Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.08.2019


Osttirol

Boden-Luft-System: „Es wird vermehrt solche Modelle brauchen“

Der Flugrettungs-Unternehmer Roy Knaus verteidigt das Matreier „Boden-Luft-System“. Die Grundversorgung ist weiterhin kostenlos.

Die Sicherstellung der Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch Martin-4-Flugrettungs-Notärzte funktioniert in Matrei noch nicht lückenlos.

© Brunner Images | Christian WaldeDie Sicherstellung der Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch Martin-4-Flugrettungs-Notärzte funktioniert in Matrei noch nicht lückenlos.



Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Es gibt täglich neue Aufregung um das „Kombisystem Boden-Luft“, das seit 1. August im Iseltal die notärztliche Versorgung rund um die Uhr gewährleisten soll. Gestern fand erneut eine Besprechung im Landhaus statt, um weiterhin offene Fragen zu klären. Denn laut Auskunft des Zivil- und Katastrophenschutzes holt der in Matrei stationierte Gemeinde-Notfallsanitäter den Notarzt des Flugunternehmens Knaus mit dem Rettungseinsatzfahrzeug nur in der Nachtzeit von 19 bis 7 Uhr ab und bringt ihn an seinen Einsatzort. Und zwar deshalb, weil der Sanitäter nur in dieser Zeit selbst im Dienst steht und man ein solches Fahrzeug nur mit einer speziellen Berechtigung lenken darf. In Matrei besteht derzeit also keine Möglichkeit, den Knaus-Notarzt in der Tageszeit von 7 bis 19 Uhr an einen Bestimmungsort zu fahren, wenn das Wetter gerade keine Flüge zulässt.

Im Ernstfall müsste dann wieder der nächstgelegene Notarzt aus dem Defereggen­tal oder vom Lienzer Tal­boden aus in das Iseltal fahren – wie übrigens auch dann, wenn der Notarzthubschrauber Martin 4 gerade woanders in- oder außerhalb Osttirols im Einsatz steht.

Der Hubschrauber-Unternehmer Roy Knaus widerspricht jedenfalls energisch der weit verbreiteten Sorge, dass der Bevölkerung durch das jetzige „Boden-Luft-System“ zusätzliche Kosten entstehen würden: „Die Grundversorgung ist in ganz Tirol kostenfrei für die Bevölkerung und für Touristen – egal, ob mit dem Rettungseinsatzfahrzeug gefahren oder mit einem Hubschrauber geflogen wird.“ Auch aus Fehl­alarmierungen würden den Betroffenen keinerlei Kosten entstehen. „Die Ausnahme sind Sport- und Freizeitunfäll­e im freien Gelände.“ Einzig und allein diese seien nicht durch die Grundversorgung gedeckt. Wer keine private Versicherung vorweisen kann, muss die Bergekosten für die Flugrettung in einem solchen Fall selbst tragen. Knaus verweist auf eine Vereinbarung, die alle Hubschrauberunternehmen im Jahr 2012 mit dem Land Tirol getroffen haben.

Wenn der Notarzt mit dem Hubschrauber zu einem Einsatz gerufen wird und sich vor Ort herausstellt, dass der Patien­t nur eine Erkrankung oder Verletzung der NACA-Kategorien eins bis zwei, in Ausnahmefällen auch drei aufweist, übernimmt die Gebietskrankenkasse die Kosten dafür zwar nicht. In der Vereinbarung mit dem Land haben die Flugrettungs-Unternehmen für solche Fälle allerdings die Abgeltung mittels einer Pauschale akzeptiert. „Diese Bestimmung besteht und daran wird aus meiner Sicht auch nicht gerüttelt“, sagt Knaus. „Weder Patienten noch Anrufer bekommen ein­e Rechnung.“

Der Flugunternehmer Roy Knaus betont, dass in Österreich niemand Angst haben soll, den Notruf 144 zu wählen.
Der Flugunternehmer Roy Knaus betont, dass in Österreich niemand Angst haben soll, den Notruf 144 zu wählen.
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Der Flugunternehmer sieht das derzeitige System in Matrei nicht als in Stein gemeißelt an. „Hubschrauber sind auch kein Allheilmittel.“ Auf die Frage, wie man das Problem mit dem fehlenden Einsatzfahrer für jene Tageszeiten zu lösen gedenkt, wenn im Iseltal wetterbedingt kein Flugbetrieb möglich ist, weicht der Unternehmer aus: „Wenn wir im Detail nachbessern können, werden wir das natürlich tun.“ Jedenfalls plant Knaus, die Zahlen des heurigen Sommers nach Saisonende Mitte Oktober, wenn er sich wieder aus Matrei zurückzieht, zu evaluieren.

Der Matreier Bürgermeister Andreas Köll stellte gestern fest: „Ich habe weder ein altes System zerschlagen noch ein neues installiert.“ Es sei seine Aufgabe als Bürgermeister, auf Missstände in der Versorgung aufmerksam zu machen. „Die Grundversorgung ist und bleibt kostenlos.“