Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.08.2019


Bezirk Innsbruck-Land

Kaffeeunternehmen „Unbound“: Vom Weltreisenden zum Kaffee-Unternehmer

Zusammen mit der Lebenshilfe werden in Wattens Kaffee-Kreationen geröstet und produziert. Das ist auch eine Frage des Lifestyles.

Markus Ladurner und Herbert Fletscher unterstützen Florian Mayrhofer beim Rösten (v. r.).

© StegmayrMarkus Ladurner und Herbert Fletscher unterstützen Florian Mayrhofer beim Rösten (v. r.).



Von Markus Stegmayr

Wattens – Ende 2017 gründete der 28-jährige Florian Mayr­hofer das Kaffeeunternehmen „Unbound“ und siedelte dieses am Areal der „Werkstätte Wattens“ an. Der Wirtschaftsabsolvent und Weltenbummler hat damit offenbar seine Berufung und Heimat gefunden.

Die Verortung seiner Firma im Start-up-Kontext gefällt dem Jungunternehmer. Euphorisch erzählt er von der kreativen und kollegialen Atmosphäre vor Ort. „Wir helfen und unterstützen uns, so gut es nur geht.“ Dieser unkomplizierte Umgang miteinander und die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen passe dann auch sehr gut zu den unternehmerischen Ideen des Kaffee-Enthusiasten. Denn „normaler“ Kaffee hat ihn nie wirklich interessiert, erzählt Mayrhofer. „Ich wollte Kaffee sexy machen.“ Daran, dass das möglich ist, hat er nie wirklich gezweifelt. Und das, obwohl ihm sein Vater, der als Kaffeehändler tätig war, eigentlich davon abgeraten hat, „etwas mit Kaffee“ zu machen. Der Markt sei kaputt, meinte dieser anno dazumal.

Als der 28-Jährige dann in der Phase zwischen Bachelor- und Masterstudium auf Weltreise ging und dort Kaffeefarmen kennen lernte, war es aber dennoch um ihn geschehen und er schlug jedwede gutgemeinten Ratschläge des Vaters in den Wind. Von da an feilte er nur noch an einem „coolen Konzept mit Kaffee“, erklärt er. Noch während dem Studium machte er außerdem eine einschlägige Barista-Ausbildung.

Mit Kaffee-Begeisterung und von der Pike auf gelerntem Handwerk war bald sein Unternehmen geboren. „Die Marke soll auch eine Lebenseinstellung ausdrücken. Es geht darum, frei und weltoffen zu sein und verschiedene Sachen auszuprobieren“, ergänzt er. Letzteres tut er mit seinen Kaffee-Kreationen, die vor Ort auch in Zusammenarbeit mit der regionalen Lebenshilfe produziert und geröstet werden. Herbert Flatscher und Zivildiener Markus Ladurner sind meist am Donnerstag in der Rösterei. „Das ist der Rösttag“, verrät Mayrhofer. Die dabei entstehenden Kaffee-Produkte tragen so ungewöhnliche Namen wie „Fruity Beauty“, „Go Nuts“ oder „Merry Blueberry“.

Aber nicht nur mit ungewöhnlichen Namensgebungen, offenbar an eine junge und urbane Zielgruppe adressiert, will sich Mayrhofer in der Tiroler Gastronomie und darüber hinaus einen Namen machen. „Wichtig für mich ist auch, dass man mit der Kaffeemaschine richtig umgehen kann“, führt er aus. „Wir stellen bei uns vor Ort beispielsweise die Mühle jeden Tag neu ein“, erklärt Mayrhofer. Es gehe also auch darum, die Kaffee-Kunden dementsprechend zu schulen und zu sensibilisieren.

Sensibilisierung ist auch das Stichwort, das das noch junge Kaffee-Unternehmen in Bezug auf die veränderte Kaffeekultur für sich nutzen will. Diesbezüglich fühlt man sich der „dritten Kaffeewelle“ zugehörig. Diese weltweite Bewegung setzt auf hochqualitativen Kaffee und volle Transparenz bei Herkunfts- und Verarbeitungsfragen. Nicht zuletzt betrachtet man bei dieser den Kaffee als Genussmittel und legt viel Wert auf die geschmacklichen Unterschiede. Kaffee ist hier also nicht mehr nur Kaffee.

„Lifestyle“ nennt das Mayrhofer selbst. „Neben dem Auskosten der geschmacklichen Differenzen ist dabei auch das bewusste Konsumieren enorm wichtig“, erläutert er. Dass dieser „Lifestyle“ im Moment noch mehr in Berlin denn in Tirol beheimatet ist, macht dem Unternehmer dabei keine Sorgen. „Die Szene wird auch hier immer größer.“