Letztes Update am Fr, 09.08.2019 13:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanien

Zwischen Raserei und Ekstase: Comeback des Stierkampfes auf Mallorca

Die Wiederauferweckung des Stierkampfes auf Mallorca spaltet die Region. Trotz Protesten wird für den heutigen Kampf in Palma eine große Besucherzahl erwartet.

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Palma de Mallorca – Am heutigen Freitag werden nach zweijähriger Pause das erste Mal wieder Toreros Stiere auf Mallorca töten.

Ende 2018 kippten die Richter in Madrid in Teilen ein balearisches Stierkampfverbot aus dem Jahr 2017. Sie hoben das seitdem geltende Verletzungs- und Tötungsverbot der Stiere auf. Das Madrider Gericht erklärte damals mehrere Artikel des Gesetzes über Stierkämpfe und Tierschutz für verfassungswidrig.

Die neuen Bestimmungen wie etwa Alkoholverbot in der Arena oder Einlass nur für Volljährige wurden von den Medien als „Stierkampf light“ betitelt, also eine verminderte Version des originalen Kampfes.

Der Staat hat das letzte Wort

Das Regionalparlament habe in Palma mit dem Tötungsverbot seine Kompetenz überschritten, befanden die Richter. Da die „Corrida“, wie der Stierkampf auf Spanisch heißt, 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden war, könne nur der Staat darüber entscheiden, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Stiftung „Fundación Toro de Lidia“ hatte das Tötungsverbot mit folgender Aussage als „Barbarei“ bezeichnet: „Der Stierkampfkunst wird ihre Essenz genommen, nämlich der Tod.“ Bei den traditionellen Corridas erfolgt die Tötung des Stiers nach rund 20 Minuten mit einem Degen. Pro Veranstaltung werden in der Regel sechs Stiere getötet.

Gespaltene Meinungen im Volk

Am Montag haben gut 50 Tierschützer vor dem Rathaus von Palma protestiert. Sie riefen Parolen wie „Das ist keine Kultur, sondern Tortur!“

Die Tierschutzgruppe „I.C.A Animalista“ rief auch am Freitag zu Protesten auf.

Trotz des vielen Widerspruches erwarten die Organisatoren viele Besucher im „Coliseo Balear“. Vor den Kassen bildeten sich in den letzten Tagen lange Schlangen. Unter den Toreros werden heute auch gefeierte Stars wie Morante de la Puebla und Julián Lóper Escobar zu sehen sein. (APA/dpa/anh)