Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.08.2019


Bezirk Schwaz

Krankenhaus Schwaz fühlt Herzschwäche auf den Zahn

34 Patienten erhöhte das HerzMobil-Projekt am Schwazer Krankenhaus seit Juni 2018 die Lebensqualität.

Gabriele Polanezky, Pflegedienstleiterin am BKH Schwaz.

© DählingGabriele Polanezky, Pflegedienstleiterin am BKH Schwaz.



Von Angela Dähling

Schwaz – Es ist meist ein schleichender Prozess, dessen anfängliche Symptome sich häufig mit Luftnot nach leichter körperlicher Anstrengung wie Treppensteigen zeigen. Der geschwächte Herzmuskel ist nicht mehr in der Lage, seine Pumpfunktion ausreichend zu erfüllen. Die Anzahl an Menschen mit Herzinsuffienz nimmt stetig zu. 2016 litten weltweit über 38 Millionen Menschen daran. „Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung leiden an Herzschwäche. Zehn Prozent sind es bei den über 65-Jährigen in Tirol“, weiß Gabriele Polanezky, Pflegedienstleiterin am Schwazer Bezirkskrankenhaus.

Das Schwazer Spital hat vor etwas mehr als einem Jahr das Projekt „HerzMobil“ gestartet, damit Menschen mit dieser Krankheit nicht mehr so viel Zeit im Krankenhaus verbringen müssen – die TT berichtete. Sie werden mit einem Blutdruck-Messgerät und einer Spezialwaage, die über Bluetooth die Werte ans Smartphone senden, ausgestattet. Auf der darauf installierten App dokumentiert der Patient auch seine Medikamenteneinnahme. Drei Monate wird der Patient so beobachtet und bei Verschlechterung der Werte von Pflegerinnen des BKH und niedergelassenen Internisten kontaktiert und betreut.

Dass es drei Monate sind, hat einen Grund. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es drei Monate braucht, damit Verhaltensänderungen dauerhaft beibehalten werden können“, weiß Gabriele Polanezky. Eine Änderung des Lebensstils ist bei Herzinsuffizienz meist unerlässlich. Mehr Bewegung, eine gesündere Ernährung sind nötig, um neben einer konsequenten Einnahme der verordneten Medikamente eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erreichen.

Gemeinsam mit zwei niedergelassenen Internisten wurde das Pilotprojekt im Juni 2018 gestartet, inzwischen sind es fünf. 34 Menschen mit Herzschwäche nutzten seither das HerzMobil-Programm über das BKH Schwaz. Derzeit sind sieben Patienten in Betreuung. Seit Mai wird auch im Krankenhaus in Zams „HerzMobil“ angeboten, in Kufstein soll es im Herbst so weit sein. Mittlerweile habe sich herausgestellt, dass die größte Herausforderung der Umgang mit der Technik bei älteren Patienten sei, wie Polanezky erklärt.

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Wenn die Daten nicht an das Handy übertragen bzw. richtig eingegeben werden, funktioniert das Ganze nicht. „Daher ist es bei älteren Patienten wichtig, frühzeitig die Angehörigen oder den Sozialsprengel einzubinden“, sagt die Pflegedienstleiterin.