Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.08.2019


Bezirk Imst

Imster Stadtrundgang zur Arbeitsmigration

Zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Zimmer mit Arbeit“ im Museum im Ballhaus gehören auch vier Stadtführungen durch Imst.

Sabine Moschen führt zu Betrieben, die Arbeitsmigranten beschäftigten, und vergleicht die Bilder.

© DornSabine Moschen führt zu Betrieben, die Arbeitsmigranten beschäftigten, und vergleicht die Bilder.



Von Agnes Dorn

Imst – Seit Mai läuft im Museum im Ballhaus die Ausstellung zur Geschichte der Arbeitsmigration der 60er- und 70er-Jahre. Passend dazu führt Sabine Moschen Interessierte auf zwei verschiedenen Rundgängen durch Imst, bei denen die wichtigsten Orte der damaligen Arbeitsmigranten besucht und erklärt werden. Vergangene Woche startete die Führung bei der Brennbichler Kirche und führte zu den damaligen Arbeitgebern am Rofen in Imst.

„Die ansässigen Industrie­betriebe bzw. das Baugewerbe waren in der Zeit des Wirtschaftsbooms der 1960er- und 70er-Jahre dringend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, um anstehende Aufträge erfüllen zu können. Besonders aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, aber auch aus Tunesien wurden Fach- und Hilfskräfte angeworben“, erklärt Moschen. Die 1948 gegründete Firma Pfeifer hatte damals schon ein Sägewerk und als sie expandierte, suchte sie dringend Arbeitskräfte. Auch in der nahe gelegenen Weberei Jenny & Schindler, die 1985 die Betriebstore schloss, wurden zahlreiche Arbeitsmigranten beschäftigt.

Zwar arbeiteten die meisten so genannten „Gastarbeiter“ in der Stein- und Erd- sowie der Metallindustrie, doch auch in der Textilbranche waren in der Hochblüte der Arbeitsmigration immerhin 14 Prozent der Beschäftigten aus anderen Ländern gekommen. In der Textilfabrik Stapf waren in den 70er-Jahren mehr als die Hälfte der über 400 Arbeiter als Gastarbeiter beschäftigt. Auch ausgebildete Weber aus der Türkei arbeiteten hier als Vorarbeiter an der Seite der einheimischen Hilfsarbeiter, wie Moschen von einer Besonderheit der Textilindustrie zu berichten weiß. Von den Details der einzelnen Betriebe über die Unterkünfte und Orte der Freizeit, wie das Hotel Eggerbräu, weiß die Stadtführerin auch Allgemeines über das Mit- und Nebeneinander in Imst zu berichten: „Man hat die Menschen zwar als Arbeitskräfte akzeptiert, hatte aber auch Angst vor Überfremdung.“

Die Teilnahme an den beiden noch folgenden, circa zweistündigen Stadtspaziergängen ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich. Die nächste Führung durch die Oberstadt findet am 24. August statt, Treffpunkt ist um 14 Uhr beim Parkplatz des Gasthaus Hirschen.

Am 7. September findet der letzte Rundgang statt, dieser startet wieder vor der Kirche in Brennbichl, ebenfalls um 14 Uhr.




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