“ Ansonsten werde nur die Materialseilbahn für alle Formen der Anlieferung benutzt. Und man sei zudem ja auch ein Wirtschaftsbetrieb, der Umsatz würde doch auch Bach zugutekommen, fügt Schmid hinzu. Sie wolle jedenfalls nicht in alte Händel hineingezogen werden und habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Weitere Händel werden der Pächterin jedoch wohl nicht erspart bleiben. Denn Franz Kappeller lässt in einer Reuttener Anwaltskanzlei gerade eine Besitzstörungsklage vorbereiten: „Nur weil die Memminger Hütte den Weg benutzen kann, heißt das doch noch lange nicht, dass sie ungefragt Sch... auf fremdem Grund abladen kann.“