Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.08.2019


Innsbruck-Land

Mensch und Wolf: Ein Verhältnis zwischen Angst und Anziehung

Von der Kulturgeschichte des Wolfes bis zum Gespräch mit einem führenden Wolfsexperten: Das Gemeindemuseum Absam greift ein brisantes Thema auf.

Die Beziehung zwischen Mensch und Wolf in Geschichte und Gegenwart ist Thema eines Schwerpunkts im Museum Absam.

© Gemeindemuseum AbsamDie Beziehung zwischen Mensch und Wolf in Geschichte und Gegenwart ist Thema eines Schwerpunkts im Museum Absam.



Von Michael Domanig

Absam — Als Matthias Breit, Leiter des Gemeindemuseums Absam, mit den Vorbereitungen für ein „Wolf-Wochenende“ begann, war noch nicht absehbar, wie sehr der große Beutegreifer die Tiroler Öffentlichkeit bald darauf beschäftigen würde. Vom 9. bis 11. August steht im Museum also ein Thema im Fokus, das aktueller nicht sein könnte.

Zunächst — am Freitag um 20 Uhr und Samstag um 16 Uhr — gibt es unter dem Titel „Wie ein Tier böse wurde“ Einblicke in die Kulturgeschichte des Wolfes. Schließlich bewegt sich die menschliche Auseinandersetzung mit dem Tier wohl seit jeher zwischen Angst und Anziehung.

Die Jagd auf den Wolf habe dabei schon vor Jahrhunderten „mitten hinein in die sozialen Verhältnisse und Hierarchien“ geführt, meint Breit. So habe bereits im ausgehenden 15. Jahrhundert die privilegierte Raubtierjagd zu den von den Bauern immer wieder beklagten Wolfsplagen beigetragen. Schließlich sollte Jagen eine Herrschaftsangelegenheit bleiben. Den Untertanen wurde höchstens vorübergehend und begrenzt das Recht zugesprochen, Wölfen selbst nachzustellen.

Lange war eine stark moralisierende Betrachtung des Wolfes und des „Wolfshungers“ prägend, etwa auch beim Haller Arzt und Gegenreformator Hippolyt Guarinoni (1571—1654). Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Wolf — jenseits von Vorurteilen, Märchen, dem Bibel-Gleichnis vom Wolf im Schafspelz oder dem Werwolf-Mythos — sei dagegen erst relativ jung, so Breit.

Im Museum wird auch eine Toncollage von Polit-Debatten aus der Schweiz oder Deutschland zu hören sein, wo die Wölfe seit Jahren ein großes Thema sind. Dazu spielt Gregor Degasperi auf der E-Gitarre — u. a. Musik der Bluesgröße Howlin‘ Wolf.

Am Sonntag um 16 Uhr ist im Museum dann ein bekannter Wolfsexperte zu Gast — Georg Rauer, Zoologe, Wildökologe, Wolfsbeauftragter und Bärenanwalt, der am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien arbeitet. Er wird aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wolf und seinem Verhältnis zum Menschen vorstellen. Dabei wird es etwa um die Frage gehen, wie es dazu kam, dass der Wolf in Europa unter strengen Schutz gestellt wurde, darum, ob die „Entnahme“ von einzelnen Wölfen sinnvoll ist, oder um die mögliche Rolle von Hirten und Herdenschutzhunden. Laut Wolfsmonitoring ist Österreich von der Slowakei bis zur Schweiz von weit über 1000 Wölfen „umgeben“ — das Thema wird also bleiben. Eintritt frei!




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